Bildband So sind sie, die Briten

Graues Großbritannien? Von wegen: Der Fotograf Nial McDiarmid zeigt in seinem Bildband "Town to Town", wie interessant die Menschen auf der Insel sein können.

Niall McDiarmid

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Ein Mann mit Brille und rötlichen Haaren, die ihm bis über die Schultern reichen, sitzt neben einer älteren Frau mit roten Ohrclips an einer Bushaltestelle, beide tragen grüne Kleidung. Entstanden ist dieses Bild in Leamington Spa, in der Nähe von Birmingham. Eine Alltagsszene, gewöhnlich zwar, aber doch farbenfroh und irgendwie faszinierend - und damit stellvertretend für den Bildband "Town to Town" von Niall McDiarmid.

2011 fing der schottische Fotograf an, seine Nachbarschaft in London zu fotografieren, schnell weitete er das Projekt auf die ganze Stadt und schließlich auf das gesamte Land aus. Seitdem macht er fast jede Woche Porträts von Menschen in britischen Städten: von Dingwall in den schottischen Highlands bis nach Bodmin in Cornwall - mehr als 200 Orte besuchte er bereits.

Um die 2000 Menschen lernte McDiarmid dabei kennen, rund 50 der Porträtierten zeigt er nun in seinem Bildband: einen alten Mann mit Rauschebart und Gehstock in Camden Town, die Teenager Lukee and Levi in Bridgend, eine Mutter mit rosafarbenem Kinderwagen in Ayrshire. Er versucht, Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und Geschlechts abzubilden - weil diese Vielfalt seiner Meinung nach auch das Land selbst widerspiegelt.

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Mütter, Sportler, Eisverkäuferinnen: Großbritanniens bunte Vielfalt

Es ziehe ihn zu Menschen, die anders sind, irgendetwas Besonders an sich haben oder die für ihn etwas über eine bestimmte Stadt aussagen, so McDiarmid. Aber auch die Farbe ihrer Kleidung spiele für ihn eine große Rolle: "Großbritannien wird in Film und Fotografie oft in gedeckten Tönen oder in Schwarz-Weiß dargestellt. Ich suche daher aktiv nach Farbe." Oft passen die Menschen in seinen Bildern auch farblich zu den Häusern und Mauern der Umgebung.

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Niall McDiarmid:
Town to Town

RRB Publishing; 120 Seiten; 42,95 Euro

McDiarmid versucht, die Männer, Frauen und Kinder möglichst so abzulichten, wie man ihnen auch auf der Straße begegnen könnte, ohne vorgegebene Pose. Mit jeder Person führt er Gespräche, fragt nach ihrer Wohngegend und ihrem Leben, versucht anschließend, etwas von der Persönlichkeit in das Bild zu übersetzen. Aufschreiben will er die jeweiligen Geschichten allerdings nicht, da sie von den Fotografien ablenken könnten.

Manchmal verbringt McDiarmid nur zwei Stunden in einer Stadt, oft aber auch mehrere Tage. Jede sei unverwechselbar, auch wenn sich die Ortszentren mit den immer wieder gleichen Geschäften oft ähneln würden. Der Charakter der Stadt zeigt sich für den Fotografen jedoch vor allem in den Menschen, die durch die Straßen gehen.


Ausstellung: Town to Town. Martin Parr Foundation, Bristol, bis 12. Mai 2018.

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