Rassismus-Vorwurf Niederländer kämpfen für ihren schwarzen Nikolaushelfer

Viele Niederländer wollen ihren "Schwarzen Peter" behalten: Hunderte demonstrierten am Wochenende gegen die Vorwürfe der Uno, wonach eine holländische Tradition rassistisch sei. Auf Facebook unterstützten Millionen Menschen eine Petition für den schwarz angemalten Nikolaushelfer.

Proteste in Den Haag: Viele Niederländer wollen den "Schwarzen Peter" behalten
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Proteste in Den Haag: Viele Niederländer wollen den "Schwarzen Peter" behalten


Den Haag - "Der 'Zwarte Piet' ist kein Rassismus, er muss bleiben", findet die 16-jährige Mandy Roos. Die Jugendliche hatte zu einer Aktion in Den Haag aufgerufen, der sich Hunderte Niederländer am Wochenende anschlossen. Sie demonstrierten gegen Rassismusvorwürfe einer Uno-Expertin und forderten, die Tradition schwarzer Nikolaushelfer fortzusetzen.

Viele der rund 500 Demonstranten kamen als "Zwarte Pieten" mit geschwärzten Gesichtern. Auch auf den sozialen Netzwerken regte sich Widerstand gegen die Uno-Vorwürfe: Eine Facebook-Petition für die Schwarzer-Peter-Figur wurde bis Samstagabend 2,1 Million Mal mit "Gefällt mir"-Klicks unterstützt.

Die große Unterstützung für die Petition zeigt die tiefe Verbundenheit vieler Niederländer mit einem Brauch, der plötzlich bedroht scheint. "Sinterklaas", so heißt der Nikolaus in den Niederlanden, kommt nach der Legende immer Mitte November in die Niederlande, um den Kindern Geschenke zu bringen. Begleitet wird der weiße Bischof von zahlreichen schwarz angemalten Helfern mit roten Lippen, lockigen Haaren und in bunten Phantasie-Kostümen. Die jungen Schwarzen streuen Pfeffernüsse und bringen Kindern Geschenke.

Die jamaikanische Historikerin Verene Shepherd, die bei den Uno eine Expertengruppe für Menschen afrikanischer Herkunft leitet,forderte kürzlich die Abschaffung des Brauchs. "Das Fest ist eine Rückkehr zur Sklaverei", kritisierte sie. Es erinnere an die Ausbeutung von Schwarzen in Kolonien.

Die große Mehrzahl der Niederländer meint hingegen, die dunklen Gesichter der "Zwarte Pieten" kämen einfach vom Ruß der Schornsteine, durch die sie der Legende nach klettern, um in Wohnungen Geschenkpäckchen abzulegen.

