Nichtraucher-Debatte Altkanzler Schmidt ließ die Zigaretten stecken

Er ist ein überzeugter Raucher, sich offenbar aber auch seiner Vorbild-Funktion bewusst: Helmut Schmidt ließ bei einem Auftritt in Hamburg seine Zigaretten stecken - und schnupfte stattdessen. Der Altkanzler war wegen öffentlichen Qualmens von einer Nichtraucher-Initiative angezeigt worden.


Hamburg - Man war gespannt: Raucht er oder raucht er nicht? Doch Altkanzler Helmut Schmidt zeigte sich heute im Hamburger Thalia-Theater von seiner verantwortungsvollen Seite: Der SPD-Politiker ließ die Mentholzigaretten im Jackett. Ganz konnte er dem Laster jedoch nicht widerstehen: Ein paar Prisen Schnupftabak ließ sich der 89-Jährige nicht nehmen.

"Das ist ein intelligenter Mann, der weiß, dass er eine Vorbildfunktion hat", sagte ein Zuhörer zum nicht-rauchenden Altkanzler. Andere meinten, dass der frühere Chef der sozial-liberalen Koalition (1974-82) und heutige Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit" den Medien kein zusätzliches Futter im "Raucherkrieg" ("Bild"-Zeitung) liefern wollte.

Nichtraucher aus Wiesbaden hatten sich zuletzt über das fortgesetzte Rauchen von Schmidt in der Öffentlichkeit empört - und Anzeige wegen Körperverletzung gestellt. Der 89-Jährige und seine Frau Hannelore (Loki) waren bei einem Neujahrspunsch in dem Hamburger Theater Winterhuder Fährhaus qualmend gesehen worden. Allerdings kündigte die Hamburger Staatsanwaltschaft am Freitag an, das Verfahren gegen das Ehepaar Schmidt einzustellen.

Dreimal in seinem Leben habe die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, berichtet Schmidt. 1944 im Zweiten Weltkrieg nach Witzen über die Nazis wegen Zersetzung der Wehrkraft, Anfang der 1960er Jahre in der SPIEGEL-Affäre wegen Beihilfe zum Landesverrat, "und das dritte Mal muss jetzt gewesen sein". Ob er künftig bei Veranstaltungen nicht mehr rauchen werde, ließ Schmidt offen.

Weder der Altkanzler noch seine Frau denken daran, das Rauchen ganz aufzugeben. Die 88-jährige Loki sagte Anfang des Jahres der "Hamburger Morgenpost": "Sogar die Ärzte raten uns davon ab. Die Umstellung würde zu viel Stress für den Körper bedeuten."

flo/dpa



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