Argentinien Dutzende NS-Relikte in Geheimzimmer gefunden

In der Nähe von Buenos Aires hat die argentinische Polizei mehr als 70 Relikte aus der NS-Zeit sichergestellt. Sie gehörten womöglich einem hochrangigen Funktionär.

AP

Die Polizei in Argentinien hat Dutzende Relikte aus der Zeit des Nationalsozialismus gefunden. Bei dem Fund in einem verborgenen Raum in Beccar bei Buenos Aires handele es sich um die bislang größte Sammlung dieser Art, teilten die Ermittler mit.

Unter anderem sicherten sie eine Adolf-Hitler-Büste, Vergrößerungsgläser in einer mit Hakenkreuzen besetzen Kiste und medizinisches Equipment zur Vermessung von Köpfen. Insgesamt soll es sich um etwa 75 Objekte handeln. Den Behörden zufolge gehörte die Sammlung während des Zweiten Weltkriegs vermutlich einem hochrangigen NS-Funktionär.

"Unsere ersten Ermittlungen deuten darauf hin, dass es sich um Originalstücke handelt", sagte die argentinische Sicherheitsministerin Patricia Bullrich. Bei einigen Exemplaren seien auch Fotografien gefunden worden, die die Relikte zusammen mit Hitler zeigen. Die Fotos sollten den besonderen Wert der Gegenstände belegen, sagte Bullrich.

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Nazi-Fund in Argentinien: Hitler-Büste und Hakenkreuz-Sanduhr

Demnach gehört zu der Sammlung auch Spielzeug, mit dem Kinder indoktriniert werden sollten: eine Statue mit Hakenkreuz und Reichsadler, eine Nazi-Sanduhr, eine Box voller Mundharmonikas.

Eines der historisch womöglich bedeutendsten Fundstücke soll laut Polizei ein Vergrößerungsglas sein. Historiker hätten bestätigt, dass es sich dabei um jenes Modell handele, das Hitler genutzt habe, sagte der Chef der Bundespolizei, Nestor Roncaglia. "Wir wenden uns nun an internationale Experten, um die Ermittlungen zu vertiefen."

Die Ermittler hatten das Versteck entdeckt, nachdem ein Exponat illegaler Herkunft in einer Galerie im Norden von Buenos Aires aufgetaucht war. Die Polizei folgte daraufhin in Zusammenarbeit mit Interpol dem Sammler, dessen Haus sie schließlich am 8. Juni durchsuchte und dabei auf die Sammlung stieß.

Der Sammler sitzt laut Polizei nicht in Haft, muss sich aber vor einem Bundesgericht verantworten. Unklar ist bislang, wie und wann die Relikte nach Argentinien kamen. Die Ermittler gehen davon aus, dass hochrangige Ex-Nazis sie nach 1945 in das Land brachten, in dem viele frühere NS-Funktionäre untertauchten.

Im Video: Angebliches Nazi-Versteck in Argentinien (2015)

AFP/ Daniel Schavelzon

In Argentinien tauchen immer wieder Nachlässe aus dieser Zeit auf, nicht immer handelt es sich jedoch um Originalfunde. Vor gut zwei Jahren meldeten Archäologen, sie hätten einen Zufluchtsort für ranghohe Nationalsozialisten gefunden - doch dann stellte sich heraus, dass sie vermutlich falsch lagen.

mxw/AP



insgesamt 20 Beiträge
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tw1974 20.06.2017
1. Erstaunlich
Erstaunlich, dass so eine Meldung es in die internationale Presse schafft. In Deutschland gibt es mit Sicherheit zig solcher Sammlungen, dass ist (in Deutschland und wahrscheinlich auch in Argentinien) weder per se illegal, noch ist der Sammler zwangsläufig ein Nazi.
ackergold 20.06.2017
2.
Seit den Rattenlinien von Hudal und dem Vatikan dürfte doch hinlänglich bekannt sein, dass Argentinien und die deutschen Kolonien in Brasilien, Paraguay und Uruguay jahrzehntelang als Nazi-Verstecke gedient haben. Das ist nun wirklich nicht verwunderlich.
fessi1 20.06.2017
3. Musikantenstadl sei dank sind Mundharmunikas wieder rehabilitiert...
"Zu der Sammlung gehört Spielzeug, mit dem wahrscheinlich Kinder indoktriniert werden sollten - zum Beispiel eine Box voller Mundharmonikas."
bienchen-maja 20.06.2017
4. Verboten?
Ist der reine Besitz dieser Gegenstände denn in Argentinien verboten? Hätte der Artikel ruhig einmal klären können. Und dann wieder diese merkwürdige Lust am Nazitum " Historiker hätten bestätigt, dass es sich dabei um jenes Modell handele, das Hitler genutzt habe, sagte der Chef der Bundespolizei, Nestor Roncaglia. "Wir wenden uns nun an internationale Experten, um die Ermittlungen zu vertiefen." " Was gibt es denn da groß zu vertiefen?
ackergold 20.06.2017
5. Grundgesetzlich garantierte freie Meinungsäußerung zum Thema:
Seit den Rattenlinien von Hudal und dem Vatikan dürfte doch hinlänglich bekannt sein, dass Argentinien und die deutschen Kolonien in Brasilien, Paraguay und Uruguay jahrzehntelang als Nazi-Verstecke gedient haben. Das ist nun wirklich nicht verwunderlich.
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