130-Kilo-Mann: Neuseeland weist übergewichtigen Einwanderer aus

Die Einwanderungsbehörde von Neuseeland verweigert einem Koch aus Südafrika ein neues Arbeitsvisum, obwohl er bereits seit sechs Jahren im Land lebt und arbeitet. Die Begründung: Mit 130 Kilo und einem Body-Mass-Index von 40 drohe er dem Gesundheitssystem zur Last zu fallen.

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Wer als Einwanderer zu viel wiegt, hat's in Neuseeland schwer

Hamburg - Moderne Einwanderungspolitik ist immer auch Wirtschaftspolitik. Viele Staaten wählen ihre Migranten danach aus, was sie der Volkswirtschaft bringen - und ob sie ihr schaden. Und so kommt es, dass junge Bewerber, die gut ausgebildet sind und die womöglich sogar Geld auf dem Konto haben, tendenziell gern gesehen sind - während ältere, schlecht qualifizierte Einwanderungswillige, die es schwer auf dem Arbeitsmarkt haben und auf staatliche Unterstützung angewiesen sein könnten, kaum eine Chance haben. Und wer zu dick ist, darf auch nicht rein ins Land - zumindest nicht nach Neuseeland.

Albert Buitenhuis ist das, was man als höflicher Mensch mit Worten wie "stämmig" oder "kräftig gebaut" umschreiben würde: Er wiegt 130 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,78 Metern, was einem Body-Mass-Index von 40 entspricht. Der neuseeländischen Einwanderungsbehörde Immigration New Zealand (INZ) ist dieser Wert eindeutig zu hoch, und deswegen soll Buitenhuis das Land verlassen. Sie befand, dass der 50-Jährige keinen "akzeptablen Gesundheitszustand" habe.

Ab einem BMI von 35 wird's eng

Der Südafrikaner war vor sechs Jahren gemeinsam mit seiner Frau Marthie, 47, ins Land gekommen, das Paar hatte sich in Christchurch niedergelassen, Albert fand Arbeit als Koch, seine Gattin als Kellnerin, beide arbeiteten bis vor kurzem im selben Restaurant. Bei der Einreise wog Buitenhuis sogar noch 160 Kilo, doch weder bei seiner ersten Aufenthaltsbewilligung noch bei jährlichen Verlängerungen gab es offenbar irgendwelche Probleme. Am 1. Mai dieses Jahres erhielt das Paar jedoch Nachricht von der INZ: Ihre Arbeitsvisa seien nicht verlängert worden, sie mussten sofort ihre Jobs aufgeben.

Die Begründung: Buitenhuis habe ein "signifikantes Risiko", an mit Adipositas verbundenen Leiden zu erkranken, etwa Diabetes, Fettleber, Krebsarten oder Herzstörungen. Ein Sprecher der Einwanderungsbehörde sagte der neuseeländischen Zeitung "The Press" zufolge: "Es ist wichtig, dass alle Migranten einen akzeptablen Gesundheitszustand haben, um die Kosten für das Gesundheitssystem zu minimieren". Sobald der Body-Mass-Index den Wert von 35 übersteige, schaue die INZ genauer hin, ließ er wissen.

Ob Albert und Marthie Buitenhuis tatsächlich das Land verlassen müssen, ist aber noch nicht endgültig entschieden. Das Ehepaar hat den Bescheid der Behörde angefochten. Ihr Mann sei doch lediglich ein "Foodie" (in etwa: Leckermaul), sonst habe man sich nichts zuschulden kommen lassen, sagte Marthie laut "The Press". Der Fall liegt nun bei der zuständigen Ministerin. Bis auf weiteres sind die beiden bei der Schwester von Albert Buitenhuis in Auckland untergekommen.

Übrigens: Aus volkswirtschaftlicher Sicht mag das Vorgehen der Einwanderungsbehörde womöglich sinnvoll sein. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht hingegen ist es das zumindest in diesem Fall nicht: Der Ex-Arbeitgeber des Ehepaares, der Manager des Restaurants Cashmere Club in Christchurch, wünscht den beiden jedenfalls viel Erfolg bei dem Versuch, gegen die Entscheidung der INZ vorzugehen. Er sagte "The Press", sie seien "großartige Angestellte" gewesen.

tdo

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