Frankfurt an der Oder - Die höchste Hochwasser-Alarmstufe ist am deutschen Ufer der Oder wieder überall aufgehoben worden. Der südlich gelegene Landkreis Oder-Spree nahm die Stufe 4 - wie schon zuvor die Stadt Frankfurt an der Oder - am Montagabend zurück. Nun gilt fast überall am Fluss die Alarmstufe 3. Damit ist ein Wachdienst und der Einsatz von Deichläufern verbunden.
Der Scheitel der Oderflut bewegte sich unterdessen weiter flussabwärts - und die Deiche hielten dem Wasserdruck stand. Brandenburgs Innenminister Rainer Speer sagte in Potsdam, die Deiche seien "derzeit stabil". Speer zufolge waren am Montag nur noch etwa 800 Helfer an der Oder im Einsatz, statt 1.100 Einsatzkräfte wie am Wochenende. In den ersten Orten in Flussnähe begannen bereits Aufräumarbeiten.
Die Behörden zeigten sich jedoch besorgt wegen des Oderbruchs nördlich von Frankfurt, wo die Fluten aus der Warthe hinzukommen. Speer sagte, er rechne Mittwoch oder Donnerstag mit dem Eintreffen der Scheitelwelle der Warthe in der Oder.
Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, sagte zur Situation im Oderbruch: "Die Leute wohnen siebeneinhalb bis acht Meter tiefer als jetzt die Oderflut oben ist. Das ist die gefährlichste Stelle an der Oder. Wenn nicht überhaupt die gefährlichste Stelle von allen Flüssen in Deutschland." Im Oderbruch würden die hohen Alarmstufen noch etwa eine Woche aufrechterhalten. Die zahlreichen Deichläufer sowie die Helfer von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk müssten weiterhin im Einsatz bleiben.
"Ernsthafte Gefahrenlage"
Die Warthe könne derzeit nur langsam in die Oder abfließen und staue sich bis ins über 50 Kilometer von der Mündung entfernte Gorzow (Landsberg) zurück, erläuterte Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD). Durch den Rückstau und die sich auf Gorzow zubewegende Scheitelwelle der Warthe gebe es dort eine "ernsthafte Gefahrenlage". Nach Schmidts Angaben hat die Warthe vor der Mündung in die Oder einen Wasserstand von 5,35 Metern erreicht. Das seien 1,35 Meter über dem Alarmpegel. In Gorzow wird der Pegel nach Prognosen des Landesumweltamts bis Mittwoch noch um einen halben Meter steigen.
Auch an der Oder könne von Entwarnung keine Rede sein, sagte Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke). Derzeit wiesen die Oder-Deiche elf Sickerstellen auf. Probleme bereiten den Einsatzkräften die Biber. Fachleute hätten in den Deichen bisher 19 Biberbaue verstopft, sagte Tack. Ein Sprecher der Frankfurter Stadtverwaltung sagte, die Burgen der Biber seien überspült oder durch die Strömung mitgerissen worden. In ihrem Überlebenskampf versuchten die Tiere, in die Deiche zu flüchten. Dazu würden sie sich von der Wasserseite tief in die Schutzwälle graben. "Ein einzelner Biber kann so mehrere Kubikmeter Erde am Tag bewegen, ein vermeintlich sicherer Deich kann innerhalb eines Tages eine gefährliche Schwachstelle erhalten", sagte der Sprecher.
wit/apn/dpa/ddp
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