Österreich Ex-Bischof vergleicht Segen für Homosexuelle mit Segen für KZ

Der Münchner Kardinal Marx hatte die Segnung homosexueller Paare in Aussicht gestellt. Der österreichische Ex-Weihbischof Laun widerspricht - und wendet einen ungeheuerlichen Vergleich an, der selbst Glaubensbrüder fassungslos macht.

Andreas Laun (Foto von 2009)
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Andreas Laun (Foto von 2009)

Von , Wien


Es waren überraschende Worte, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Anfang Februar von sich gab: Die katholische Kirche befinde sich in einer Umbruchsituation, sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx dem bayerischen Radiosender B5. Stärker als bisher müsse in der Seelsorge daher die Lebensgeschichte jedes Einzelnen in den Blick genommen werden. So solle auch eine Segnung homosexueller Paare möglich sein - im Einzelfall. "Ich sehe da eigentlich keine Probleme", sagte Marx.

Damit folgte er dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der Ende Januar der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gesagt hatte, die "Ehe für alle" sei "nun politische Realität", auch wenn sie sich "eindeutig vom Eheverständnis der Kirche unterscheidet". Man müsse sich fragen, wie man diesen Menschen, die sich "zum Teil auch in der Kirche engagieren", begegne.

Segen für homosexuelle Paare? Bei erzkonservativen Geistlichen stoßen solche Überlegungen auf Widerstand. Zum Beispiel bei Andreas Laun, ehemals Weihbischof in Salzburg, seit Oktober 2017 im Ruhestand. Offensiver als er formuliert aber selten jemand seinen Standpunkt in der Sache.

"So zu reden ist inakzeptabel"

"Lieber Kardinal Marx und lieber Bischof Rode, es gibt nur eine katholische Antwort: Nein! Und eure Zufügung 'im Einzelfall' ist absolut wertlos, hat keine argumentative Kraft", schreibt Laun auf dem erzkonservativen Portal kath.net. Den Segen Gottes könne man zwar nicht nur für Menschen - "Heiligen und Sündern gleichermaßen" -, sondern auch für Gegenstände und Handlungen erbitten, nicht aber für die Sünde selbst.

Und dann holt er aus: "Also könnte man kein Bordell einweihen, kein KZ oder Waffen segnen, die nicht ausschließlich zur Jagd oder zur legitimen Verteidigung bestimmt sind. Darum ist klar, man darf auch nicht eine Verbindung segnen, die sündhaft ist, nicht die Mafia, keinen Segen für Vereinigungen oder Einrichtungen geben, die Abtreibung fördern und durchführen oder glaubensfeindliche Ideologien verbreiten, antisemitische Inhalte und andere Formen rassenfeindlichen Denkens."

Das mussten auch die Kirchenoberen erst einmal sacken lassen. Dass Laun eine homosexuelle Beziehung mit einem KZ vergleicht, löste auch innerhalb der katholischen Kirche Empörung aus. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn erklärte, es gehe "jedenfalls nicht an, den Wert gleichgeschlechtlicher Beziehungen in einem Atemzug mit der Mafia oder KZs zu nennen, wie dies leider gerade geschehen ist". Diese Dinge seien nicht vergleichbar. "So zu reden ist inakzeptabel", rügte Schönborn per Twitter.

Für ein generelles Abtreibungsverbot und FPÖ-Präsidentschaftskandidat Hofer

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner sagte, Launs Äußerungen machten betroffen. "Wortwahl und Vergleich sind gänzlich unangemessen." Es sei unverständlich, wie man "systematische Verbrechen gegen die Menschheit in irgendeiner Weise in Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Lebensformen bringen kann".

Dass Laun sich so äußert, kann kaum verwundern. Laun hatte schon in früheren Jahren vor einer "Homosexualisierung der Gesellschaft" gewarnt und erklärt, diese "Neigung" sei "heilbar". Schwule und Lesben nannte er einmal "gestörte Männer und Frauen". Er war auch durch andere umstrittene Positionen aufgefallen.

Beispielsweise sprach er sich für ein generelles Abtreibungsverbot aus, auch im Falle einer Vergewaltigung. Er sagte, ein Trauma könne "nicht durch ein zweites Trauma irgendwie aufgehoben oder geheilt" werden. Außerdem hatte er 2016 für die Wahl des Rechtspopulisten Norbert Hofer zum österreichischen Bundespräsidenten geworben, "aber nicht wegen dessen Parteizugehörigkeit, sondern wegen seiner Haltung, die mit der katholischen Lehre vereinbar ist".

"Ich habe doch niemanden beleidigt, um Gottes willen!"

Zu seiner aktuellen Äußerung sagt er nun dem SPIEGEL auf Nachfrage, er habe niemanden verletzen wollen. "Ich missachte keinen Menschen, der homosexuelle Neigungen hat. Diese Menschen können ja auch die Heilige Messe besuchen und gesegnet werden." Er sei aber gegen die Segnung der Sünde der homosexuellen Partnerschaft.

Was genau ist Sünde daran? Findet er es sündig, dass zwei Menschen sich lieben? Dazu sagt er nur: "Wen das interessiert, kann im Katechismus und in der Bibel nachschauen. Ich halte hierzu keine Vorlesung zur katholischen Lehre." Sollte er jemanden verletzt haben, so tue ihm das leid. Sehr einsichtig klingt er dabei aber nicht. Denn weiter sagt er: "In der Sache haben mir Kardinal Schönborn und Bischof Lackner mit keinem Wort widersprochen, oder?"

Bereut Laun seine Worte? "Ich weiß nicht genau, was ich bereuen soll. Ich habe doch niemanden beleidigt, um Gottes willen! Ich habe nur ausgesprochen, was die katholische Kirche nicht segnet. Ich habe drastische Vergleiche gewählt, ja. Die hysterische Reaktion ist mir aber unverständlich."



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