Monaco Der neue alte Albert

Vom verschwenderischen Jet-Set-Prinzen zum fürsorglichen Landesvater? Seit dem Tod von Fürst Rainier versucht Albert II. der Welt zu beweisen, dass er Verantwortung übernehmen kann - für seinen Kleinstaat, seine Familie, seine Kinder.

Von Andrea Kinzinger


Hamburg - Viel wurde einst über Albert II. geschrieben: Ein Luftikus sei er, ein Party-Prinz und ein Möchtegern-Profisportler. Stets umgab sich der begehrte Junggeselle mit hübschen Frauen, und die Gazetten berichteten in schöner Regelmäßigkeit über eine bevorstehende Verlobung. Neben Claudia Schiffer kursierten die Namen von Naomi Campbell, Bea Fiedler, Gwyneth Paltrow und Sharon Stone.

 

Seit dem Tod des Vaters im vergangenen Jahr aber präsentiert er sich als engagierter Umweltschützer und erbarmungsloser Kämpfer gegen Geldwäsche. Kein Wunder. Nach der Einführung des Euro und der Aufnahme Monacos in den Europarat, muss das Fürstentum darauf achten, dass bei den Finanzströmen, die den Zwergstaat durchqueren, alles mit rechten Dingen zugeht.

Schon bei seiner Inthronisierung im Juli 2005 betont Albert II. deshalb, dass er die "Moral, die Ehrlichkeit, die Ethik in den Mittelpunkt der Arbeit" seiner Regierung stellen wolle. Dagegen hatte Fürst Rainier III. das einstige Piratennest mit der List eines Fuchses zu großem Reichtum geführt. Seinem Sohn gab er dabei nie wirklich Einblick in das, was er Staatsführung nannte. Und abgesehen von der Begleitung bei gesellschaftlichen Ereignissen wie dem Rot-Kreuz-Ball hatten die drei Kinder keinerlei Verpflichtungen. 

Geboren wurde Albert Alexandre Louis Pierre Marquis des Baux am 14. März 1958 als einziger Sohn des Fürstenpaares Rainier III. und Gracia Patricia. Er studierte vier Jahre politische Wissenschaften in den USA und schloss dort 1981 mit dem Magister ab. Seine Leidenschaft sei das nie gewesen, sagte er selbst, stattdessen widmete sich der Sportler lieber dem Bobfahren, dem Tennisspielen, dem Judo und natürlich den Frauen. Dabei schien er bisweilen sehr sorglos und naiv gewesen zu sein. 

Doch nach dem Tod des allmächtigen Vaters kam die Wandlung. Zwar will der gut erzogene Sohn, wie er sich selbst nennt, das Erbe seines Vaters nicht beschädigen. Aber: "Es ist normal", sagt er, "dass sich ein neuer Regierender mit Leuten umgibt, die seiner Generation nahe stehen und sich anderen Kompetenzen und Visionen öffnet." Albert trennt sich von Rainiers Beratern und bindet seine Schwestern in die Regierungsarbeit mit ein. So berichtete Prinzessin Stephanie als Botschafterin dieser Tage vor der Uno über den Kampf des kleinen Stadtstaates an der Mittelmeerküste gegen Aids.

Überhaupt verbindet ihn mit der kleinen Schwester eine besonders enge Beziehung. Albert weiß sie an seiner Seite. In einem Interview im vergangenen Jahr lässt sie nicht den geringsten Zweifel daran, dass sie ihn für einen würdigen Nachfolger ihres Vaters hält: "Albert hat sich lange vorbereitet. Mein Vater und er hatten dieselben Visionen: Monaco vergrößern, Industrie und Forschung entwickeln und unserem Land ein politisches Gewicht geben."

Ungeklärte Affären

"Bisher war die Politik Monacos immer von Gerüchten und Heimlichtuereien bestimmt", zitiert die "Bild"-Zeitung den Monaco-Experten und früheren ARD- Korrespondenten Heiko Engelkes und beschreibt damit den neuen Wind, der am Mittelmeer weht. "Albert will verhindern, dass sein öffentliches Ansehen durch ungeklärte Affären leidet." 

Tatsächlich macht Albert II. reinen Tisch. Zumindest dann, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht. So bekennt er sich innerhalb von nur einem Jahr zu seinen beiden unehelichen Kindern, zunächst zu dem drei Jahre alten Alexandre, der aus einer Beziehung mit einer aus Togo stammenden Stewardess stammt. Und nun zu der 14-jährigen Jazmin Grace aus Kalifornien, über deren Verbindung zum Fürstenhaus schon seit vielen Jahren spekuliert wurde.

Ursprünglich wollte der Fürst erst am Tag ihrer Volljährigkeit die Identität des Mädchens bekannt geben. Doch Reporter bekamen heraus, wo es lebt und belagerten deren Haus solange, dass der Prinz nicht mehr anders konnte, als seine Vaterschaft öffentlich zu machen. Und wohl auch, um von den Paparazzi dieser Welt endlich in Ruhe gelassen zu werden und um den Gerüchten, er bevorzuge Männer, entgegenzutreten, die nie wirklich verstummen wollten.

Doch schon stellt sich die nächste Frage. Seit einigen Monaten zeigt sich der begehrtes Junggeselle mit der Weltklasse-Schwimmerin Charlene Wittstock aus Südafrika. Noch hält er sich bedeckt. Aber das scheint bei Fürst Albert II. ja nicht viel zu bedeuten.



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