Nach Messerattacke in Kandel Kirchenpräsident warnt vor Unmenschlichkeit

Vor wenigen Tagen wurde eine 15-Jährige in einem Drogeriemarkt in der Pfalz erstochen, mutmaßlich von einem jungen Afghanen. Kirchenpräsident Schad warnt nun davor, Flüchtlinge pauschal zu verdächtigen.

Gedenken an das Opfer der Messerattacke vor dem Drogeriemarkt in Kandel
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Gedenken an das Opfer der Messerattacke vor dem Drogeriemarkt in Kandel


Die tödliche Messerattacke im rheinland-pfälzischen Kandel vom Mittwoch hat auch Menschen in den Silvestergottesdiensten beschäftigt. Der Präsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad, ermahnte die Gläubigen am Sonntag in Ludwigshafen: "Lassen wir uns nicht zur Unmenschlichkeit verführen."

Der Tod der 15-Jährigen in Kandel habe gezeigt, dass sich Gewalt auch ganz in unserer Nähe ereigne, sagte Schad laut vorab verbreiteter Pressemitteilung. "Die abscheuliche Tat muss bestraft werden", erklärte der Kirchenpräsident. Er wies aber darauf hin, dass wir "vor der Tat eines einzelnen afghanischen Flüchtlings stehen, nicht vor einer Gruppe von Menschen, die - wie er - Afghanen oder Flüchtlinge sind".

Im Anblick solch schrecklicher Ereignisse brächen Sorgen, Fragen und Ängste auf, sagte Schad. "Dort, wo Menschen sich gegenseitig trösten, lassen wir nicht zu, dass Taten wie die in Kandel Hass und Vergeltungswünsche in unsere Herzen säen." Ganze Menschengruppen pauschal zu verdächtigen, helfe den Betroffenen nicht und führe in die Irre.

Der Fall hat die Debatte über Kriminalität und Zuwanderung befeuert. Jüngst warnte allerdings auch Dominic Kudlacek, stellvertretender Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, gegenüber dem SPIEGEL vor pauschalisierenden Verurteilungen.

Eine 15-jährige Deutsche war am Mittwoch in einem Drogeriemarkt mit einem Messer erstochen worden. Als dringend tatverdächtig gilt ihr Ex-Freund, ein nach Behördenangaben ebenfalls 15 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan.

In Kandel selbst wollen vier Kirchengemeinden an diesem Montag bei ihrem ökumenischen Neujahrsgottesdienst des Opfers gedenken. "Den Menschen liegt dies sehr auf der Seele", sagte die evangelische Pfarrerin Mirjam Dembek.

lov/dpa

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