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Heiligsprechung von Mutter Teresa: Wunder gibt es immer wieder

Agnes Bojaxhiu: Die Frau, die Mutter Teresa war Fotos
AP

Mutter Teresa wird in der katholischen Kirche schon lange wie eine Heilige verehrt, bald will Papst Franziskus sie auch offiziell heiligsprechen. Die Nonne soll Wunder vollbracht haben. Ist das zu glauben?

Ihr Einsatz für Bedürftige hat Mutter Teresa weltweit bekannt gemacht. Weil die Armut im indischen Kolkata (Kalkutta) sie erschüttert hatte, gründete sie dort 1950 ihren Orden "Missionarinnen der Nächstenliebe". Dieser kümmerte sich fortan um Arme, Obdachlose, Kranke und Sterbende.

Mutter Teresas Wirken war jedoch auch umstritten. Fragen gab es in der Vergangenheit etwa zu den Finanzen ihres Ordens sowie zu den Bedingungen in den Ordenshospizen, in denen die Einführung moderner Hygienestandards abgelehnt wurde.

Nun hat der Vatikan angekündigt, die Friedensnobelpreisträgerin am 4. September in Rom heiligsprechen zu wollen - als Höhepunkt des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit. Doch was genau qualifiziert Mutter Teresa dafür? Und wann ist ein Wunder eigentlich ein Wunder? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie wird man Heiliger?

Der Weg dahin ist kompliziert: Zwingend notwendig für eine Heiligsprechung ist eine vorherige Seligsprechung. Grundvoraussetzung dafür wiederum ist ein besonders tugendhaftes Leben und Wirken. Am Beginn des Prozesses zur Seligsprechung steht laut katholischer Kirche der Antrag einer Diözese oder Ordensgemeinschaft beim Vatikan.

Im sogenannten Kanonisierungsverfahren werden dann biografische Informationen, Schriften der Person sowie Aussagen von Zeitgenossen zusammengetragen. Nach dem Urteil eines Kirchengerichts prüft die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechung im Vatikan die Unterlagen und gibt eine Empfehlung an den Papst. Die letzte Entscheidung liegt dann bei ihm.

Wunder spielen dabei eine zentrale Rolle. Es muss der Beweis erbracht werden, dass ein Wunder auf die Fürsprache des Anwärters zurückgeht. Es sei denn, es handelt sich um einen Märtyrer, der für seinen Glauben gestorben ist. Für die Heiligsprechung ist ein zweites Wunder erforderlich.

Was macht ein Wunder zum Wunder?

In den meisten Fällen sind es Genesungen angeblich unheilbar Kranker. Mehrere Ärzte und Wissenschaftler untersuchen den Vorgang. Am Ende müssen sie zu dem Schluss kommen, dass das Wunder mit den Instrumenten der Wissenschaft nicht erklärt werden kann.

Wie lange dauert ein Verfahren zur Heiligsprechung?

Vom Tod bis zur Heiligsprechung können Kirchenangaben zufolge schon mal mehrere Hundert Jahre vergehen. Das Kanonisierungsverfahren zieht sich in der Regel über mehrere Jahrzehnte hin, geht aber im Vergleich zu früheren Zeiten deutlich schneller vonstatten. Vor allem weil Johannes Paul II. 1983 die Hürde für eine Seligsprechung drastisch senkte: von vier bezeugten Wundern auf eines.

So konnte etwa der umstrittene Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá schon 2002 heiliggesprochen werden, 27 Jahre nach seinem Tod - damals ein Rekord. Verglichen mit Johannes Paul II. selbst allerdings eine halbe Ewigkeit.

Der 2005 verstorbene Pole ist im April 2014 als der mit Abstand am schnellsten Heiliggesprochene in die katholische Kirchengeschichte eingegangen. Bereits sein Verfahren zur Seligsprechung wurde in Rekordzeit eingeleitet: 87 Tage nach seinem Tod. Normalerweise ist eine Frist von fünf Jahren vorgeschrieben.

Gelten die Normen von 1983 noch heute?

Der Vatikan hat in der vergangenen Woche neue Vorgaben veröffentlicht, die Verfahren zur Selig- und Heiligsprechung künftig transparenter und kostengünstiger gestalten sollen. So sollen etwa die Ausgaben durch detaillierte jährliche Bilanzen festgehalten und überprüft werden.

