Diskriminierung Bundesbeauftragte schaltet sich in Streit über Schützenkönig ein

Warum sollte ein Muslim kein Schützenkönig sein? Die Kritik am Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft im Fall Mithat Gedik wächst. Nun bezieht auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine eindeutige Position.

Mithat Gedik und seine Frau Melanie: Muslimischer Schützenkönig
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Mithat Gedik und seine Frau Melanie: Muslimischer Schützenkönig


Werl - Mithat Gedik soll abdanken - weil er kein Christ ist. Das fordert der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft (BHDS). Im Streit über den muslimischen Schützenkönig aus dem westfälischen Werl hat sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) zu Wort gemeldet. In einem Brief an den BHDS-Geschäftsführer nennt ADS-Leiterin Christine Lüders die Haltung des Dachverbandes intolerant und diskriminierend.

In dem Brief weist Lüders den BHDS auf den Vereinszweck der Schützenbruderschaft in Werl hin, nämlich den "Ausgleich sozialer und konfessioneller Spannungen im Geiste echter Brüderlichkeit". Lüders fragt: "Was könnte besser dem Vereinszweck dienen als ein muslimischer Schützenkönig?"

Am Wochenende war der Fall bekannt geworden. Der BHDS argumentiert: Gedik sei kein Christ, so wie es die Satzung der Schützenbruderschaft St. Georg Sönnern-Pröbsting verlange. Damit dürfe er kein Schützenkönig werden, genaugenommen hätte er nicht einmal Mitglied werden dürfen.

Der Regent mit den türkischen Wurzeln bekommt viel Zuspruch. Auf der Seite der Schützenbruderschaft erklärten Dutzende ihre Unterstützung für Gedik - und sind bestürzt über den BHDS. Auch der Zentralrat der Muslime äußerte Unverständnis. Politiker schalteten sich in die Debatte ein. Landesintegrationsminister Guntram Schneider (SPD) sprach von einem "Stück aus dem Tollhaus", das hoffentlich bald aus der Welt geschaffen werde.

Und Gedik selbst gibt sich kämpferisch: "Die Königskette gebe ich nicht zurück", zitiert der "Westfälische Anzeiger" den 33-Jährigen. Rückendeckung bekommt er von seinem Verein. "Ich stehe hinter Herrn Gedik", sagt Thomas Rüter, Geschäftsführer der Sönneraner Schützen. Er müsse nicht zurücktreten.

wit/dpa



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insgesamt 64 Beiträge
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xz78 05.08.2014
1.
Kuriose Geschichte, da muss sich doch ein Kompromiss finden lassen, so dass alle ihr Gesicht wahren können und der Schützenkönig natürlich Schützenkönig bleiben kann :-)
PeterPan95 05.08.2014
2.
Vielleicht sollte man dann mal die Satzung entsprechend anpassen, um die Toleranz auch schriftlich festzuhalten und nicht nur Lippenbekenntnisse zu geben.
georgia.k 05.08.2014
3. mir wurde das auch mal angetragen,
Mitglied in einem altehrwürdigen Schützenverein zu werden. Ich habe mich aber dann lieber nur bedankt - für die Anerkennung meiner Verdienste um die Finanzen des Vereins. Deshalb die Frage, warum muß jemand unbedingt, Schützenkönig in einem christlichen Schützenverein sein, St. Georg ... besagt doch schon einiges. In diesem Zusammenhang müssen sich die Schützenbruder fragen, ob sie auch Konfessionslose, Atheisten etc. aufnehmen und ihnen die Königswürde zukommen lassen würden. Jetzt können die Schützen ja ihre Satzungen ändern, ob es dann noch die Traditionsvereine sind? An kirchlichen FeiertagDas ist wohl auch gar keine Frage des Abschusses, sondern eher der Penen Prozessionen anführen, das geht dann wohl auch nicht mehr - wenn denn die überwiegende Mehrheit gar nicht mehr christlich i. S. von katholisch ist und das entsprechende Brauchtum eigentlich nur noch leere Hülle ist. Zuschauen geht ja auch. es muß nicht jeder mitmarschieren oder gar mit Schützenkönigwürden bedacht werden. Man will ja nun auch nicht, ob nun Muslim, Protestant oder Atheist, Aufnahme in eine klösterliche Gemeinschaft finden.
wywy 05.08.2014
4. absurd
- etwas anderes fällt einem dazu gar nicht ein.
peddersen 05.08.2014
5.
Als wenn der Rest der Leute christlich wäre. Nur weil das im Pass steht?
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