Entlassung aus Psychiatrie: Mollaths Unterlagen lagern offenbar bei Ex-Frau

Gustl Mollath verlässt die Psychiatrie in Bayreuth: Nach sieben Jahren wieder frei Zur Großansicht
Getty Images

Gustl Mollath verlässt die Psychiatrie in Bayreuth: Nach sieben Jahren wieder frei

Nichts habe er bei sich, keine Papiere, keinen Ausweis - das sagte Gustl Mollath nach der Entlassung aus der Psychiatrie. Nun hat sich seine frühere Ehefrau zu Wort gemeldet. Die Habe ihres Ex-Mannes sei bei ihr, sagt sie, "sauber gepackt und akribisch gefaltet".

Nürnberg/Bayreuth - Viele der angeblich verschollenen Unterlagen des aus der Psychiatrie entlassenen Gustl Mollath lagern offenbar bei seiner Ex-Frau in Nürnberg. Mollaths Habe sei "nur einen Anruf weit entfernt", in mehreren Kisten "sauber verpackt und akribisch gefaltet", sagte sie dem "Nordbayerischen Kurier". Dazu gehörten neben Zeugnissen auch Fotos, Urkunden, Mollaths Führerschein und sein inzwischen abgelaufener Personalausweis.

Der 56-Jährige hatte nach seiner Entlassung erklärt, er habe nicht mal mehr einen Ausweis. Mollath war am Dienstag aus der Psychiatrie entlassen worden - das Oberlandesgericht Nürnberg hatte die Wiederaufnahme in dem umstrittenen Fall angeordnet.

Mollath war 2006 wegen vermuteter Gemeingefährlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen worden, weil er - so das damalige Urteil - seine Frau geschlagen und die Reifen Dutzender Autos zerstochen habe. Mollath und seine Unterstützer glauben, er sei Opfer eines Komplotts, weil er Schwarzgeldgeschäfte seiner Frau bei der HypoVereinsbank aufgedeckt habe. Mollath hatte auch Anzeige erstattet. Die Vorwürfe wurden nicht weiterverfolgt, erwiesen sich später aber teilweise als zutreffend.

hut/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 105 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bis sich die Balken biegen.....
dasmerkichmir 09.08.2013
Frau Maske hat wohl vergessen das sie am 23.06.2008 angab, als Gustl Mollath versuchte mit rechtlichen Schritten an Auskunft über sein Habe zu kommen, angab sie habe das Haus nur zweimal betreten und nichts mitgenommen. Daraufhin kam es nicht zum Verfahren. Den Betreuer gab es übrigens zum fraglichen Zeitpunkt gar nicht mehr und er hätte die Erlaubnis gar nicht erteilen dürfen.
2. Kein Wunder
angste 09.08.2013
dass der damalige Betreuer nur ein leeres Schmuckkästchen und ein paar alte Fahrzeugscheine in die Klinik bringen konnte...war schon vorher alles geplündert worden....
3. Der Wahnsinn zeigt sein System
crimsonking24 09.08.2013
Franz Kafka hätte seine helle Freude. Wenn diese dunkle Geschichte nicht Realität wäre, so gibt sie Stoff für einen Horror-SF. Das Mollath das alles aushält und nicht durchdreht, ist Beweis für seine psychische Stärke. Aber: Dabei darf es nicht bleiben, denn sein Opfer verlangt endlich nach Reformen im Rechtswesen und in der Psychiatrie. Aber wer packt das an? Es wird sich nichts ändern, und irgendwann kommt der Fall "Mollath-2". Das ist Deutschland.
4. Frau M-M
Neinsowas 09.08.2013
Irgendwie hat man das Gefühl, diese Frau müsste mal psychiatrisch untersucht werden.... Sie widerspricht sich laufend und wenn sie überhaupt redet, wohl, weil sie glaubt, sich verteidigen zu müssen, jedoch kommen nur erbärmliche Behauptungen aus ihr raus: Dass die Ehe nicht zum Besten war, ist bekannt. Das G.Mollath litt, muss auch klar sein. Was will sie mit den Beschuldigungen, er sei "mit einem Strick um den Hals", "einer Plastiktüte über dem Kopf", sagen? Dass er verzweifelt war und sie angewidert? Ein Grund für die Forensische war das allemal nicht! Offenbar liess sie ihre Beziehungen tanzen, ihren zukünftigen Gemahl und den befreundeten Richter... Wenn sie doch einfach schweigen würde! Aber Narzismus drängt es bekanntermassen zur Selbstdarstellung.
5. Wetten dass
ahol 09.08.2013
Zitat von sysopGetty ImagesNichts habe er bei sich, keine Papiere, keinen Ausweis - das sagte Gust Mollath nach der Entlassung aus der Psychiatrie. Nun hat sich seine frühere Ehefrau zu Wort gemeldet. Die Habe ihres Ex-Mannes sei bei ihr, sagt sie, "sauber gepackt und akribisch gefaltet". Mollath-Unterlagen lagern bei Ex-Frau - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mollath-unterlagen-lagern-bei-ex-frau-a-915771.html)
alle die Steuerbetrüger belastenden Unterlagen sauber aussortiert wurden. Natürlich nicht von der Ex. Die hält sich sauber heraus.Einen alten Führeschein und einen abgelaufenen Personalausweis kann man ja wieder ins Spiel bringen.Ganz schön raffiniert die Frau. Leider wird der Prozess ja wieder in Regensburg geführt werden. Auch wenn ein anderer Senat entscheidet. Das alte Sprichwort, oder die gelebte Erfahrung beweist: Eine Krähe hackt der anderen .........!" Ich drück GM beide Daumen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Gustl Mollath
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 105 Kommentare
§ 63 - Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus
Hat jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit (§ 20) oder der verminderten Schuldfähigkeit (§ 21) begangen, so ordnet das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, dass von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist.

