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Proteste nach Obdachlosen-Tod: "Die Leute konnten es nicht mehr ertragen"

APD/YouTube

Ein Obdachloser im US-Bundesstaat New Mexiko campte illegal nahe der Stadt Albuquerque. Er wurde von Polizisten erschossen. Das Video einer Helmkamera zeigt das Vorgehen der Beamten - und erzürnt Hunderte Bürger.

Albuquerque - Hunderte Demonstranten marschierten am Sonntag durch die Stadt Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexiko. Videoaufnahmen zeigen wütende Bürger, die einer Horde Polizisten gegenüberstehen und Anti-Polizeiparolen schreien. Es sei ein riesiges Chaos gewesen, sagte Bürgermeister Richard Berry.

Wie die "New York Times" und die "Washington Post" berichten, war der Tod eines Obdachlosen eine Woche zuvor der Auslöser für die Demonstration. Ort des Geschehens: das Vorgebirge der Sandia Mountains östlich der Stadt. Der 38-jährige James Boyd hatte hier ohne Erlaubnis in den Bergen übernachtet - bis ihn die Polizisten des Albuquerque Police Departments (APD) in der Abenddämmerung aufforderten zu gehen. Der Streuner war der Polizei namentlich bekannt, er galt als psychisch krank.

Wie das von der Polizei veröffentliche Video einer Polizisten-Helmkamera zeigt, war der Obdachlose nach einer kurzen Diskussion damit einverstanden, den Platz zu verlassen. Die Polizisten fühlten sich aber offensichtlich von Boyd bedroht. Sie vermuteten in seiner Hand ein Messer - und eröffneten das Feuer. Erst traf eine Schockgranate den Mann. Dann schossen zwei der Polizisten scharf. Das Video zeigt, wie der Mann schwer verwundet mit dem Gesicht in den Schlamm fällt.

Dem britischen "Independent" zufolge ist das APD seit 2010 in 37 Schießereien verwickelt gewesen, von denen 23 tödlich endeten. Das Netzwerk ProgressNow - eine staatenübergreifende Interessenvertretung, die sich auch gegen Polizeigewalt einsetzt - kritisiert, APD-Polizisten hätten mehr Menschen erschossen, als die New Yorker Polizei im selben Zeitraum.

Der Mord an James Boyd habe dann "die Stimmung zum Siedepunkt gebracht. Die Leute konnten es einfach nicht mehr ertragen", sagte ein Demonstrant der Zeitung.

Hacker-Netzwerk rief zum Protest auf

Der "New York Times" zufolge hatte die Hacker-Bewegung "Anonymous" zu dem Protestmarsch aufgerufen und damit gedroht, Internetseiten der lokalen Regierung zusammenbrechen zu lassen. Das APD bestätigte, dass seine Seite angegriffen worden sei. Daraufhin habe es seine Facebook- und Twitter-Accounts gesperrt.

Nach Angaben der Zeitung bleibt unbeantwortet, warum zwei der Polizisten plötzlich ihre normalen Schusswaffen statt der Elektroschockpistolen eingesetzt haben. Zurzeit seien beide beurlaubt. Das FBI untersucht den Fall.

som

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