Deutsche Bahn So sieht gestrickte Verspätung aus

Eine Pendlerin hat Verspätungen der Bahn im Jahr 2018 im Muster eines Schals verewigt. Pro Fahrt hat sie zwei Reihen gestrickt: grau für weniger als fünf Minuten Verspätung, rot für mehr als eine halbe Stunde, dazwischen: rosa.

Eine S-Bahn in München (Symbolbild)
DPA

Eine S-Bahn in München (Symbolbild)


Viele graue und rosafarbene Streifen, einige rote und ein breiter roter Abschnitt: So sieht er aus, der "Bahn-Verspätungsschal", dessen Foto eine Twitter-Nutzerin verbreitet hat. Ihre Mutter sei Pendlerin im Münchner Umland und habe im vergangenen Jahr die Verspätungen auf den Fahrten zur und von der Arbeit mit verschiedenfarbiger Wolle festgehalten, schrieb die Frau.

Die Mutter habe pro Tag zwei Reihen gestrickt: Bei unter fünf Minuten Verspätung in grauer Wolle, bei fünf bis 30 Minuten in rosafarbener und bei einer Fahrt, die mehr als 30 Minuten länger dauerte als angekündigt, benutzte sie rote Fäden.

Für das Frühjahr 2018 zeige der Schal viel grau und rosa und damit Verspätungen bis zu 30 Minuten. Auf etwa zwei Dritteln der Länge ist ein breiter roter Abschnitt zu sehen: Dort habe die Mutter wegen Schienenersatzverkehrs in den Sommerferien etwa zwei Stunden pro Strecke gebraucht - sechseinhalb Wochen lang. Der Fahrtweg der Mutter dauere ohne Störungen in der Regel 40 Minuten.

Zum Jahresende wird das Muster bunter: Die vielen roten Balken seien Türstörungen, Weichenstörungen und Verspätungen vorausfahrender Züge geschuldet, so die Twitter-Nutzerin. Von sechs verstrickten Wollknäuel seien nur drei grau gewesen, in der Hälfte der Zeit habe die Mutter also mindestens fünf Minuten Verspätung auf ihrem Weg zur oder von der Arbeit gehabt.

Nicht nur Pendler beschweren sich über unpünktliche Züge der Bahn: Auch Fahrgäste im Fernverkehr stellen immer mehr Anträge auf Entschädigung nach Verspätungen. Im Juli hatte sich die Pünktlichkeit im Fernverkehr noch einmal verschlechtert: Nur 72,1 Prozent der Züge waren pünktlich - deutlich weniger als die Zielmarke von 80 Prozent. Damit kam etwa jeder vierte Zug zu spät.

kko



insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hegoat 06.01.2019
1.
Made my day! Ich sitze jeden Morgen im selben Pendlerzug, der bei Ankunft meistens pünktlich ist. Am Ziel (20 Minuten Regelfahrzeit) hat der Zug dann 5 bis 10 Minuten Verspätung. Wie schafft es das Unternehmen Bahn, JEDEN Tag 25 - 50% Verspätung zu erzeugen? Ist das schon böse Absicht?
camshaft_in_head 06.01.2019
2. ist doch kein Wunder
die Priorität der Beförderung wird nach unten hin durchgereicht. Verspätet sich ein ICE oder IC müssen dafür Regionalexpresse oder S-Bahnen warten um diese verspäteten Züge überholen zu lassen. Insofern leidet jeder der auf der gleichen Strecke unterwegs ist. Hatte ich gestern erst. Waren zwar nur 5 Minuten weil der IC passieren musste, kann sich aber auf 30min-1 Std. aufbauschen. Wo liegt das Problem? Jeder Bahnhof sollte min. 3 Gleise haben damit man Züge passieren lassen kann, das verringert die Verspätung auf "billige" Züge auf ein Minimum. Zudem sollte dann die Geschwindigkeitsbegrenzung in bestimmten Gebieten aufgehoben werden (natürlich nur wenn der Zug Verspätung hat)
altai 06.01.2019
3. Ahnungslos
Unter 5 Minuten ist keine Verspätung. Geplante Instandhaltung in den Sommerferien und damit SEV ist auch keine Verspätung.
camshaft_in_head 06.01.2019
4. *Ergänzung*
ich hatte auf der Strecke Northeim - Hannover 35min Verspätung (bei einer Fahrt von knapp 1 Std). 15min weil der RE vor Northeim warten musste weil ein ICE Verspätung hatte. den Rest der Verspätung hatte ich dann im Zug weil der Zug dann 2 Bahnhöfe weiter wieder warten musste um einen weiteren verspäteten ICE überholen zu lassen.
sachlich bleiben 06.01.2019
5. Bitte übernehmt nicht immer diese alternativen Fakten!
Auch hier wieder die wie immer brutal geschönigten Zahlen: "Nur 72,1 Prozent der Züge waren pünktlich". 1. Wie schon oft bemerkt wurde, gelten Züge bei einer Verspätung von bis zu 5min59 als pünktlich - was an sich schon peinlich genug wäre, aber in der Praxis durchaus bedeutet, dass Anschlusszüge nicht erreicht werden, weil diese dann bereits nicht mehr warten, was dann wiederum 2. bedingt: Ein Anschlusszug fährt pünktlich ab und könnte theoretisch leer sein, die 500 Fahrgäste aus dem ICE bleiben eine Stunde im Bahnhof stehen bis zum nächsten Zug - Konsequenz: 0% der Fahrgäste kommen pünktlich an (oder auch 100% der Fahrgäste kommen mit einer Verspätung von mindestens einer Stunde am Ziel an), aber 100% der Züge sind pünktlich - denn der zuvor verspätete Zug holt die Verspätung dann bei dem planmässigen Aufenthalt von 13 Minuten in Mannheim locker wieder in den Toleranzbereich, 3. Die sechsstellige Zahl der komplett ausgefallenen Züge (oder auch die berühmte gewordene Pofalla-Wende) ist bekanntlich NICHT mit eingerechnet. Ergo: Die Aussagekraft dieser von der DB genannten Pünktlichkeitsquoten geht gen null!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.