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Muslimischer Schützenkönig: "Ein Stück aus dem Tollhaus"

Mithat Gedik freute sich sehr, als er im westfälischen Sönnern zum Schützenkönig gekürt wurde. Doch dann monierten Hardliner, ein Muslim könne laut Vereinssatzung nicht König sein. Peinlich und provinziell, findet Nordrhein-Westfalens Integrationsminister.

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Schützenkönig Mithat Gedik: Der Muslim soll die Königskette zurückgeben

Düsseldorf - Mithat Gedik wollte einfach nur Schützenkönig im westfälischen Sönnern sein. Doch der 33-Jährige soll unsanft vom Thron gestoßen werden - weil er kein Christ ist.

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) ist der Meinung, Gedik hätte noch nicht einmal Mitglied der Bruderschaft in Sönnern werden dürfen, weil diese "eine Vereinigung von christlichen Menschen" sei. Bei seiner Aufnahme habe wohl niemand die Frage nach der Konfession gestellt, monierten die Befürworter seiner Absetzung. Man müsse sich aber schon an die Satzung halten, so der Tenor beim BDHS.

Verwunderung und Verärgerung waren bei vielen Schützen groß. Im Juli war der türkischstämmige Muslim in Werl-Sönnern zum Schützenkönig gekürt worden. Gedik ist Kaufmann, in Deutschland geboren und aufgewachsen und lebt mit seiner Frau und den vier Kindern in Sönnern, wo er bereits in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist. In der Schule belegte er katholische Religion als Abiturfach.

"Es ist mir völlig unverständlich, dass wir im 21. Jahrhundert solche Diskussionen führen müssen", sagte Gedik verärgert. Jetzt zieht auch die Politik nach.

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) rief am Montag alle Beteiligten zu einer schnellen Einigung auf. "Ich hoffe, dass diese Peinlichkeit zügig aus der Welt geschaffen wird", sagte Schneider in Düsseldorf.

Er nannte die Debatte ein "Stück aus dem Tollhaus", das von "Provinzialität" zeuge. Es gebe in Nordrhein-Westfalen viele Muslime, die Schützenkönige oder Karnevalsprinzen seien. Auch gebe es etwa im Ruhrgebiet keinen christlichen Kindergarten, den nicht auch muslimische Kinder besuchten.

Auch Grünen-Parteichef Cem Özdemir zeigt sich auf Twitter mehr als verwundert: "In welchem Jahrh.. sind wir eigentlich? Gedik darf in Sönnern nicht #Schuetzenkoenig sein, weil er kein Christ ist!", schrieb er am Montag empört.

ala/dpa

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insgesamt 46 Beiträge
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1. abschaffen
ofelas 04.08.2014
also ich gehoere keiner Religion an und kann somit nicht Schuetzenkoenig werden dieser Regelung stammt wohl aus einer Zeit als man eine andere in Deutschland ansaessige Religion raushalten wollte? schoen das man lokal mehr zu integration beigetragen hat, schade das es soweit kommen musste
2. Oh je
yasmina1403 04.08.2014
Zitat von sysopDPAMithat Gedik freute sich sehr, als er im westfälischen Sönnern zum Schützenkönig gekürt wurde. Doch dann monierten Hardliner, ein Muslim könne laut Vereinssatzung nicht König sein. Peinlich und provinziell, findet Nordrhein-Westfalens Integrationsminister. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/geschasster-muslimischer-schuetzenkoenig-mithat-gedik-stueck-aus-dem-tollhaus-a-984416.html
Jetzt muss man auch noch einem Politiker recht geben... Das kann ja echt nicht wahr sein. Sind solche Vereinssatzungen verfassungskonform? Und: was hat Treffgenauigkeit mit dem Glauben zu tun? Peinlich und provinziell ist gar kein Ausdruck.
3.
cs01 04.08.2014
Es ist nunmal ein christlicher Verein. Wenn ich als Muslim oder Atheist Schützenkönig werden möchte, dann muss ich einen unkonfessionellen Schützenverein suchen. Die gibt es, zumal in NRW, auch zuhauf. Nicht umsonst wird ja auf andere muslimische Schützenkönige verwiesen. Und eine Bitte an alle, die meinen es wäre verfassungswidrig oder verfassungsfeindlich, einen christlichen Verein zu gründen/betreiben: Lest die Verfassung (bzw. das Grundgesetz) mal richtig.
4. Vorschlag
ralfix 04.08.2014
Satzung ändern
5. ..
serienchiller86 04.08.2014
wenn es irgendseinem fetten Vereinsvorsteher nicht passt, dass der Erdball sich dreht, na dann ersetzen.. So was peinliches.. Alles vernichten was anders ist.. ich hoffe das bald alle Dörfer und Drecksprovinzen von Städten überrollt werden, diese Zwischenwelten sind nicht auszuhalten.. zieht mal in die Stadt, ins richtige Leben ihr Hinterwäldler
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