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Mobile Sterbehilfe in den Niederlanden: "Besser offene Barbarei als heimliche Sterbehilfe"

Aus Amsterdam berichtet

In den Niederlanden sind seit diesem Donnerstag professionelle Sterbehilfe-Teams unterwegs. Sie ebnen Schwerstkranken und Lebensmüden den Weg ins Jenseits. Kritiker wettern gegen eine Kommerzialisierung des Todes - und fürchten einen fließenden Übergang von Lebenskrise zu Lebensende.

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Corbis

Kritik an mobiler Sterbehilfe in den Niederlanden: Leben schützen, nicht beenden

"Nein, es gibt keine Warteliste für das Lebensende-Projekt", sagt Walburg de Jong, sie sitzt im Büro der "Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende" (NVVE) an der Amsterdamer Leidsegracht. Von diesem Donnerstag an können sich Sterbewillige in den Niederlanden telefonisch oder per E-Mail an die Stiftung Levenseindekliniek (zu deutsch: Lebensendeklinik) in Den Haag wenden und um Beistand bitten.

Es geht nicht darum, dass ein Arzt medizinische Apparaturen abschaltet oder auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichtet. Es geht um konkrete, aktive Hilfe beim Ableben. Um zwei Substanzen, die der Mediziner einem unheilbar kranken, "unerträglich leidenden" Menschen verabreicht. Eine befördert den Patienten in die Bewusstlosigkeit, die andere lähmt seine Atmung. Bis zum Exitus.

"Wir rechnen mit tausend Anfragen pro Jahr", sagt de Jong und erklärt, wie der Wert aus der Zahl der geschätzten 10.000 Sterbehilfe-Anträge im Land ermittelt wurde. "Naja, das ist so eine theoretische Zahl", sagt der Projektleiter und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Levenseindekliniek, Jan Suyver. "Ich erwarte weniger Interessenten, wir könnten so viele Patienten auch gar nicht auf einmal betreuen."

Was bedeutet "unerträglich"?

Mehr als 2300 Menschen ließen sich in den Niederlanden laut Gesundheitsministerium im Jahr 2005 ausdrücklich auf eigenen Wunsch vom Diesseits ins Jenseits befördern, das entspricht immerhin fast zwei Prozent aller Sterbefälle. Durch das Beenden lebensverlängernder Maßnahmen starben im selben Jahr 21.300 Menschen (16 Prozent).

Ab Mitte des Jahres sollen in der geplanten Sterbeklinik mehrere Betten für jene bereitstehen, die nicht zu Hause sterben können und deren Hausarzt sich weigert, Sterbehilfe zu praktizieren - obwohl genau das in den Niederlanden legal ist. In den Niederlanden spricht man von Euthanasie, anders als in Deutschland ist der Begriff hier nicht negativ besetzt.

An diesem Donnerstag nimmt die mobile Sterbe-Taskforce der Stiftung Lebensendeklinik ihren Dienst auf: sechs Teams, bestehend aus je einem Arzt und einer Krankenschwester. Sie besuchen auf Anfrage landesweit Sterbewillige, sehen die Krankenakte ein, führen Gespräche und nehmen Kontakt zum Hausarzt auf, um zu erfahren, warum er selbst keine Sterbehilfe leisten wollte. "Wir legen größten Wert darauf, dass die geltenden Gesetze beachtet werden und die Patienten die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen", so Suyver.

Die allerdings sind recht schwammig formuliert: Zwar sind Sterbehilfe und Hilfe beim Suizid in den Niederlanden prinzipiell strafbar. Seit 2002 gibt es jedoch ein Gesetz, das Ärzte von der Strafverfolgung ausnimmt, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

• Der Patient entscheidet sich freiwillig und nach reiflicher Überlegung für Sterbehilfe oder begleiteten Suizid.

• Es wird ein zweiter Arzt vor der Entscheidung zu Rate gezogen.

• Der Patient leidet "unerträglich" an einer anerkannten Krankheit, ohne Aussicht auf Besserung.

Wie aber definiert man "unerträglich"? De Jong von der NVVE winkt ab: "Das bestimmen nicht wir, sondern der zuständige Mediziner." Als Zielgruppe gelten unheilbar Kranke, unter ihnen vor allem Krebspatienten, die ihr Leiden verkürzen wollen. Laut einer vom NVVE in Auftrag gegebenen Studie machen sie weit mehr als 90 Prozent der Antragsteller aus. Aber auch Menschen mit beginnender Demenz und chronisch psychisch Kranke passen den Sterbehelfern zufolge ins Raster. Laut NVVE beantragen jährlich über 500 austherapierte Patienten Hilfe beim Selbstmord.