lgr/dpa

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Seite 1
giordano_filippo_bruno 27.10.2013
1. 2 Millionen Klicks
2 Millionen Klicks auf einer amerikanischen Social Media Seite und 500 Demonstranten in Faschingskostümen sind natürlich ein eindrucksvoller Beweis des Anti-Rassismus. Da macht den Niederländern keiner etwas vor. Das ist wirklich spontan. Dass die Niederländer seinerzeit die die globalen Marktführer im Sklavenhandel waren und damit steinreich wurden, wird dabei leicht vergessen. Natürlich ist der svarte Piet rassistisch - und die Holländer wissen das auch.
gurkensalat32 27.10.2013
2. Ja sicher...
Zitat von sysopDPAViele Niederländer wollen ihren "Schwarzen Peter" behalten: Hunderte demonstrierten am Wochenende gegen die Vorwürfe der Uno, wonach eine holländische Tradition rassistisch sei. Auf Facebook unterstützten Millionen Menschen eine Petition für den schwarz angemalten Nikolaushelfer. Niederländer demonstrieren für schwarze Nikolaushelfer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/niederlaender-demonstrieren-fuer-schwarze-nikolaushelfer-a-930246.html)
…und die krausen Haare kommen daher, dass die Haare überm Kaminfeuer versengt worden sind. Nur weil dümmlicher Rassismus folkloristisch wurde bleibt er trotzdem rassistisch…und dümmlich.
desertking 27.10.2013
3. Ich bin mir nicht so sicher...
Ob die Niederländer wirklich wissen, dass der Svarte Piet rassistisch ist. Aus eigenen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass speziell junge, weiße Niederländer erschreckend wenig Taktgefühl anderen Kulturen gegenüber besitzen. Ich habe in Den Haag ein Semester studiert und die holländischen Studenten fragten mich irgendwann ganz lapidar, wieso ich denn bei Aldi einkaufen gehe, da würden ja nur Türken kaufen... Das würden Holländer ja nicht tun... Ebenso wurde sich in einem Seminar zu interkultureller Kommunikation abfällig gegenüber Chinesen geäußert, die natürlich mit im Raum saßen, zum Thema Islam fielen den weißen Holländern auch nur Kopftücher ein, die sich mit Hilfe von Schals auch mal übergezogen und muslimische Frauen nachgeäfft wurden. Der Dozent schien das normal zu finden und grinste sich eins. Das Klischee, dass es sich bei den Niederlanden um einen Hort der Toleranz und Aufgeschlossenheit handelt, ist längst überholt. Ich war ehrlich erschrocken, ob des Überlegenheitsgefühls der weißen Niederländer. Der Swarte Piet war da nur ein Steinchen im Mosaik. Wie auch in Deutschland wissen viele weiße Niederländer überhaupt nicht, was Rassismus eigentlich ist. Da wird in einem der bekanntesten Magazine Hollands Rihanna als "ultimate Niggabitch" bezeichnet oder der Film "Alleen maar nette Mensen", in dem weißer, holländischer Rassismus nicht nur gezeigt, sondern auch als selbstverständlich gezeigt wird, zum Kassenknüller. Die kiffenden, toleranten Nachbarn waren einmal, leider.
erlenstein 27.10.2013
4. Von wegen Schornstein
Zitat von giordano_filippo_bruno2 Millionen Klicks auf einer amerikanischen Social Media Seite und 500 Demonstranten in Faschingskostümen sind natürlich ein eindrucksvoller Beweis des Anti-Rassismus. Da macht den Niederländern keiner etwas vor. Das ist wirklich spontan. Dass die Niederländer seinerzeit die die globalen Marktführer im Sklavenhandel waren und damit steinreich wurden, wird dabei leicht vergessen. Natürlich ist der svarte Piet rassistisch - und die Holländer wissen das auch.
Völlig richtig! Von wegen Schornsteinschwärze. Welch unglaubwürdiger Umdeutungsversuch ist das denn. Dann sollen die uneinsichtigen Niederländer doch wenigstens die verhöhnenden Kraushaare und die roten Lippen á la des ebenfalls rassistischen "Sarottimohrs" weglassen. Es ist mir völlig unverständlich, wie man in unserer Zeit an solchen menschenverachtenden Bräuchen festhalten kann, wo doch jedem Menschen die notwendigen Informationen zur Entstehung der "Swarten Piets" zur Verfügung stehen (könnten).
Michi2010, 27.10.2013
5. Was die Vergangeheit der Völker angeht,
wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Zeit Beginn der Menschheitsgeschichte ist Unterdrückung an der Tagesordnung. Die Frage ist doch nicht, ob wir eine bessere Welt schaffen, in dem wir gewohnte Bräuche abschaffen und alles glattschleifen. Also Weihnachten weg, weils die Moslems stört, Ramadan weg, weils die Hindus stört und und und ... In meiner Kindheit war ich oft in Holland und habe dort gesehen das Behinderte integriert wurden und nicht wie in Deuschland möglichst unter Verschluß gehalten wurden. Ausländische Kinder gingen in ganz normale Schulen und Indonesier leben Tür a Tür mit Niederländern ... Wenn die Veränderungen nicht in den Köpfen stattfinden, werden auch Reglementierungen nicht nutzen.
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