Nordrhein-Westfalen: Schützenverband verbietet Auftritte schwuler Königspaare

Ein Schützenkönig darf gerne schwul sein, er darf seinen Lebenspartner aber nicht mit auf den Thron nehmen - so hat es der Schützenverband Nordrhein-Westfalen jetzt beschlossen. Stattdessen muss er eine Frau mit ins Amt führen, der "christlichen Tradition" wegen.

Schützenkönig Dirk Winter (r.) und Lebensgefährte: Künftig muss eine Frau dabei sein Zur Großansicht
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Schützenkönig Dirk Winter (r.) und Lebensgefährte: Künftig muss eine Frau dabei sein

Düsseldorf - Schützenkönige, die statt einer Königin einen Gemahl an ihrer Seite führen, wird es in Nordrhein-Westfalen künftig nicht mehr geben. So hat es der nach eigenen Angaben bundesweit größte traditionelle Schützenverband am Sonntag beschlossen. Zwar soll es weiterhin homosexuelle Schützenkönige geben, deren Partner soll den Thron aber nicht besteigen dürfen. Stattdessen soll der Regent mit einer "Ersatzkönigin" - etwa seiner Schwester oder einer Bekannten - bei offiziellen Anlässen erscheinen. Die Frau an der Seite eines solchen schwulen Schützenkönigs könnte dabei durchaus selbst homosexuell sein.

Zu dieser Entscheidung war es gekommen, nachdem Schützen aus Münster und Paderborn ein Verbot gleichgeschlechtlicher Schützenpaare beantragt hatten. Ihr Antrag war der letzte auf einer Liste von 15 Tagesordnungspunkten, die am Sonntag auf einer Versammlung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften abgearbeitet wurden.

Der 1925 gegründete katholische Bund zählt etwa 400.000 Mitglieder aus 1300 Bruderschaften in den fünf katholischen Bistümern in Nordrhein-Westfalen und dem Bistum Trier. Medienvertreter waren zu der Versammlung nicht zugelassen. Der Antrag wurde mit 450 Ja-Stimmen angenommen. 28 Mitglieder sprachen sich dagegen aus, 18 enthielten sich.

"Mit der christlichen Tradition der Bruderschaften nicht vereinbar"

Auslöser für die Debatte war der damals 44 Jahre alte Dirk Winter, der im Sommer 2011 bei der Bruderschaft St.-Wilhelmi-Kinderhaus in Münster aus einem Wettschießen als Schützenkönig hervorgegangen war. Als Schützenkönigin wählte er seinen Lebenspartner, was den Dachverband der Schützenvereine in NRW, eben den Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, aufbrachte. Am Ende einigten sich Verband und Königspaar auf einen Kompromiss: Beim Bundeskönigsschießen in Harsewinkel lief der Königsgemahl hinter dem Schützenkönig statt, wie sonst üblich, neben ihm.

"Das öffentliche Auftreten als gleichgeschlechtliches Königspaar oder Prinzenpaar ist mit der christlichen Tradition der Bruderschaften nicht vereinbar", heißt es in dem nun auf der Bundesvertreterversammlung beschlossenen Antrag. "Repräsentanten müssen durch ihr Auftreten zum Ausdruck bringen, dass sie die Grundsätze des christlichen Glaubens mittragen." Das Sakrament der Ehe habe eine wesentlich tiefere Bedeutung als jede andere Lebenspartnerschaft.

Der Schützenverband musste für sein Vorgehen heftige Kritik einstecken. Der Grünen-Politiker Volker Beck hatte von einer "Herabwürdigung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft als minderwertig" gesprochen. Der Sprecher des Schützenverbandes wies die Vorwürfe zurück. "Wir diskriminieren keine Homosexuellen", sagte er der Nachrichtenagentur dapd am Sonntag. "Wir halten uns an unsere enge Bindung an die katholische Kirche." Es gehe um die traditionelle Rolle von Mann und Frau.

mak/dpa/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 361 Beiträge
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1. den Vogel abgeschossen
cassandros 11.03.2012
Zitat von sysopDPAEin Schützenkönig darf gerne schwul sein, er darf seinen Lebenspartner aber nicht mit auf den Thron nehmen - so hat es der Schützenverband Nordrhein-Westfalen jetzt beschlossen. Stattdessen muss er eine Frau mit ins Amt führen, der "christlichen Tradition" wegen. Nordrhein-Westfalen: Schützenverband verbietet Auftritte schwuler Königspaare - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,820650,00.html)
Damit hat der Schützenverband den sprichtwörtlichen Vogel abgeschossen - noch bevor die Schützenfestsaison begonnen hat. Wenn die "Brüder" gegen den Beschluss Verfassungsbeschwerde einlegen, dürfte der Spuk ganz schnell vom Tische sein, denn das ist eindeutig grundgesetzwidrig. Wieso aber irgend jemand überhaupt bei so einer reaktionären Knalltütentruppe mitmachen will, erhellt sich mir sowieso nicht.
2. Christentum
tedric 11.03.2012
Könnten diese Verweise auf christliche Werte mal aufhören? Das sind keine christlichen Werte, sondern Interpretationen der katholischen Kirche von Werten, die schon lange vorher allgemeiner Konsens waren. Man sollte diese religiös Verwirrten lebensfeindlichen Menschen mal zurückweisen und ihnen keinen Raum mehr geben für ihre Propaganda. Jeder darf seinen Glauben haben, aber drückt ihn nicht anderen auf und kommt mir schon gar nicht mit "Leitkultur". Als Agnostiker schaut man da teilweise nur kopfschüttelnd zu, wie die Religionsvertreter seit Jahrzehnten und Jahrhunderten ihren persönlichen Krieg führen, der so gar nichts mit Religion zu tun hat, sondern nur mit Macht.
3.
bayrischcreme 11.03.2012
Zitat von sysopDPAEin Schützenkönig darf gerne schwul sein, er darf seinen Lebenspartner aber nicht mit auf den Thron nehmen - so hat es der Schützenverband Nordrhein-Westfalen jetzt beschlossen. Stattdessen muss er eine Frau mit ins Amt führen, der "christlichen Tradition" wegen. Nordrhein-Westfalen: Schützenverband verbietet Auftritte schwuler Königspaare - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,820650,00.html)
Tja, Männlein/Weiblein als Königspaar ist wohl schlicht was die Mehrheit der Vereins-Mitglieder wünscht. Ich sehe daran auch nichts verwerfliches. Die "Christliche Tradition" ist vermutlich eine Ausrede weil niemand sich traut die wahren Gründe offen auszusprechen.
4. Korrekt
Apologet 11.03.2012
Eine korrekte Entscheidung. Jeder kann und soll leben wie er will, hetereosexuell oder homosexuell. Freiheit ist Freiheit. Aber wer als Repräsentant einer Organisation auftritt, der sollte auch die Kultur dieser Organisation repräsentieren. Das gefällt vielen nicht, wenn es die christliche Kultur ist, zu der sich eine Organisation bekennt. Was ihr gutes Recht ist, denn das ist schließlich unser Verständnis von Freiheit. Deren Feuereifer konvergiert aber schnell gegen Null, wenn der Vorschlag kommt, man müsse den Moscheeverein zwingen, homosexuelle Imame einzusetzen. So wird also mit doppeltem Maß gemessen.
5. ...
amerlogk 11.03.2012
"Wir halten uns an unsere enge Bindung an die katholische Kirche." Wie wär's mit einer engen Bindung an unsere Verfassung?
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