Kann ein partiell vergesslicher und desorientierter alter Mensch eine so schwerwiegende Entscheidung überhaupt noch treffen, sollte keine Patientenverfügung vorliegen? "In seinen lichten Momenten schon", behauptet de Jong. "Auch psychisch Kranke sind ja nicht permanent psychotisch. Es gibt viele, die seit Jahrzehnten in Behandlung sind und immer wieder versuchen, sich umzubringen. Sie wollen so einfach nicht mehr weiterleben." Die Zahl der niederländischen Psychiater, die solchen Patienten beim Suizid helfen, sei aber verschwindend gering.

"Die Pflicht zum Sterben"

Als das Projekt in Deutschland bekannt wurde, übten Konservative, Kirchenvertreter und Patientenschützer aufgeregt Kritik. "Eine kultivierte Form der Barbarei", sei das, schimpfte die Bundesvorsitzende der "Christdemokraten für das Leben", Mechthild Löhr. Walburg de Jong nimmt solche Vorwürfe gelassen: "In anderen Ländern wird heimlich Sterbehilfe geleistet. Da ist mir doch eine offene Barbarei lieber", kontert sie.

Doch auch die Patientenschützer von der Deutschen Hospiz Stiftung verurteilen die neue Praxis: "Der Tod soll schnell und überall verfügbar sein. In diesem Sinne wirken stationäre und ambulante Tötungsteams zusammen", sagt der geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch.

Es sei interessant, dass die Mehrheit der Ärzte in den Niederlanden den Sterbehilfe-Befürwortern nicht mehr so aufgeschlossen gegenüberstehe wie noch 2001. Ursprünglich sollte nur jenen Sterbehilfe gewährt werden, denen Hospizarbeit und palliative Therapie nicht mehr helfen konnten. "Einen Aufschrei erwartet er nicht, die Gesellschaft habe sich längst an die Alltäglichkeit der Sterbehilfe gewöhnt. "Die Folgen tragen die schwerstkranken und sterbenden Menschen. Aus dem Recht auf Tötung wird für sie die Pflicht zum Sterben."

Projektleiter Jan Suyver war zwölf Jahre lang Vorsitzender einer der fünf Euthanasie-Prüfungskommissionen. Es werde keinen Sterbe-Tourismus aus Deutschland geben, da ist er sich sicher. "Das Angebot ist explizit für unsere Landsleute und deren Ärzte." Der NVVE finanziert sich über die Beiträge seiner mehr als 100.000 Mitglieder sowie Spenden.

Warum überhaupt mobile Sterbehilfe? "Der Patient kann, wenn sein Hausarzt ihm nicht beistehen will, eine zweite Meinung einholen und dann selbst entscheiden", sagt Suyver.

Das sieht Eric van Wijlick von der größten niederländischen Ärztevereinigung KNMG vollkommen anders: "Wir glauben, dass die Entscheidung für Sterbehilfe Zeit und Zuwendung braucht. Sie setzt eine langjährige Beziehung zwischen Arzt und Patient voraus", sagt Van Wijlick. "Bei der ambulanten Sterbehilfe kommt ein fremder Arzt ins Haus, der naturgemäß einen Tunnelblick hat und eher die Sterbehilfe favorisiert, als Alternativen anzubieten. Nicht immer ist das Leid so unerträglich, wie es auf den ersten Blick scheint."

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lehnt aktive Sterbehilfe grundsätzlich ab. "Ich bin davon überzeugt, dass Einsamkeit die Verzweiflung sterbewilliger Menschen nährt", sagt Friedrich Hauschildt, theologischer Vizepräsident des Kirchenamts der EKD. Seine Kirche beteilige sich seit langem an der Hospizarbeit in Deutschland. "Ärztinnen und Ärzte können heute auch sehr schwere Leiden durch eine verantwortliche Palliativmedizin lindern. Auf diesen Wegen können wir alle dazu beitragen, dass die Frage nach aktiver Sterbehilfe nicht aufkommt."

"Die Zulassung von aktiver Sterbehilfe in den Niederlanden vor zehn Jahren war ein Dammbruch, denn die Straffreiheit der Sterbehilfe hat Rückwirkungen auf das Selbstverständnis der Ärztinnen und Ärzte. Diese haben aber den Auftrag, Leben zu schützen und nicht Leben zu beenden", mahnt Hauschildt.

