Nach Nuklearkatastrophe Fukushima öffnet ersten Badestrand

In der japanischen Stadt Iwaki ist erstmals seit der nuklearen Katastrophe ein Strand für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Hunderte Sonnenhungrige kamen - doch die Angst vor radioaktiver Belastung bleibt.

AP/ Kyodo News

Tokio - Sonnenschein, lachende Kinder, zufriedene Mütter: Sieht man die Fotos des fröhlichen Treibens am Nakoso-Strand in Iwaki könnte man meinen, Japan sei nach dem verheerenden Tsunami und der darauffolgenden nuklearen Katastrophe im Atomkraftwerk von Fukushima zur Normalität zurückgekehrt. Ein Trugschluss.

Zwar hat die Präfektur von Fukushima die Wasserqualität als sicher eingestuft und daraufhin den ersten Strand freigegeben. Die Skepsis im Land gegenüber solchen Entscheidungen der Behörden ist jedoch größer als je zuvor. Erst am Montag hatten Zehntausende Japaner gegen den Wiedereinstieg in die Atomenergie demonstriert. Das Land will noch diese Woche im Atomkraftwerk Oi einen zweiten Reaktor wieder ans Netz nehmen. Nach dem Fall-out durch das havarierte AKW Fukushima hatten die Behörden für Sicherheitsüberprüfungen alle 50 Atomreaktoren des Landes heruntergefahren. Bis zum Unglück deckten AKW in Japan rund 30 Prozent des Strombedarfs.

Am Montag stürzten sich dennoch 1000 Wagmutige in Nakoso, nur 65 Kilometer vom Katastrophenmeiler Fukushima Daiichi entfernt, in die Fluten. Infolge des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März waren dort drei Reaktoren geschmolzen.

Zur Eröffnung des Badevergnügens gab es Beach-Volleyball-Spiele, traten Hula-Tänzer auf. Ein Sprecher der Stadt Iwaki, Joji Kimura, erklärte, die im Wasser gemessene Strahlung sei mit 0,08 Mikrosievert pro Stunde "geringfügig" und weit jenseits gesundheitsschädlicher Werte. Das ist ein Wert, der auch in Hamburg noch im vergangenen Jahr gemessen wurde und im oberen Normbereich liegt.

Durch die Kernschmelze in den Reaktoren waren im März 2011 große Mengen radioaktiven Materials in den Pazifischen Ozean gelangt. Untersuchungen des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel ergaben, dass die Radioaktivität im Pazifik zwar etwa dreimal so groß war wie die, die 1986 infolge der Tschernobyl-Katastrophe in die Ostsee eintrat. Trotzdem seien die simulierten Strahlungswerte im Pazifik bereits jetzt niedriger als die Werte, die man 26 Jahre nach Tschernobyl noch in der Ostsee finde.

Dennoch: Radioaktive Strahlung ist schwer berechenbar, kann punktuell unterschiedlich stark sein. Zudem ist das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi bis heute nicht restlos unter Kontrolle. Fachleute warnen davor, dass im Falle eines erneuten Erdbebens die Abklingbecken zerstört werden, das Kühlwasser ausläuft, und die Brennelemente schmelzen. Im schlimmsten Fall könne es gar zu einer unkontrollierten Kettenreaktion kommen.

Ein Untersuchungsausschuss des japanischen Parlaments kam zu dem Ergebnis, dass die Kernschmelze vermeidbar gewesen wäre. "Es war ein schwerwiegendes Desaster von Menschenhand", heißt es in dem Bericht. Der Unfall sei vorhersehbar und vermeidbar gewesen. Die Auswirkungen hätten zudem durch effektivere Maßnahmen verringert werden können. Die Katastrophe sei das Ergebnis der Kungeleien zwischen der Regierung, der Atomaufsicht und der Betreiberfirma Tepco, so die Kommission.