Der Fall Gustl Mollath - Chronologie
2003
Januar: Mollath wird von seiner Frau wegen Körperverletzung angezeigt. Er soll sie im August 2001 ohne Grund geschlagen, gebissen, getreten und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Mollath bestreitet die Vorwürfe.

Mai: Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erhebt Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

September: Die Hauptverhandlung beginnt vor dem Amtsgericht Nürnberg, wird später ausgesetzt und beginnt im April 2004 neu. Das Gericht beschließt später erstmals eine Unterbringung Mollaths.

Dezember: Mollath erstattet Strafanzeige gegen seine Frau, weitere Mitarbeiter der HypoVereinsbank und 24 Kunden wegen Steuerhinterziehung, Schwarzgeld- und Insidergeschäften.

2004
Februar: Die Anzeige wird von der Staatsanwaltschaft abgelehnt. Die Angaben seien zu unkonkret für ein Ermittlungsverfahren.

Juni: Mollath muss zur Begutachtung ins Bezirkskrankenhaus Erlangen, kommt aber wieder frei. Im Februar 2005 wird er in das Bezirkskrankenhaus Bayreuth eingewiesen. Dort bringt er fünf Wochen zu.

2006
August: Ein Gutachter bescheinigt Mollath wahnhafte psychische Störung und paranoide Symptome. Das Landgericht Nürnberg spricht Mollath wegen Schuldunfähigkeit von der Anklage der Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung frei. Aber es ordnet seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Er ist bis heute im Bezirkskrankenhaus Bayreuth untergebracht.
2007
Februar: Der Bundesgerichtshof verwirft Mollaths Revision als unbegründet.
2012
März: Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) sagt im Landtag, Mollaths Strafanzeige wegen der Bankgeschäfte seiner Frau sei "weder Auslöser noch Hauptanlass noch überhaupt ein Grund für seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gewesen". Seine Vorwürfe gegen die Bank hätten keinen begründeten Anfangsverdacht für Ermittlungen ergeben.

November: Ein interner Revisionsbericht der HypoVereinsbank aus dem Jahr 2003 wird publik. Danach traf ein Teil von Mollaths Vorwürfen zu. Die Freien Wähler fordern Merks Rücktritt und einen Untersuchungsausschuss.

30. November: Merk will den Fall Mollath komplett neu aufrollen lassen und ordnet einen Wiederaufnahmeantrag wegen möglicher Befangenheit eines Richters an.

2013
18. März: Die Staatsanwaltschaft beantragt die Wiederaufnahme wegen neuer Tatsachen, die dem Gericht bei der Verurteilung 2006 noch nicht bekannt gewesen seien. Entscheiden muss das Landgericht Regensburg.

26. April: Der Mollath-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtages tritt erstmals zusammen.

28. Mai: Das Landgericht Regensburg lehnt eine Entscheidung über Mollaths Psychiatrie-Unterbringung vor der Prüfung des Wiederaufnahmeantrags ab.

9. Juli: Der Untersuchungsausschuss geht zu Ende. SPD, Grüne und Freie Wähler sehen gravierende Fehler bei den Ermittlern und bei Merk und verlangten deren Entlassung. CSU und FDP sehen keine Fehler bei Merk.

22. Juli: Nach dem Landgericht Regensburg weist auch das Oberlandesgericht Nürnberg einen Befangenheitsantrag von Mollaths Anwalt gegen einen Richter ab.

24. Juli: Das Landgericht Regensburg weist die Anträge zur Wiederaufnahme des Mollath-Prozesses zurück.

6. August: Das Oberlandesgericht Nürnberg ordnet die Wiederaufnahme des Strafverfahrens an - und Mollaths sofortige Entlassung aus der Psychiatrie.