Museum in Taiwan Junge stolpert - und zerstört 1,3-Millionen-Gemälde

Ein Zwölfjähriger schlenderte mit einem Becher in der Hand durch eine Kunstausstellung in Taiwan. Dabei stolperte er über die Absperrung eines 350 Jahre alten Gemäldes - und ruinierte das Werk mit seiner Faust.

Faces of Leonardo

Allein die Vorstellung ist schon gemein. Aber der Vorfall, der sich nun in einem Museum in Taiwan ereignet hat, wurde auf Überwachungskameras festgehalten - und so kann das Unglück immer und immer wieder angesehen werden. 27 Sekunden dauert es nur, aber der Schaden ist enorm.

Zu sehen ist der Rahmen eines Gemäldes, mehrere Menschen stehen davor, einige ziehen gleich weiter. Dann kommt ein Junge ins Bild. Zwölf Jahre ist er alt, so viel ist inzwischen bekannt. In seiner Hand hat er einen Becher. Er würdigt das Gemälde zunächst keines Blickes und scheint in die Audio-Tour vertieft.

Etwa 80 Zentimeter vor dem Gemälde ist eine Absperrung errichtet, ein weißes Mini-Podest steht davor, darauf sind zwei Seile angebracht. Der Junge stößt mit seinen Füßen an die Vorrichtung, er stolpert - und stützt sich im Fallen ausgerechnet an dem Bild ab.

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6  Bilder
Zerstörte Kunstwerke: Mit dem Ellbogen im Picasso
Das Werk ist 350 Jahre alt, Paolo Porpora hatte es mit Öl auf Leinwand gemalt. Es trägt den Titel "Flowers" - und ist umgerechnet etwa 1,3 Millionen Euro wert.

Die Organisatoren der Ausstellung wollen sich das Geld nicht von der Familie des Jungen erstatten lassen, zitiert der "Guardian" eine taiwanesische News-Seite. Demnach habe Chef-Organisatorin Sun Chi-hsuan gesagt, der Junge sei extrem nervös gewesen, aber ihm seien keine Vorwürfe zu machen. Das Gemälde sei versichert. Es soll nun nach Italien zurückgebracht werden.

In der Ausstellung "Face of Leonardo: Images of a Genius" sind insgesamt 55 Bilder ausgestellt, "sie sind sehr selten und kostbar", heißt es auf der Facebook-Seite der Organisatoren. "Sind sie einmal zerstört, sind sie dauerhaft zerstört." Die Gemälde sind noch bis zum 20. September in der Hauptstadt Taipeh ausgestellt.

Der italienische Künstler Porpora lebte von 1617 bis 1673 und ist bekannt für seine Stillleben. Laut der "Web Gallery of Art" ist sein Gemälde "Flowers" das einzige, das er signiert hat. Es ist Teil einer Privatsammlung.

Vielleicht ist es wenigstens ein kleiner Trost für den Jungen, dass er nicht der Einzige ist, der aus Versehen wertvolle Kunst ruiniert hat. 2006 stolperte ein Museumsbesucher im britischen Cambridge über seine Schnürsenkel und zerstörte drei kostbare chinesische Vasen. 2010 stolperte eine Frau im New Yorker Metropolitan Museum of Art in einen Picasso.

aar



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
ackergold 25.08.2015
1.
Es ist unverantwortlich, teure Bilder so auszustellen.
rkinfo 25.08.2015
2. Schlecht gegen Unfälle gesichert
Wer ein Gemälde so aufstellt dass bei Ungeschicklichkeit etwas passieren kann muss mit sowas rechnen. Es passiert aber selten und somit bleibt das angesprochene Versicherungsrisiko ja gering. Die Gesellschaften werden aber wohl die Prämien erhöhen sodass Geldanleger höhere Renditen bei diesen Versicherungen erzieheln können. Mann müsste dem Junge also eher Boni in Millionenhöhe zahlen da er ein hochlukratives Geschäft ermöglicht.
harwin 25.08.2015
3. Hoffentlich gut versichert
Na ja, dann ist er hoffentlich gut versichert. Restaurieren von dem Gemälde ist sicher nicht gerade billig. Wäre doch auch ein Spot für eine Haftpflichtversicherung!
volucer 25.08.2015
4. niesanfall
das bild ist so schlecht gesichert, dass selbst ein niesanfall davor das bild beschädigen kann. für mich grob fahrlässig. dem jungen kann man keine schuld zuweisen, da ein missgeschick immer passieren kann. es ist jedoch wunderlich, dass es erlaubt ist, getränke in das museum mitzunehmen. schade um das bild. bin mir aber sicher, dass fähige restaurateure in der lage sind das zur zufriedenheit wiederherzustellen
galens 25.08.2015
5. Stimmt
Zitat von ackergoldEs ist unverantwortlich, teure Bilder so auszustellen.
Als Sicherheitsmitarbeiter habe ich eine Mondrian Ausstellung beaufsichtigt in einem Raum wo die Frühwerke ohne Glas ausgestellt waren. Allerdings gab es auch Besucher die sich unverantwortlich nahe an die Bilder stellten. Zum entstehen eines Schadens gehören oft mehrere Faktoren.
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