Nordirland Aktivistinnen verteilen Abtreibungspillen mit Mini-Roboter

In Nordirland gilt eins der schärfsten Abtreibungsgesetze Europas. Aktivistin Eleanor Crossey-Malone hat nun auf einer Demo für Frauenrechte zu ungewöhnlichen Maßnahmen gegriffen.

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Während die Iren am vergangenen Wochenende entschieden haben, Abtreibungen zu erlauben, gilt im Nachbarland Nordirland weiterhin eines der restriktivsten Gesetze Europas. Abtreibungen sind grundsätzlich illegal - nur, wenn durch Schwangerschaft und Geburt das Leben der Mutter gefährdet ist, darf diese abtreiben. Die Aktivistin Eleanor Crossey-Malone setzt sich für die Änderung des Gesetzes ein. Sie hat für die Gruppe "Rosa" eine Protestaktion in Belfast organisiert.

SPIEGEL ONLINE: Warum geben Sie kostenlos Abtreibungspillen an Frauen aus?

Eleanor Crossey-Malone: Hier in Nordirland darf man die Pillen zwar kaufen, wer sie aber einnimmt, um eine Schwangerschaft zu beenden, macht sich strafbar. Gerade erst hörte ich von dem Fall einer Mutter, die eine Pille für ihre 17-jährige schwangere Tochter besorgt hatte. Sie wurde zu drei Monaten Haft verurteilt. Der Arzt, bei dem sie um die Pille bat, muss ihr Anliegen der Polizei gemeldet haben.

Schwangerschaftsabbruch

SPIEGEL ONLINE: Was machen Frauen in Nordirland, wenn sie abtreiben wollen?

Crossey-Malone: Es ist Alltag, dass sich Frauen die Pille online bestellen und heimlich zu Hause abtreiben. Viele Frauen reisen auch nach Großbritannien, wo Abtreibungen schon lange legal sind. Das Gesetz wurde aber nie für Nordirland übernommen. Wir wollen das ändern. Denn nach aktueller Gesetzeslage werden Frauen kriminalisiert, nur weil sie darüber entscheiden, ob sie ein Kind haben wollen.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland dürfen Abtreibungspillen nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Stellt es ein Gesundheitsrisiko dar, wenn Sie die Pillen einfach so verteilen?

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Abtreibung: Protestaktion in Belfast

Crossey-Malone: Diese Pillen gelten als sicher, sie sind von der zuständigen EU-Behörde zugelassen. Außerdem sind wir bei unserer Aktion einen besonderen Weg gegangen. Wir haben mit der niederländischen Organisation "Women on Web" zusammen earbeitet, die Frauen online über eine sichere Abtreibung informiert. Mit ihrer Unterstützung konnten wir während der Aktion von den Niederlanden aus ärztliche Beratung für die Frauen anbieten. Die Pillen haben wir per Mini-Roboter verteilt, auch der wurde von den Niederlanden aus bewegt. So musste sich niemand strafbar machen.

SPIEGEL ONLINE: Wie verändert die Abstimmung über Abtreibungen in Irland die Situation in Ihrer Heimat?

Crossey-Malone: Einerseits stimmt sie mich hoffnungsvoll. 66,4 Prozent der Wähler haben sich in Irland für eine Legalisierung ausgesprochen, das war ein großer Sieg. Andererseits gilt Nordirland den Abtreibungsgegnern jetzt als letzte Hochburg in Europa. Nur Malta hat noch ein ähnlich striktes Gesetz wie wir. Uns fällt auf, dass die Abtreibungsgegner zunehmend fanatisch agieren. Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass sich bald etwas verändern wird.



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