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ala

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Seite 1
c59 17.07.2012
1. Na geht doch!
Zitat von sysopAP/ Kyodo NewsIn der japanischen Stadt Iwaki ist erstmals seit der nuklearen Katastrophe ein Strand für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Hunderte Sonnenhungrige kamen - doch die Angst vor radioaktiver Belastung bleibt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,844836,00.html
Na geht doch! Und Angst ist normal. Habe ich jeden Tag im Strassenverkehr. Überhaupt scheinen mir die Japaner ein irres Volk zu sein. Voll in der Krise. Pleite wie nicht gutes, von Naturkatasthrophen gebeutelt und niemand jammert. Was wäre wohl, wenn Japan wie unsere EU-Heulsussen Griechenland, Spanien, Italien daher kämme? Grund hätten die Japaner sicher, weit aus mehr als Griechenland, Spanien, Italien zusammen.
abominog 17.07.2012
2. Das tückische an der radioaktiven Strahlung
man sieht sie nicht, man hört sie nicht, man schmeckt sie nicht und man fühlt sie nicht. Mitunter treten die verheerenden Schäden durch eine radioaktive Kontamination erst Monate oder Jahre später auf. Das macht es nahezu unmöglich, die eigentliche Ursache für die (oft genug lebensgefährlichen) Erkrankungen zu ermitteln. Sowas kann man leider lediglich grob schätzen oder hochrechnen. Sorry, also ich würde die gesamte Küstenregion in der Umgebung von Fukushima mindestens 10.000 bis 20.000 Jahre meiden...
franko_potente 17.07.2012
3.
Zitat von sysopAP/ Kyodo NewsIn der japanischen Stadt Iwaki ist erstmals seit der nuklearen Katastrophe ein Strand für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Hunderte Sonnenhungrige kamen - doch die Angst vor radioaktiver Belastung bleibt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,844836,00.html
Strand freigegeben? Bei Millionne Strahlentoten und unbewohnbaren Gebieten auf ewig? Und dann gehen da Menschen baden und kommenLEBEND aus dem Wasser zurück? Ohne dritten Arm? Was ist da los? Das kann nicht sein! Da muss wenigstens die Angst herbeigeschrieben werden.
schlachtvieh 17.07.2012
4. strahlende Menschen - strahlende Zukunft
Zitat von sysopAP/ Kyodo NewsIn der japanischen Stadt Iwaki ist erstmals seit der nuklearen Katastrophe ein Strand für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Hunderte Sonnenhungrige kamen - doch die Angst vor radioaktiver Belastung bleibt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,844836,00.html
Anscheinend ist es mit dem japanischen Sinn für Harmonie unvereinbar, dass es eine andauernde und unwiderrufbare Katastrophe geben kann. Irgendwie muss sich alles dann doch noch zum Guten wenden. Fazit: Warum machen nicht schon längst gut zahlende Jäger aus dem Westen Jagd auf das Wild rund um Tschernobyl? Wann gibt es dort endlich die ersten Campingplätze ? Es kann ja alles nur besser werden, alleine China wird demnächst 30 Reaktoren in Betrieb nehmen. http://2.bp.blogspot.com/_vzGkWJ9NImM/Sd6T6BrR-8I/AAAAAAAABFQ/QAgJFMYg7dw/s400/china_1_child.jpg
internetwitcher 17.07.2012
5. Man kann da bedenkenlos baden!
Viele meist ungebildete Menschen fallen auf die grüne Propaganda und auf ihre gezielten Desinformationen herein. Nur mal ein Beispiel über die Verdünnungskraft des Wassers. Stellen Sie sich ein Schwimmbecken im Freibad vor. Am Rand steht ein Mann und pinkelt ungeniert ins Wasser. Nur das viele Wasser verdünnt den Urin dann in dem relativ kleinen Becken, dass schon unsere Labore versagen den Urin überhaupt nur nachzuweisen. Man kann das Wasser unbedenklich trinken. Es ist eher wie in Fukushima ein psychologisches Problem! Und jetzt stelle man sich mal die Verdünnungskraft des Pazifiks vor. Wäre Plutonium von Fukushima nicht radioaktiv, dann könnte man es nicht mal im Meerwasser nachweisen. Manch Bergbach im Schwarzwald ist huntertausendfach mehr mir radioaktiven Material belastet als das Wasser in Fukushima. Aber das nehmen die Grünen aus ideologischen Gründen nicht zur Kenntnis!
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