Doch das Ansehen der Ärzte in den Niederlanden scheint wenig gelitten zu haben. Auch gibt es bei einem Teil der Ärzteschaft offenbar kaum professionelle Hemmschwellen. "Wir hatten nicht das geringste Problem, Ärzte für das Projekt zu finden. Viele haben sich freiwillig angeboten", sagt Projektleiter Jan Suyver. Andere, räumt de Jong ein, seien noch im letzten Moment abgesprungen.

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1. Das
forumgehts? 01.03.2012
Zitat von sysopCorbisIn den Niederlanden sind seit diesem Donnerstag professionelle Sterbehilfe-Teams unterwegs. Sie ebnen Schwerstkranken und Lebensmüden den Weg ins Jenseits. Kritiker wettern gegen eine Kommerzialisierung des Todes - und fürchten einen fließenden Übergang von Lebenskrise zu Lebensende. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,818531,00.html
kommt auch noch bei uns. Ich stelle mir das so vor: Sterbehilfe + Beerdigung wird von den Kassen bezahlt plus ein %Betrag (steuerfrei) für die Erben, der sich aus den vermutlich anfallenden Kosten für die Kasse bis zum voraussichtlichen natürlichen Tod errechnet.
2. was ein gegabbel ...
Maro2 01.03.2012
Zitat von forumgehts?kommt auch noch bei uns. Ich stelle mir das so vor: Sterbehilfe + Beerdigung wird von den Kassen bezahlt plus ein %Betrag (steuerfrei) für die Erben, der sich aus den vermutlich anfallenden Kosten für die Kasse bis zum voraussichtlichen natürlichen Tod errechnet.
... da geht mir wirklich die hutschnur hoch wenn man in JEDEM thread einen hat der immer wieder denselben mist schreibt. fehlt nur noch der hinweis auf die illuminaten. wer noch nie ein schwerstkrankes unheilbares familienmitglied hatte welches unter ständigen schmerzen nur noch auf den tod wartete und ihn herbeisehnte (aber nicht bekam, nein LEIDEN bis zum BITTEREN ENDE), der sollte mal in sich gehen und bedenken was er hier (schnellschuß?) für ... fäkalien von sich gibt. ich wünsche den niederländern eine glückliche hand bei ihrem vorhaben. verbunden mit der hoffnung das auch hier sehr sehr viele menschen in zukunft von den erkenntnissen und erfahrungen profitieren können. zumindest wenn unsere politiker genug arsch in der hose haben auch einmal bei einer minderheit (welche aber politisch und monitär stark ist) nicht den schwanz einzuziehen sondern zum wohl des bürgers (vor allem des totkranken) zu entscheiden.
3. Der Skandal ist eher in Deutschland...
schindelbeck 01.03.2012
Zitat von sysopCorbisIn den Niederlanden sind seit diesem Donnerstag professionelle Sterbehilfe-Teams unterwegs. Sie ebnen Schwerstkranken und Lebensmüden den Weg ins Jenseits. Kritiker wettern gegen eine Kommerzialisierung des Todes - und fürchten einen fließenden Übergang von Lebenskrise zu Lebensende. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,818531,00.html
...zu suchen, wo man Menschen elend verrecken lässt anstatt Ihnen einen würdigen selbstbestimmten Tod als eigene Entscheidung zuzugestehen. Natürlich gibt es Grauzonen und Grenzfälle aber ein grundsätzliches Verbot aktiver Sterbehilfe verstößt aus meiner Sicht gegen die Menschenwürde.
4. Schön
Stelzi 01.03.2012
Ich finde es eine gute Entwicklung, dass um Deutschland herum immer mehr Länder ins Heute kommen, statt in der Geiselhaft der Religionen zu verbleiben, so wie Deutschland, wo bei diesem Thema sofort massenhaft Gutmenschen angerannt kommen und hysterisch mit der Bibel fuchteln. Diese Leute stehen dafür den Menschen zu entmündigen und sein Leiden wegen ihres Glaubens zu maximieren. Besonders pervers fand ich ja die Aussage, man könne heute ja die Schmerzen zumeist so lindern - dass das langsame Verrecken nicht so unangenehm ist - ja, sehr human, den Sterbenden mit Drogen vollzumpen und ihm ggf. den Willen zum schnellen sterben verweigern, weil man selbst anderer Meinung ist. DAS ist Barbarei!
5. Na hoffentlich ...
tinomino 01.03.2012
Zitat von forumgehts?kommt auch noch bei uns. Ich stelle mir das so vor: Sterbehilfe + Beerdigung wird von den Kassen bezahlt plus ein %Betrag (steuerfrei) für die Erben, der sich aus den vermutlich anfallenden Kosten für die Kasse bis zum voraussichtlichen natürlichen Tod errechnet.
.. kommt das auch noch bei uns. Dann bräuchte keiner mehr Angst mehr davor haben, jahrelang unter Wundliegen und Schmerzmittelmangel ("Suchtgefahr!") gaaanz langsam im Krankenhaus oder angeschnallt im Altersheim oder Hospiz unter Qualen zu verrecken, während andere noch Geld mit dem eigenen Leid verdienen. Ich fürchte nur, es wird nichts daraus werden. Zu lukrativ das Geschäft mit den Schwerstkranken, zu selbstgerecht die salbadernden Pfarrer und Ärzte, zu vergessen die Würde des wehrlosen Patienten, und zu gut das Gefühl, ihn mit High-Tech noch richtig schön lange am hilflosen Leben halten zu können.
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Arten der Sterbehilfe
Aktive Sterbehilfe
Der Tod eines Menschen wird absichtlich und aktiv herbeigeführt. Zum Beispiel, indem ein Arzt eine tödliche Dosis Medikamente verabreicht. Diese Form der Sterbehilfe ist in Deutschland verboten (Tötung auf Verlangen oder Totschlag oder gar Mord).
Passive Sterbehilfe
Lebensverlängernde Maßnahmen wie zum Beispiel künstliche Ernährung werden auf Wunsch des Sterbewilligen eingestellt. Er erhält eine schmerzlindernde Behandlung, die Grundpflege und Seelsorge werden beibehalten. In Deutschland ist diese Form bei entsprechendem Patientenwillen straflos.
Indirekte aktive Sterbehilfe
Ein Arzt verabreicht einem Patienten auf dessen Wunsch hin schmerzlindernde Medikamente, zum Beispiel Morphin. Eine lebensverkürzende Wirkung wird in Kauf genommen, ist aber nicht beabsichtigt. Diese Form ist in Deutschland straflos, aber die Grenze zur aktiven Sterbehilfe ist fließend.
Assistierte Selbsttötung
Eine Person leistet Beihilfe zum Suizid, etwa durch Beschaffung eines tödlichen Mittels. Der Patient muss es selbständig einnehmen, bei der Handlung darf nicht einmal jemand seine Hand führen. Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland nicht strafbar. Ärzten drohen theoretisch jedoch berufsrechtliche Konsequenzen bis hin zum Entzug der Approbation: "Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten", heißt es in Paragraf 16 der Muster-Berufsordnung, wie sie als Empfehlung vom Deutschen Ärztetag beschlossen wurde. Allerdings haben mehrere Landesärztekammern die Formulierung abgewandelt oder gar nicht in ihre Berufsordnungen übernommen. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, kann sich laut SPIEGEL an keinen Fall erinnern, in dem es in den vergangenen Jahren wegen Sterbehilfe zum Entzug der Approbation gekommen wäre.
Patientenverfügung
In Deutschland haben Volljährige die Möglichkeit, in einer Patientenverfügung im Voraus schriftlich festzulegen, ob und wie sie in bestimmten Situationen ärztlich behandelt werden möchten (Paragraf 1901a, Bürgerliches Gesetzbuch). Diese Angaben sind - sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind - für Ärzte verbindlich. Ausführliches Info-Material stellt das Justizministerium zur Verfügung.

