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Proteste in Polen: C&A stoppt Verkauf von Che-Guevara-Shirts

T-Shirt mit Guevara-Porträt (Archiv): "Keine Gefühle verletzen" Zur Großansicht
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T-Shirt mit Guevara-Porträt (Archiv): "Keine Gefühle verletzen"

Die Kaufhauskette C&A zieht in Polen T-Shirts mit dem Konterfei Che Guevaras aus dem Handel zurück. Hintergrund sind Proteste im Netz: Während das Porträt des Revolutionärs anderswo als Symbol für Freiheit und Widerstand gilt, sehen viele Polen darin die Glorifizierung eines Verbrechers.

Warschau - Heroischer Freiheitskämpfer oder kommunistischer Killer? In Polen scheinen sich viele Menschen darüber einig zu sein, dass der kubanische Revolutionär Che Guevara eher Verbrecher als Held ist. Die Kaufhauskette C&A musste jedenfalls nach heftigen Protesten T-Shirts mit dem Guevara-Porträt aus ihren Geschäften zurückziehen.

Vor allem in sozialen Netzwerken und auf nationalkonservativen Webseiten hatte sich zuvor der Protest gegen die Leibchen formiert. Auf der polnischen Facebook-Seite von C&A schreibt ein Nutzer etwa: "Ich freue mich auf T-Shirts mit Adolf Hitler. Anscheinend zeigt die neue Kollektion Bilder von Verbrechern." Empörte Kunden zitierten den Paragrafen 256 des polnischen Strafgesetzbuchs, wonach man mit zwei Jahren Gefängnis bestraft werden kann, wenn man ein faschistisches oder totalitäres System öffentlich fördert, schreibt die polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza".

C&A zog die Shirts mit dem Guevara-Porträt daraufhin zurück. Auf seiner Facebook-Seite bat das Unternehmen diejenigen um Entschuldigung, die sich durch den Aufdruck verletzt fühlten. "Wir haben die T-Shirts mit dem Motiv Che Guevara nicht aus politischen Gründen in den Handel gebracht, und wir haben sie daher auch nicht aus politischen Gründen wieder aus dem Handel genommen", teilte C&A auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Vielmehr habe man erkannt, dass Menschen sich durch das Motiv in ihren Gefühlen verletzt sahen, deshalb habe man das Produkt vom Markt genommen.

Nur 160 Befürworter bei Facebook

Am Montag hatte die katholisch-konservative Internetseite fronda.pl zum Boykott des Unternehmens wegen "kommunistischer Propaganda" aufgerufen. Eine Facebook-Fanseite, die den Verkauf der Guevara-Shirts unterstützen wollte, fand dem Bericht der "Gazeta Wyborcza" zufolge nur 160 Anhänger. Nicht genug, um die Verbannung des Revolutionärs aus den Kaufhausfilialen zu stoppen.

Die T-Shirts zeigten das berühmte Porträt Guevaras, das der Fotograf Alberto Korda 1960 in Havanna schoss. Als es nach der Ermordung des Revolutionsführers in Europa veröffentlicht wurde, wurde es zur Ikone der 68er-Bewegung.

Guevara führte zusammen mit Fidel Castro die kubanische Revolution von 1956 bis 1959 an. Danach überwarf er sich mit Castro und reiste in den Kongo und nach Bolivien, um dort revolutionäre Bewegungen zu unterstützen. Guevara wurde 1967 in Bolivien erschossen.

msc/dpa

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Bevölkerung: 11,238 Mio.

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