Zirkusfotograf Abseits der Manege

Seit er 15 Jahre alt ist, fotografiert Nick Warner Zirkusse - am liebsten den Hippodrome Circus im englischen Great Yarmouth. Warners Bilder zeigen, was die Faszination Zirkus hinter den Kulissen ausmacht.

Nick Warner

Ein Interview von


Zur Person Nick Warner
  • Mark Shearwood
    Nick Warner, Jahrgang 1988, arbeitet als Fotograf und Autor in London. Er studierte Fotografie in Bournemouth und London, seine Lieblingsmotive findet er aber trotzdem im Hippodrome Circus in seiner Heimatstadt Great Yarmouth.

Zirkusse gibt es viele, aber der Hippodrome Circus im englischen Great Yarmouth ist besonders: Seine Vorstellungen finden im letzten verbliebenen Zirkusgebäude des Landes statt - so beschreibt es der Fotograf Nick Warner. In vier unterschiedlichen Programmen pro Jahr präsentieren Artisten ihr Können.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie sich an Ihre erste Zirkusaufführung erinnern?

Warner: Es war auf jeden Fall eine im Hippodrome Circus in Great Yarmouth. Aber ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr das war - ich bin als Kind einfach so oft dort hingegangen.

SPIEGEL ONLINE: Woher kommt Ihre Begeisterung für genau diesen Zirkus?

Warner: Ich bin in Great Yarmouth aufgewachsen und habe mich in der Schule mit Jack Jay angefreundet, dem Sohn des Zirkusbesitzers. Ich verbrachte den Großteil meiner Jugend dort mit ihm, hing hinter der Bühne herum und half gelegentlich aus.

SPIEGEL ONLINE: Welche Bedeutung hat der Zirkus für die Stadt?

Warner: Die Einwohner von Great Yarmouth sind sehr stolz auf den Zirkus. Er musste ein paar Mal fast schließen und immer haben die Einwohner protestiert und ihn unterstützt. Er erinnert viele an die glorreichen Tage des Ortes.

Im Video: Überleben in der Manege - Zirkus ohne Zukunft?

Deutsche Welle

SPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie angefangen, dort zu fotografieren?

Warner: Die ersten ernst zu nehmenden Bilder entstanden, als ich ungefähr 15 Jahre alt war. Es waren aber hauptsächlich Aufnahmen der Aufführungen.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt fotografieren Sie häufiger hinter den Kulissen.

Warner: Für mich ist das, was abseits der Bühne stattfindet, noch außergewöhnlicher und schöner als das, was während der Aufführung passiert. Die Leute wärmen sich auf, machen Übungen, um sich besser zu konzentrieren - das ist alles Teil der Performance, aber niemand sieht das. Es ist für mich Ehre und Nervenkitzel zugleich, dort zu arbeiten.

Fotostrecke

12  Bilder
Akrobaten, Jongleure und Ringmeister: Zirkus backstage

SPIEGEL ONLINE: Wie gehen Sie beim Fotografieren vor?

Warner: Die Artisten sind alle perfekt auf der Bühne, ich möchte aber ihre menschliche Seite und ihre Persönlichkeit zeigen. Ich konzentriere mich sehr darauf, nicht auf Klischees wie das Motiv des "traurigen Clowns" zurückzugreifen.

SPIEGEL ONLINE: Die Zirkuskünstler sind es gewohnt, im Rampenlicht zu stehen. Lassen sie sich gerne fotografieren?

Warner: Die meisten sind sehr vorsichtig und misstrauisch gegenüber Außenstehenden - vor allem, wenn sie eine Kamera dabeihaben. Sobald ich aber Vertrauen aufgebaut habe, sind sie immer sehr offen und auch geschmeichelt von meinem Interesse. Sie wollen zeigen, wie schön Zirkus ist.

SPIEGEL ONLINE: Was macht Zirkus denn schön?

Warner: Ein Zirkus unterhält sein Publikum auf vielfältige Weise: mit Tanz, Musik, Akrobatik, Lichtspielen und Moderationen.

SPIEGEL ONLINE: Werden Ihnen die 24. Trapeznummer und das Zuschauen beim Schminken nicht irgendwann langweilig?

Warner: Nein! Ich will für immer Zirkusse fotografieren. Ich will jede Saison zum Hippodrome Circus fahren, ich verspüre den Zwang, alles zu dokumentieren, was dort vor sich geht.

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