Optimisten-Vereinigung Immer schön positiv

Es kann nur besser werden! Luc Simonet ist Gründer der Organisation "Optimisten ohne Grenzen". Der Verein will Menschen zu Begeisterungsfähigkeit, Wagemut, Brüderlichkeit verhelfen. Und? Na klar kann das funktionieren!

Corbis

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Brüssel - Den Club, in dem sie auf Gleichgesinnte treffen, verdanken die Optimisten einem verregneten Tag in der Toskana. 2005 machte Luc Simonet aus Belgien dort mit seiner Familie Urlaub. Seine Tochter motzte über das Regenwetter. Simonet versuchte, sie aufzuheitern: "Sag' nicht: 'Scheiße, es regnet.' Sag' lieber: 'Was für ein schöner Regentag.'"

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Heft 1/2012
Zwischen Zuversicht und Schönfärberei

Simonet war von seinem Kalenderblatt-Spruch so angetan, dass er ihn nach dem Urlaub auf Regenschirme drucken ließ. Die Geschichte erzählte er auch bei der Siegerehrung eines Golfturniers, an dem er teilgenommen hatte. Das Publikum reagierte angeblich so positiv, "dass ich am Tag danach begonnen habe, die Satzung für die Liga der belgischen Optimisten zu schreiben".

Im November 2005 gründete er den Club. Seitdem steht der 58-Jährige jeden Tag angeblich mit dem Vorsatz auf, "das Beste daraus" zu machen. Und seitdem arbeitet der Anwalt ehrenamtlich für die Sache der Optimisten: Er ließ Anzeigen schalten und während einer Regierungskrise eine mit "Belgien, Königreich der Optimisten" beschriftete Straßenbahn durch Brüssel fahren. Täglich erreichten ihn daraufhin Hunderte E-Mails.

"Optimismus bedeutet nicht, immer Spaß zu haben"

"Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass es so erfolgreich sein würde. Da habe ich mir gedacht, es ist an der Zeit, eine internationale Vereinigung zu gründen." 2008 war es soweit, Simonet startete "Optimisten ohne Grenzen" (OOG). "Ohne Grenzen" ist derzeit noch sehr optimistisch formuliert.

Bisher gehören zum Dachverband lediglich fünf nationale Organisationen - aus Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und Benin. In der Schweiz, Spanien und Mauretanien sind laut Simonet weitere Organisationen geplant.

Wer Simonet nach einer Definition von Optimismus fragt, wird enttäuscht. Er betrachtet die Welt auf eigenwillige Art: gleichmütig, distanziert, möglichst neutral, stoisch, ohne Lamentieren oder Zynismus.

"Optimismus bedeutet nicht, immer Spaß zu haben. Es bedeutet, seinem Leben mehr Sinn zu verleihen. Dadurch wird das Leben besser, weil man nicht das Gefühl hat, dass es absurd ist." Optimisten akzeptierten Resignation und Fatalismus nicht, sondern wollten etwas verändern - aber nicht missionieren.

Stau als Chance, nicht als Ärgernis

"Ich versuche nicht, Pessimisten oder Zyniker zu überzeugen", sagt Simonet. Er meide sie, das klappe ganz gut. Wer sich entschieden habe, das Leben positiv zu betrachten, ziehe automatisch eher zuversichtlich als negativ denkende Leute an.

Und was ist mit der Finanzkrise? "Ich bin dank der Krise ein Optimist. Sie ist für mich ein Zeichen, dass wir alle nicht verrückt sind, dass es ein kollektives Bewusstsein dafür gibt, dass sich Dinge verändern müssen", sagt Simonet. Nach der Krise werde die Welt besser sein als vorher.

Was ist mit Umweltkatastrophen? "Sie erinnern uns daran, dass wir mit der Welt sorgsamer umgehen müssen."

Hat er keine persönlichen Probleme? Vor einigen Jahren verlor Simonet bei einem miesen Investment nach eigener Aussage viel Geld. Das habe sich für ihn als sehr gut erwiesen. Es habe ihm gezeigt, was wichtig und was unwichtig sei: "Ich kann immer die Entscheidung treffen, positiv zu denken - selbst wenn ich ein großes Problem zu lösen habe."

Stau auf der Autobahn? "Ich könnte 'So eine Scheiße' oder 'Okay, jetzt habe ich ein bisschen Zeit zum Entspannen' sagen." Simonet wählt - natürlich - die zweite Variante.

Dennoch: Die Krise bleibt eine Krise, ein Erdbeben ein Erdbeben, ein Minusgeschäft ein Minusgeschäft und ein Stau ein Stau. Wo ist der Unterschied zwischen Optimismus und Schönfärberei, wenn schon das Logo der OOG - ein rosaroter Erdball mit einem stilisierten lächelnden Mund davor - auf Schönfärberei hindeutet? "Optimismus muss mit der Realität verknüpft sein", sagt Simonet. "Er ist aber realistischer als Pessimismus."

"Kein Guru sein"

Das mag für einen Mitteleuropäer ohne existentielle Sorgen gelten. Aber ist der Ansatz nicht reichlich wirklichkeitsfern?

Natürlich sei das Leben einfacher, wenn man genug habe, sagt Simonet. Aber Glück sei keine Frage des Reichtums. "Ich habe in Afrika die Erfahrung gemacht, dass die Leute viel glücklicher zu sein scheinen, als wir es sind." Bei Sätzen wie diesen wirkt Simonets Aussage, er wolle mit OOG "kein Oberlehrer" sein, etwas seltsam.

Mit seiner Einstellung mag Simonet das Leben angenehmer finden als andere. Von gewissen Zwängen kann sie ihn aber auch nicht freimachen. Er will zwar "kein Guru sein", peilt aber mit der der belgischen Optimistenliga 10.000 Mitglieder an, langfristig sollen es noch deutlich mehr werden. Irgendwann wird die Organisation bezahlte Mitarbeiter brauchen. "Ich werde nur schwer Verrückte wie mich finden, die 75 Stunden in der Wochen kostenlos arbeiten."

Man kann davon ausgehen, dass Simonet optimistisch ist, jemanden zu finden.

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