Oktoberfest 2017 Streit um Bierpreis auf der Wiesn eskaliert

Ein Höchstpreis von 10,70 Euro für die Maß - und eine zusätzliche Umsatzpacht, um die Sicherheit auf der Wiesn zu bezahlen: Zwischen der Münchner Stadtverwaltung und den Wirten tobt angesichts dieser Pläne Streit.

Besucher auf dem Oktoberfest
REUTERS

Besucher auf dem Oktoberfest


Beim Bier hört in München der Spaß auf. Als 1995 die Biergärten nach einer Gerichtsentscheidung früher schließen sollten, gingen 25.000 Menschen auf die Straßen, der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber konnte mit einer Verordnung eine Eskalation gerade noch abwehren. Legendär ist auch die Münchner Bierrevolution von 1844, als nach viertägigen Krawallen König Ludwig I. eine von ihm angeordnete Bierpreiserhöhung wieder zurücknehmen musste. An dieser Emotionalität von Auseinandersetzungen um den Bierpreis hat sich auch 2017 nur wenig geändert.

Aktuell spitzt sich der Streit um eine Deckelung des Bierpreises auf dem Oktoberfest in München zu. Der Wiesn-Chef und zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) sagte ein für Mittwoch geplantes Gespräch mit den Wirten zunächst ab. Anlass waren Äußerungen des Wirtesprechers Toni Roiderer. Roiderer hatte unter anderem dem Wirtschaftsreferenten in der Münchner "Abendzeitung" vorgeworfen, despotisch zu sein.

"Als Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft geht es mir vor allem darum, eine sachliche und ernste Diskussion zur Reform des Münchner Oktoberfestes zu führen", teilte Schmid nun mit. "Mit persönlichen Angriffen auf mich als Repräsentant der Landeshauptstadt München hat der Wirtesprecher diese Basis verlassen."

Wirtesprecher Roiderer: "Aus dieser Sackgasse herauskommen"

Besonders schürte den Zwist offenbar, dass Roiderer den Wiesn-Chef laut dem Bericht einen Komiker nannte. Roiderer distanzierte sich nun von dieser Äußerung.

Umstritten ist der Maßpreis, den Schmid für drei Jahre bei 10,70 Euro deckeln will - dem Höchstpreis des Vorjahres. Darüber hinaus will Schmid die Wirte künftig aber statt mit einer Platzmiete mit einer Umsatzpacht zur Kasse bitten. Davon erhofft er sich Mehreinnahmen in Millionenhöhe, mit denen er die geschätzt fünf Millionen Euro Ausgaben für Sicherheit angesichts der Terrorgefahr bezahlen möchte.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte seinen Stellvertreter erst vergangene Woche dazu verdonnert, den Konflikt mit den Wiesn-Wirten rasch zu lösen. Schmid solle unverzüglich alle Beteiligten zu einem sachlichen Gespräch an den Tisch zu holen. "Die Art und Weise der derzeit ausschließlich über die Medien geführten Auseinandersetzung ist unwürdig, nicht zielführend und schadet dem Ansehen der Stadt München", sagte Reiter.

Roiderer und Schmid rauften sich am Dienstag offenbar vorerst wieder zusammen. Der Wirt schrieb dem Verwaltungsbeamten. Dieser habe dem Treffen daraufhin wieder zugestimmt: "Ich gehe davon aus, dass ich nun meine Vorschläge für die notwendige Reform des Oktoberfestes im gebotenen sachlichen Rahmen erläutern kann."

Für Roiderer geht es dagegen weiter darum "wie wir aus dieser Sackgasse herauskommen". Um den Wirten entgegenzukommen schlug Schmid vor, die Wiesn um einen Tag zu verlängern. Der Wirtschaftsausschuss will im Mai über die Pläne entscheiden.

apr/AFP/dpa

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