Beschluss in Stadtrat So geht München gegen sexistische Werbung vor

Die Stadt München verbietet auf ihren Anzeigeflächen Werbung, die "Frauen demütigt und lächerlich macht". Gleichstellungsbeauftragte Nicole Lassal erklärt die Hintergründe und wer im Zweifelsfall entscheidet.


Der Münchner Stadtrat hat vergangene Woche einstimmig entschieden, sexistische Plakate oder Spots auf städtischen Werbeflächen zu verbieten. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft muss künftig eine entsprechende Klausel in Verträge zur Werbenutzung einbauen, heißt es in dem Beschluss.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 54/2018
100 Jahre Frauenwahlrecht, 1 Jahr #MeToo - Wie modern ist Deutschland?

Demnach sind Werbekampagnen, die "gegen die guten Sitten oder die Menschenwürde verstoßen" künftig verboten. Anlass dafür war ein Antrag aus dem Jahr 2013 von Grünen und Rosa Liste sowie eine Empfehlung der Stadtratskommission zur Gleichstellung von Frauen. Sollten trotzdem sexistische Plakate zu sehen sein, müssen diese innerhalb von zwei Tagen entfernt werden. Dass es fünf Jahre bis zum Beschluss dauerte, erzählt vielleicht auch etwas über das gesellschaftliche Klima in Deutschland, das sich ein Jahr nach Aufkommen der #MeToo-Debatte verändert hat.

Nicole Lassal, Leiterin der Gleichstellungsstelle für Frauen in München berichtet von vier Beschwerden wegen sexistischer Werbung in den vergangenen drei Monaten. "Bisher hatten wir keine Möglichkeit die Unternehmen zu zwingen, die Plakate abzuhängen", sagt sie. Das ändere sich mit den neuen Verträgen. Rechtliche Handhabe hätten sie allerdings nur auf städtischen Werbeflächen und Flächen, die die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) vermiete.

"Frauen in einseitigen klischeehaften Rollen"

Bei der Frage, wann es sich um sexistische Werbung handelt, greife die Stadt auf Kriterien zurück, die der sogenannte Sexismus-Beirat von 1987 festgelegt habe. Demnach ist Werbung sexistisch, wenn sie die "sexuelle Attraktivität der Frau als Werbemittel ohne Sachzusammenhang" verwendet, "Frauen in einseitigen klischeehaften Rollen" dargestellt werden oder Frauen darin "demütig oder lächerlich" gemacht werden.In Zweifelsfällen entscheidet die Gleichstellungsstelle München.

"Eine Werbung für Unterwäsche ist nicht das Problem. Aber es ist ein Problem, wenn eine Frau in Unterwäsche neben einer Waschmaschine steht und es ist die Werbung für die Waschmaschine", sagt Lassal. Bei dem Verbot gehe es auch darum, präventiv zu wirken und mit positivem Beispiel für andere Städte voranzugehen.

München hat sich an der Stadt Ulm orientiert, die die gleichen Kriterien anwendet. Hier gibt es den Passus, der sexistische Werbung verbietet, bereits seit Mitte der Neunziger Jahre. Der wohl prominenteste Fall der Vergangenheit ist eine Werbekampagne der "Bild" aus dem Jahr 2003. Auf den Plakaten war der Slogan "Mittags krieg ich Hunger. Auf Sex." zu lesen. Daneben eine Frau, die mit den Händen ihre nackte Brust verdeckt. Die Stadt Ulm stufte die Werbung als sexistisch ein und verbannte sie von ihren Werbeflächen.

Im öffentlichen Bewusstsein der Ulmer habe sich seither viel geändert, sagt Diana Bayer, Leiterin des Frauenbüros. "Bei uns rufen nicht nur Frauen an", so Bayer. "Sexistische Werbung fällt der Bevölkerung auf und stört." Im Bereich der Plakatwerbung von Diskos und Nachtclubs in Ulm sei es besser geworden, so Bayer. Hier gebe es inzwischen deutlich weniger Fälle von sexistischer Werbung.

pia



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.