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Italien: Küstenwache rettet fast tausend Flüchtlinge im Mittelmeer

Flüchtlingsboot vor Italien (Archivbild): 978 Gerettete, ein Toter Zur Großansicht
AFP/ MOAS

Flüchtlingsboot vor Italien (Archivbild): 978 Gerettete, ein Toter

Sie hatten die Küste Libyens 30 Seemeilen hinter sich gelassen, dann gerieten sie in Seenot: Die italienische Küstenwache hat im Mittelmeer etwa tausend Flüchtlinge gerettet. Alle überlebten jedoch nicht.

Die italienische Küstenwache hat fast tausend Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Gemeinsam mit der Marine hätten Rettungskräfte 978 Menschen in Sicherheit gebracht, teilte die Behörde auf Twitter mit. Demnach wurden die Migranten in drei verschiedenen Operationen an Land gebracht.

Die Flüchtlinge hatten am Freitagnachmittag mit einem Satellitentelefon einen Notruf abgesetzt, meldet die italienische Zeitung "La Repubblica" . Demnach waren die Boote 30 Seemeilen vor der Küste Libyens in der Straße von Sizilien in Seenot geraten, einer schmalen Stelle des Mittelmeers zwischen Nordafrika und der italienischen Insel Sizilien.

In einem der Boote hätten die Rettungskräfte einen toten Mann gefunden, schreibt das Blatt weiter. Die anderen Flüchtlinge haben demnach offenbar überlebt. Sie wurden in verschiedene Häfen im Süden Italiens gebracht. Über die Herkunft der Flüchtlinge wurde zunächst nichts bekannt, laut einem Bericht der maltesischen Zeitung "Times of Malta" hatten ihre Boote jedoch in Libyen abgelegt.

2100 gerettete Flüchtlinge - an einem Tag

Italien war in den vergangenen Monaten scharf für seine Flüchtlingspolitik kritisiert worden. Nach der Katastrophe von Lampedusa, bei der im Oktober 2013 Hunderte Migranten im Mittelmeer ertrunken waren, hatte das Land die großangelegte Rettungsaktion "Mare Nostrum" gestartet. Die italienische Marine rettete so binnen einem Jahr mehr als 100.000 Menschen von brüchigen Kähnen und aus heiklen Situation.

Ende 2014 hatte das wirtschaftlich angeschlagene Italien jedoch das Ende der Operation verkündet - weil diese mit 114 Millionen Euro Gesamtkosten zu teuer für das Land geworden sei. Die Europäische Union sprang daraufhin mit der Grenzschutzmission "Triton" ein, die jedoch deutlich weniger Flüchtlinge aus Seenot retten kann. Seitdem starben wieder mehr Menschen vor den Küsten Europas.

Zuletzt hatten italienische Rettungskräfte im Februar innerhalb eines Tages mehr als 2100 Migranten im Mittelmeer gerettet. Die Flüchtlinge waren auf zwölf Booten südlich der Insel Lampedusa in Seenot geraten und hatten Notrufe abgesetzt. Vermutlich waren sie trotz des schlechten Wetters von Libyen aus gestartet.

Le navi militari italiane stanno portando in Sicilia altri 1.000 CLANDESTINI, raccolti a 30 miglia dalle coste della...

Posted by Matteo Salvini on Samstag, 11. April 2015
Ebenso wie in Deutschland ist auch in Italien die Frage äußerst umstritten, ob Flüchtlinge aufgenommen werden sollen. Vor allem rechtskonservative und populistische Parteien wie die Lega Nord wettern gegen Migranten. So wirft Lega-Chef Matteo Salvini nun dem italienischen Premier Matteo Renzi und dessen Stellvertreter Angelino Alfano in einem Beitrag auf Facebook vor, den "Taxi-Service" fortzusetzen, "um den Schleusern zu helfen".

Er selbst hingegen würde die Schiffe der italienischen Kriegsmarine nutzen, "UM UNSERE GRENZEN ZU VERTEIDIGEN", schreibt Salvini weiter - und stellt seinen Anhängern die rhetorische Frage: "Und ihr?" Der umstrittene Politiker hatte erst vor wenigen Tagen mit der Äußerung Empörung erregt, Roma-Lager mit Bulldozern "dem Erdboden gleichmachen" zu wollen.

  • Spanien-Marokko, Griechenland-Türkei, Ungarn-Serbien: Orte entlang dieser drei Grenzen zeigen, mit welch rabiaten Methoden sich Europa gegen Arme und Schutzsuchende abschottet. SPIEGEL-Reporter Maximilian Popp und Fotograf Carlos Spottorno reisten zu Schutzzäunen und in Auffanglager, sie begleiteten Patrouillen auf See und trafen Flüchtlinge, die alles riskieren für eine Zukunft in Europa.
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mxw

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