Brandkatastrophe von Backnang: Opfer in Anatolien bestattet

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Bestattung der Opfer von Backnang: "Heute gibt es in der Türkei große Trauer"

Trauer in der Türkei: Die acht Opfer der Brandkatastrophe von Backnang sind in ihrer Heimat beerdigt worden. Gleichzeitig sorgt die erneute Obduktion der Leichen für Misstöne zwischen Ankara und der Landesregierung in Baden-Württemberg.

Istanbul/Backnang - Drei Tage nach der Brandkatastrophe von Backnang sind die acht Opfer nach einer erneuten Obduktion in der Türkei bestattet worden. "Heute gibt es in der ganzen Türkei große Trauer", sagte der türkische Vizeregierungschef Bekir Bozdag, der mit mehreren hundert Trauergästen an der Beerdigungszeremonie in der westanatolischen Stadt Afyonkarahisar teilnahm.

Eine aus der Region stammende 40 Jahre alte Mutter und sieben ihrer zehn Kinder waren am Sonntag bei dem Feuer in einem Wohnhaus ums Leben gekommen. Ursache des Brandes war vermutlich ein technischer Defekt.

Bozdag verteidigte die erneute Untersuchung der Leichen gegen Kritik aus Deutschland. Der Politiker habe die Obduktion als Routineangelegenheit bezeichnet, die vom Gesetz vorgeschrieben sei, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. "Das ist keine Autopsie wegen fehlenden Vertrauens, es ist eine Autopsie aus Notwendigkeit", sagte er. Ein Ergebnis der Obduktion teilten die türkischen Behörden nicht mit.

Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) hatte dieses Vorgehen kritisiert: Das fehlende Vertrauen der türkischen Seite in die Ermittler belaste das Verhältnis zu Deutschland. Die zusätzliche Obduktion "dient nicht der Totenruhe, aber auch nicht dem gegenseitigen Vertrauen", sagte die türkischstämmige Politikerin.

Zu der Trauerzeremonie war auch ein Vertreter der Deutschen Botschaft nach Afyonkarahisar angereist. "Bundeskanzlerin Angela Merkel ist über diese furchtbare Katastrophe zutiefst erschüttert. Sie hat keinen Zweifel daran gelassen, dass die zuständigen Stellen nicht ruhen werden, bis die Brandursache aufgeklärt ist", hieß es in einer von der Botschaft verbreiteten Presseerklärung.

Suche mit dem "Schäufele"

Nach Angaben der deutschen Behörden waren weitere Verwandte der toten Kinder mit in die Türkei gereist. Der Vater hatte sich vor kurzem eine separate Wohnung genommen und war deshalb während des Brandes nicht im Haus.

Ein Polizeisprecher berichtete, Spezialisten der Polizeidirektion Waiblingen und des Landeskriminalamtes seien mit dem "Schäufele" dabei, den Schutt nach Hinweisen auf die Brandursache zu untersuchen. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, sei noch nicht abzusehen. Über Resultate werde so schnell wie möglich informiert.

Die transparente Arbeit der Polizei hat nach Einschätzung des Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg deeskalierend gewirkt. "Ich denke, wir haben gemeinsam erreicht, dass es keine Eskalation gab", sagte Gökay Sofuoglu der "Berliner Zeitung". In der türkischen Gemeinschaft sei die Stimmung nach dem Großbrand angespannt gewesen, weil manche einen rechtsextremen Hintergrund vermutet hätten. Einige hätten "überlegt, wie sie sich wehren könnten".

Der im Ausland weilende Vermieter sei über Angehörige von dem Unglück in seinem Haus informiert worden, sagte der Polizeisprecher. Gegen ihn waren von der betroffenen Familie schwere Vorwürfe wegen maroder Elektrik erhoben worden. Diese sei trotz mehrfacher Mahnungen nicht repariert worden. Der Polizeisprecher sagte dazu: "Es gibt momentan noch keine Vorwürfe der Ermittlungsbehörden." Die Wohnung hatte sich die Familie laut Landratsamt im Jahr 2010 selbst gesucht.

Die Stadt Backnang plant nach Angaben ihres Sprechers weder eine eigene Trauerfeier, noch will sie ein Kondolenzbuch auslegen.

rls/dpa

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