Nach dem Erdbeben Nepal lockt schon wieder Touristen

"So ist Abenteuer": Das nepalesische Tourismusministerium wirbt um Bergsteiger aus dem Ausland - wenige Tage nach dem schweren Beben. China geht einen anderen Weg und evakuiert Tausende aus der Krisenregion.

Trekking-Route im Himalaya: "Wenn die Kletterer gehen wollen, können sie noch immer gehen"
AFP

Trekking-Route im Himalaya: "Wenn die Kletterer gehen wollen, können sie noch immer gehen"


Aus Angst vor Erdrutschen haben chinesische Behörden mehr als 4000 Menschen aus dem Erdbebengebiet in Tibet in Sicherheit gebracht. In dem Gebiet waren durch das Himalaya-Beben zahlreiche Häuser zerstört worden. Die Menschen wurden nun in Zelten in der 300 Kilometer entfernten Gemeinde Lhatse untergebracht, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte.

Bereits am Montag hatte China alle Klettertouren während der Frühlingssaison auf der Nordseite des Mount Everest verboten.

Ganz anders ist das Vorgehen der Regierung in Nepal: Sie will Bergsteiger nicht bremsen. "Wenn die Kletterer gehen wollen, können sie noch immer gehen", sagte Gyanendra Shrestha vom Tourismusministerium. "So ist Abenteuer, es ist voller Unwägbarkeiten. Du bist selbst für deine Sicherheit verantwortlich. Die Regierung kann Katastrophen nicht verhindern." Der Tourismus ist für Nepal eine der wichtigsten Einnahmequellen.

Bei dem Beben am Samstag hatten sich im Mount-Everest-Massiv zahlreiche Lawinen gelöst und Teile des Basislagers am höchsten Berg der Welt zerstört. Dabei kamen mindestens 18 Menschen ums Leben, darunter nach Angaben von Nepals Bergsteigervereinigung eine Australierin, zwei US-Amerikaner, ein Japaner und ein Chinese.

Rettung nach fünf Tagen

Fotostrecke

8  Bilder
Rettungsarbeiten in Nepal: Tag fünf nach dem Beben
Aus Kathmandu gab es fünf Tage nach dem Erdbeben gute Nachrichten: Helfer konnten einen 18-jährigen Nepalesen lebend unter den Trümmern eines Hauses befreien. Er sei in guter Verfassung, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Der Jugendliche stamme aus dem Distrikt Nuwakot und habe als Helfer im Hidden Guest House in der Nähe der Busstation Gongabu gearbeitet. Das Uno-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha) erklärte auf Twitter, an der Rettung seien ein US-Team und lokale Kräfte beteiligt gewesen. Zuvor hatten Helfer ein elfjähriges Mädchen noch lebend gefunden - 90 Stunden nach der Katastrophe.

Das Erdbeben mit einer Stärke von 7,8 hatte am Samstag den Himalaya erschüttert. Die Zahl der Toten in den betroffenen Ländern Nepal, Indien und China liegt inzwischen bei mehr als 5500.

Außerhalb der Hauptstadt Kathmandu sei die Suche nach Verschütteten und die Auslieferung von Hilfsgütern "noch immer eingeschränkt", heißt es von der Uno. Manche Gegenden könnten nur zu Fuß erreicht werden, seien aber vier bis fünf Tagesmärsche von der nächsten Straße entfernt. Es stünden nur zwei Helikopter zur Verfügung, um Nahrungsmittel im Distrikt Gorkha zu verteilen, wo das Epizentrum des Bebens lag. Es mangele zudem an Treibstoff.

Laut den Vereinten Nationen sind insgesamt acht Millionen Menschen von dem Beben betroffen, davon brauchen 3,5 Millionen Nahrungsmittel. 2,8 Millionen Menschen sind den Schätzungen zufolge obdachlos.

Polizeivideo: Mann nach 80 Stunden aus Trümmern gerettet

aar/dpa/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Solid 30.04.2015
1. Torismus
Da es mit der Mikroprozessorfertigung und dem Industrieanlagenbau in Nepal gerade etwas stockt, ist es doch ganz vernünftig, um Touristen zu werben um Devisen für den Wiederaufbau einzunehmen.
kabian 30.04.2015
2. Das ist nur noch abartig
Die Helikopter werden jetzt dringend gebraucht um die "Abenteuertouristen" bequem zum Mount Everest zu fliegen, während gleichzeitig die arme Bevölkerung verhungert, weil kein Hubschrauber für deren Versorgung zur Verfügung steht.
Ottokar 30.04.2015
3. Übrigens, was in der Berichterstattung nicht erwähnt wird
China war das erste Land das tatkräftige Hilfe, schon am ersten Tag nach dem Beben, in Nepal gemacht hat.
sunsan 30.04.2015
4. Die jungen Neo-Hippies, die
dort hinfliegen sind im Grunde genommen selbst schuld. Aber was tut man nicht alles um sich ein alternatives Image von Spiritualität und Abenteuerlust zu verleihen und unter ähnlich Fehlgeleiteten zu sein.
kielamter 30.04.2015
5.
" China geht einen anderen Weg und evakuiert Tausende aus der Krisenregion." China ist zur Zeit sowieso der einzige seriöse Staat auf diesem seltsamen Planeten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.