Bahnwerbung in Österreich FPÖ-Mann entschuldigt sich für Facebook-Entgleisung

Die österreichische Bahn wirbt mit einem schwulen Paar mit einem Kind im Arm, einer der Männer ist dunkelhäutig. Auf Facebook wird rassistisch und homophob gegen das Plakat gehetzt - auch ein FPÖ-Politiker mischt mit.

Werbeplakat der ÖBB
ÖBB

Werbeplakat der ÖBB

Von , Wien


Das Plakat steht an vielen österreichischen Bahnhöfen: Zwei Männer lächeln sich an, sie halten ein Kind im Arm. Einer der beiden Männer ist dunkelhäutig. Die Österreichischen Bundesbahnen, kurz: ÖBB, werben damit für ihre "Vorteilscard Family", eine Bahncard für "Mütter, Väter, Partner oder Freunde, die mit Kindern unterwegs sind", heißt es auf dem Bild.

Die Karte für 19 Euro, mit der bis zu vier Kinder unter 15 Jahren mit Erwachsenen ein Jahr lang mitfahren können, gibt es seit 2013. Mit der neuen Werbekampagne solle nun bekannt gemacht werden, dass auch Freunde die Kinder begleiten könnten, heißt es aus der Konzernzentrale der ÖBB in Wien. Man habe dafür unterschiedliche Motive ausgewählt, darunter jenes mit dem schwulen Paar. Damit wolle man "Vielfalt und Gleichberechtigung" zum Ausdruck bringen.

Aber wie zu erwarten, führt dieses Bild im Netz zu Kritik bis hin zu drastischen verbalen Entgleisungen. Manfred Pühringer, Gemeinderat in Linz und Mitglied der rechtspopulistischen FPÖ, teilt auf seiner Facebook-Seite ein Foto des Plakats und kommentiert es mit den Worten: "Ist doch schön oder?" Sichtbar ist es für seine mehr als 2300 Facebook-Freunde. Darunter folgt eine rassistische und homophobe Tirade. "Einfach nur krank" ist eine der harmloseren Meinungen.

Dabei lassen nicht nur unbekannte Internetnutzer ihrem Hass freien Lauf. Auch der FPÖ-Politiker Bruno Weber, Stadtrat in Amstetten, lässt sich zu einem Kommentar hinreißen: "Meine ÖBB Vorteilsçard werde ich nun definitiv nicht verlängern" schreibt er und kündigt an, künftig stattdessen die private Westbahn zu nutzen. Und dann: "Das ist doch nicht normal! 2 vermeintliche Schwuchteln m Baby und davon noch ein Neger. Mir graust…..."

Entschuldigung und Spende

Weber ist kein Nobody in Österreich, sondern Funktionär der Arbeiterkammer Niederösterreich und Vorstandsmitglied der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse. Sein Kommentar spiegelt die ablehnende bis hasserfüllte Haltung gegenüber allem Ungewöhnlichen, Fremden und Andersartigen wieder, die in Österreich in manchen Teilen der Gesellschaft anzutreffen ist. So hatte am Dienstag die Entscheidung einer Behörde Aufsehen erregt, die einem Flüchtling aus Afghanistan seine Homosexualität absprach, weil der Mann nicht den Klischees eines Schwulen entsprach.

Die ÖBB sind vielen FPÖ-Anhängern schon seit langem verhasst, weil das staatliche Unternehmen in ihren Augen ein "roter Verein" ist. Tatsächlich wurde ÖBB-Chef Christian Kern 2016 Bundeskanzler und Chef der sozialdemokratischen SPÖ, heute ist er Oppositionsführer.

Die FPÖ-Bundespartei in Wien teilte auf Anfrage des SPIEGEL mit, sie kommentiere die Aussagen über das Plakat nicht. Wenn, sei das Sache der FPÖ in Niederösterreich, sagt FPÖ-Sprecher Lukas Brucker. Aber auch dort sieht man offensichtlich keinen Handlungsbedarf.

Die Seite "FPÖ Fails" schreibt über die verbalen Entgleisungen und dokumentiert sie, auch die Tageszeitung "Standard" berichtet darüber. Viele Menschen kritisieren Weber, Pühringer und die FPÖ für diese Debatte in den sozialen Medien. Weber selbst hat bislang nicht auf eine schriftliche Anfrage des SPIEGEL reagiert.

Der öffentliche Druck zeigt jedoch Wirkung: Am Donnerstagmittag veröffentlichte Weber eine Entschuldigung. "Meine Reaktion auf das am Dienstag hier in Facebook gepostete ÖBB-Werbeplakat war meinerseits unangebracht und aufgrund der verwendeten Begriffe inakzeptabel! Als konservativer Mensch und Familienvater ist mir das traditionelle Familienbild einfach wichtig", schreibt er.

Eine Diskussion über das "Adoptionsrecht für schwule oder lesbische eingetragene Partnerschaften" müsse "geführt werden dürfen", allerdings "selbstverständlich auf sachlichem Niveau".

Vielleicht meint er damit, dass er künftig seinen Rassismus und seine Homophobie besser unter Kontrolle halten wolle. Als Wiedergutmachung kündigt er eine Spende über 1500 Euro an, für einen gemeinnützigen Verein, der sich für in Not geratene Kinder einsetzt.

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