Die Regelungen zur Sterbehilfe in Deutschland
Indirekte aktive Sterbehilfe
Beim Thema Sterbehilfe wird generell zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe sowie Beihilfe zur Selbsttötung unterschieden. Eine direkte, aktive Tötung, etwa mit einer Giftspritze, ist auch auf Verlangen strafbar. Erlaubt ist allerdings eine indirekte aktive Sterbehilfe: etwa der Einsatz von Medikamenten, deren Nebenwirkungen die Lebensdauer herabsetzen können. Die aktive Lebensverkürzung wird dabei als ungewollte, aber unvermeidbare Nebenwirkung billigend in Kauf genommen.
Passive Sterbehilfe
Unter passiver Sterbehilfe verstehen Juristen das "Zulassen des natürlichen Sterbens": Hierbei werden lebensverlängernde Maßnahmen wie Beatmung oder künstliche Ernährung unterlassen oder beendet. Auch eine Sterbebegleitung in Form von Beistand, Seelsorge und schmerzstillender Palliativmedizin gilt als passive Sterbehilfe.
Patientenwille
Wichtig ist es, bei der passiven wie auch der indirekten aktiven Sterbehilfe, den Willen des Patienten zu kennen. Denn - vereinfacht gesagt - ist hier fast alles erlaubt, wenn es dem Willen des Patienten dient. Umgekehrt kann das passive Sterbenlassen eines Hundertjährigen eine Tötung sein, wenn dieser leben will.
Patientenverfügungen
Die neue gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung (Drittes Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts) wurde im Juni 2009 nach sechsjähriger Debatte vom Bundestag verabschiedet. Danach sind schriftliche Patientenverfügungen für Ärzte und Angehörige verbindlich, unabhängig vom Krankheitsstadium. Das heißt, dass die Verfügung auch befolgt werden muss, wenn der Kranke noch nicht die Sterbephase erreicht hat. Fordert der Patient die Einstellung lebenserhaltender medizinischer Maßnahmen, muss der Arzt dies umsetzen.
Beihilfe zum Suizid
Problematisch wird es bei der Beihilfe zur Selbsttötung. Das grundgesetzlich garantierte Selbstbestimmungsrecht gibt jedem das Recht, aber nicht die Pflicht zu leben. Da somit in Deutschland eine Selbsttötung straffrei ist, ist auch die Beihilfe zur Selbsttötung straffrei, wenn sie vor der Tötung stattfindet - also ein Helfer dem Sterbewilligen etwa ein Glas mit Gift hinstellt, das dieser dann selbstständig austrinkt.

