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Neues Portal des Vatikan: Papst umwirbt Web-Gemeinde

Ob Radio, Zeitung oder Fernsehen - ab sofort sind alle Informationskanäle des Vatikans auf einer Website gebündelt. Das Portal soll ein neues Publikum ansprechen, die Botschaft des Heiligen Stuhls verbreiten - und interne Kommunikationsdefizite beheben.

AFP

Rom - Es war ein kleiner Klick für Papst Benedikt XVI., aber ein großer Schritt für die Medienlandschaft im Vatikan: Mit einer Bewegung seiner rechten Hand hat das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche eine neue mediale Ära in dem Zwergstaat eingeleitet. Der Papst schaltete über sein iPad die Seite " news.va" frei. Dort sind seit dem heutigen Mittwoch alle vatikanischen Informationskanäle unter einem multimedialen Dach vertreten.

"Liebe Freunde, ich habe gerade www.news.va gestartet. Gelobt sei unser Herr Jesus Christus. Mit meinem Gebet und Segen. Benediktus XVI.", teilte der Papst nach der Freischaltung in seiner ersten Twitter-Botschaft mit, die er offenbar ebenfalls per iPad verfasste. Die Kurzbotschaft war dann auch gleich Topthema auf der neuen Seite - Überschrift: "Ein historischer Tweet".

Bisher operierten die Zeitung "Osservatore Romano" und "Radio Vatikan" sowie das Presseamt des Staates nebeneinander - ebenso wie der Missions-Pressedienst Fides, der Vatikanische Informationsdienst und der Fernsehsender CTV. Nun sind all ihre Informationen auf einer Plattform gebündelt, auch wenn sie inhaltlich unabhängig bleiben sollen.

"News.va" soll im Zeitalter von Internet und Handy Informationen über die Kirche vor allem für ein jugendliches Publikum leichter zugänglich machen. Die Seite ist der Versuch des Vatikans, seine Botschaften einem internetaffinen Publikum zu vermitteln - Accounts bei Facebook, YouTube und Twitter inbegriffen. Missionieren via "Gefällt mir"-Button, sozusagen. Noch gibt es "news.va" nur auf Italienisch und Englisch. Ableger in französischer, portugiesischer und deutscher Sprache sind aber geplant.

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Start in neues Medien-Zeitalter: Vatikan im Web
Der Papst sei "interessiert und beeindruckt" gewesen, als man ihm die Seite erklärt habe, sagte Thaddeus Jones, Koordinator des Medienprojektes. "Er hatte ganz klar Ehrfurcht vor der neuen Technologie."

Benedikt XVI. hat die Kirche immer wieder aufgefordert, "alle technischen Möglichkeiten zur Verbreitung ihrer Botschaft und zum Kontakt mit den Gläubigen zu nutzen", schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Von einer "neuen Dimension" bei den Medienaktivitäten des Vatikans sprach denn auch Erzbischof Claudio Maria Celli, Präsident des Päpstlichen Rates für Soziale Kommunikationsmittel. Benedikt XVI. sei ein Medienpapst.

Tatsächlich ist der Vatikan neuen Kommunikationstechnologien gegenüber sehr aufgeschlossen. Der "Osservatore Romano" erscheint schon seit 150 Jahren, und Radio Vatikan sendet auch bereits seit Jahrzehnten - aber zu einer positiven Außenwirkung trug das nicht immer bei.

Medien werden eher als Gegner denn als Verbündete gesehen

In der sechsjährigen Amtszeit Benedikt XVI. wirkte der Vatikan wiederholt kommunikativ nicht auf der Höhe. Zum Beispiel 2009, als der Papst bei einer Rede in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem jegliche Empathie vermissen ließ. Oder im Fall des Bischofs Richard Williamson, der den Holocaust leugnete. Oder als im vergangenen Jahr die vielen Missbrauchsskandale durch katholische Geistliche und an katholischen Einrichtungen bekannt wurden.

"Der Vatikan braucht Beratung, braucht Medientraining", konstatierte der SPIEGEL 2010 - und zitierte einen Medienexperten aus dem Vatikan, der sagte, es gebe keine Strategie und kein Krisenmanagement. Im Februar berichtete die "FAZ", sogar bei Radio Vatikan seien Klagen über die kommunikative Abschottung des Heiligen Stuhls zu hören, selbst der Haussender werde eher als Gegner denn als Verbündeter wahrgenommen.

Das lag auch daran, dass die interne Kommunikation sehr zäh verlief. Nun hoffen Offizielle, dass das neue Portal auch den internen Informationsaustausch verbessert und beschleunigt, weil ab sofort alles an einer Stelle abrufbar ist.

Wie fast alles im Vatikan war auch das Launchdatum des neuen Portals sorgfältig ausgewählt. Der 29. Juni ist der Gedenktag der Apostel Peter und Paul, am Dienstag gab es deswegen schon einen Abendgottesdienst. Und der 29. Juni ist noch aus einem anderen Grund symbolträchtig: Am Mittwoch jährt sich die Priesterweihe von Benedikt XVI. zum 60. Mal.

ulz/AFP/AP

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