Denn: Verfahren zu Selig- und Heiligsprechungen sind teuer. Unter anderem müssen wissenschaftliche Untersuchungen zur Anerkennung möglicher Wunder finanziert werden. Auch müssen die Antragsteller für die Einleitung eines solchen Verfahrens Geld zahlen, etwa an Anwälte. Die neuen Vorschriften seien zunächst probehalber für drei Jahre gültig, heißt es.

Welche Wunder soll Mutter Teresa vollbracht haben?

Papst Johannes Paul II. sprach die 1997 im Alter von 87 Jahren gestorbene Nonne 2003 selig. Grundlage dafür war eine angebliche Wunderheilung der Inderin Monica Besra - nach dem Tod Mutter Teresas. Sie will von einem Tumor geheilt worden sein, durch Gebete an die Ordensfrau und das Auflegen eines von Mutter Teresa gesegneten Amuletts. Trotz der Zweifel einiger Ärzte erkannte der Vatikan das Wunder an.

Im vergangenen Dezember stimmte Papst Franziskus einer Empfehlung der zuständigen Kongregation zu - und schrieb Mutter Teresa damit das für die Heiligsprechung nötige zweite Wunder zu. Es soll sich dabei um die medizinisch unerklärliche Heilung eines Mannes handeln, der acht Tumore im Gehirn hatte. Angehörige sollen Mutter Teresa laut der katholischen Zeitung "Avvenire" zuvor im Gebet um Hilfe gebeten haben.

Was bedeutet es, ein Heiliger zu sein?

Selige und Heilige werden in der katholischen Kirche als Vorbilder christlichen Lebens verehrt. Die Seligsprechung erlaubt die offizielle Verehrung eines Verstorbenen in einer bestimmten Region, die Heiligsprechung dehnt diese Verehrung auf die gesamte katholische Weltkirche aus.

Die Liste der Seligen und Heiligen ist mittlerweile sehr lang. Allein Johannes Paul II. nahm in seiner Amtszeit 1338 Selig- und 482 Heiligsprechungen vor - er machte doppelt so viele Kandidaten zu Heiligen wie seine Vorgänger in 400 Jahren zusammen. Zu den bekanntesten Seligen und Heiligen zählen - neben den Aposteln Petrus und Paulus - Franz von Assisi oder Hildegard von Bingen. Sie alle haben bestimmte Patronate, so gilt etwa die Heilige Barbara als Helferin gegen Blitz- und Feuergefahr.

wit/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
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1. Klar ist das zum Glauben!
wasnulos 15.03.2016
Um Denken geht es ja nicht bei den Kirchen, also lasst sie alle glauben und mir die Ruhe! Mutter Teresa war eine unglaublich engagierte Vorzeigefrau und ich danke ihr für ihr Lebenswerk! Einen Fehler hat sie leider gemacht, sich den Hampelmännern in Frauenkleidern unterzuordnen, dies hätte diese starke Frau nicht nötig gehabt und würde heute nicht von diesen ***** vereinnahmt! Liebe Grüße Wasnu
2. Todesengel von Kalkutta
sprechweise 15.03.2016
Mutter Teresa ist nicht Verblendeten unter anderem als Todesengel von Kalkutta bekannt. Statt zu helfen hat Mutter Teresa im religiösen Wahn Menschen bewußt leiden lassen. Sie würden damit Jesu folgen. Spendengelder wurden nicht für die Leidenden verwendet. http://www.sueddeutsche.de/panorama/studie-kratzt-an-mythos-mutter-teresa-alles-nur-keine-heilige-1.1618899
3. Selig sind die Bekloppten ...
Klaus-Otto 15.03.2016
... denn sie brauchen keinem Hammer.
4.
skade 15.03.2016
Schon absurd wie es dieser Mysthizismus in das 21. Jahrhundert geschafft hat.
5. Einfach albern und unwürdig!
granathos 15.03.2016
das ganze ist doch eine einzige Farce. Teresa muss ein Wunder vollbracht haben, um heilig gesprochen zu werden. Das sie sich, unter Todesgefahr, für Kranke gerdezu aufgeopfert hat, reicht nicht. Da werden dann Leutchen losgeschickt, die solche finden sollen. Einfach albern und unwürdig! Die Leutchen sind aber so schlau, dass sie solche Verfahren erst bei Toten anwenden. Man stelle sich eine lebende Heilige vor, die den Papst scharf kritisierte - herrlich.
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