Im Gegensatz zum Strafrecht verbietet das Standesrecht den Ärzten in Deutschland jedoch die Beihilfe zum Suizid. So dürfen die dafür geeigneten Wirkstoffe für diesen Zweck nicht verordnet werden, es handelt sich deshalb unter Umständen um einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Bundesärztekammer hatte außerdem bereits vor einiger Zeit erklärt, dass es sich bei einem ärztlich assistierten Suizid aus ihrer Sicht um Tötung auf Verlangen handele. Diese wird laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren geahndet (Paragraf 216, StGB).
Sterbehilfe in anderen Ländern
Niederlande und Belgien
Die Niederlande waren das erste Land weltweit, das "aktive Sterbehilfe" erlaubt. Seit April 2002 dürfen Ärzte dort einem Schwerkranken eine tödliche Spritze verabreichen, wenn der Patient im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist und es wünscht. Ein Kontrollausschuss aus einem Arzt, einem Juristen und Ethikexperten muss der Sterbehilfe zustimmen. Wenige Monate später folgte Belgien dem Beispiel mit einem ähnlichen Gesetz.

Schweiz
Die Schweiz hat eine vergleichsweise liberale Gesetzgebung. Der Staat nimmt die Beihilfe zur Selbsttötung hin, sie ist aber nicht ausdrücklich erlaubt. Laut Gesetz ist es strafbar, jemandem "aus selbstsüchtigen Beweggründen" beim Suizid zu helfen - solange dem Helfer aber kein selbstsüchtiger Beweggrund vorzuwerfen ist, wird er nicht bestraft. Mediziner dürfen einem unheilbar Kranken eine tödliche Dosis eines Medikamentes besorgen, die er dann selbst einnehmen muss.

Frankreich
In Frankreich dürfen die Ärzte einen unheilbar kranken Patienten "sterben lassen", sein Leben aber nicht aktiv beenden. Das heißt, der Patient darf auf eigenen Wunsch schmerzstillende Mittel bekommen, auch wenn sein Tod durch die Medikamente möglicherweise beschleunigt wird. Die Ärzte dürfen auch lebensverlängernde Maßnahmen - wie künstliche Beatmung - einstellen.

Großbritannien, Schweden, Norwegen
Auch in Großbritannien dürfen Ärzte einem Schwerkranken hohe Dosen an Schmerzmitteln verabreichen, selbst wenn sie damit in Kauf nehmen, dass der Patient schneller stirbt. In Schweden und Norwegen ist es unter bestimmten Bedingungen möglich, lebensverlängernde Behandlungen einzustellen.

Griechenland, Polen
In Griechenland, wo die orthodoxe Kirche sehr stark ist, gilt Sterbehilfe als Beleidigung Gottes und ist streng verboten. Auch das katholische Polen hat Sterbehilfe unter Strafe gestellt - wer gegen das Gesetz verstößt, nimmt bis zu fünf Jahre Gefängnis in Kauf.

Quelle: AFP


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