"Kinder des Regenbogens" Zehntausende Norweger singen Lied gegen Breivik

Mit bunten Regenschirmen, Rosen und norwegischen Flaggen zogen sie los: Rund 40.000 Menschen haben sich in Oslo zu einem Protest gegen Anders Breivik versammelt. Die Menschenmasse sang ein dem Attentäter verhasstes Volkslied.

AP / Scanpix

Oslo - Zehntausende Menschen kamen am Donnerstag in Oslo auf einem Platz in der Nähe des Gerichtsgebäudes zusammen, in dem sich der norwegische Attentäter Anders Breivik wegen 77-fachen Mordes verantworten muss. Viele der Menschen trugen bunte Regenschirme und Regenjacken sowie Rosen und norwegische Flaggen. Sie brachten ihren Protest gegen den Rechtsextremisten zum Ausdruck, indem sie das Lied "Kinder des Regenbogens" von Lillebjoern Nilsen anstimmten.

Das Lied, eine Adaptation des Lieds "My Rainbow Race" des US-Folksängers Pete Seegers, ist sehr beliebt in Norwegen. Breivik hatte Nilsen vor Gericht als "sehr gutes Beispiel eines Marxisten" bezeichnet, der die Kulturszene infiltriert habe und mit seinen Liedern norwegische Schüler einer "Gehirnwäsche" unterziehe.

Zwei Norweger starteten daraufhin auf Facebook eine Kampagne, um das Lied wieder "zurückzuerobern". "Ich hatte das Gefühl, dass er auf einem Lied herumtrampelte, mit dem ich aufgewachsen war, und das ich meinem Kind vorsinge", sagte eine der Initiatoren, Lill Hjoennevaag, dem Fernsehsender NRK.

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Singender Protest in Oslo: Rosen und ein Lied vom Regenbogen
Der Refrain lautet: "Zusammen werden wir, Brüder und Schwestern, als kleine Kinder des Regenbogens und der grünen Erde leben." Das Lied handele nicht in erster Linie von Menschen, sondern vom Schutz der Umwelt, sagte Nilsen, der die Aktion am Donnerstag selbst anführte.

Breivik muss sich derzeit vor Gericht wegen der Anschläge in Oslo und Utøya am 22. Juli 2011 mit insgesamt 77 Toten verantworten. Am Donnerstag sagten bei der Verhandlung mehrere Überlebende der Anschläge aus. Am Mittwoch hatte Breivik zu dem Gutachten zu seinem Geisteszustand Stellung genommen. "Ganz Norwegen weiß, dass ich nicht verrückt bin", sagte er.

Die Frage nach dem Geisteszustand Breiviks ist im Prozess von großer Bedeutung und hat entscheidenden Einfluss darauf, ob er seine Strafe in einem Gefängnis oder in einer psychiatrischen Klinik verbüßen muss.

siu/dpa



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insgesamt 99 Beiträge
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alexbln 26.04.2012
1.
tolle aktion. genaus das richtige für diesem wahnhaften schwachkopf
mamasliebling 26.04.2012
2. Da können wir etwas lernen
Die Norweger sind ein Volk, dass mich fasziniert. Friedlich demonstrieren sie gegen so einen Irren. In Deutschland hätte man vermutlich mit hau drauf reagiert. Liebe Norweger vielen Dank für dieses tolle Vorbild!
Fackus 26.04.2012
3. idiotisch
Zitat von sysopAP / ScanpixMit bunten Regenschirmen, Rosen und norwegischen Flaggen zogen sie los: Rund 40.000 Menschen haben sich in Oslo zu einem Protest gegen Anders Breivik versammelt. Die Menschenmasse sang ein dem Attentäter verhasstes Volkslied. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,829967,00.html
Der ganze Medienrummel ist doch eh schon im Sinne Breiviks. Und nun noch eins draufgesetzt. Idiotisch. Das wird dem sowas von egal sein, was da gesungen wird - aber es gibt wieder Medienpräsenz. Das ist wie beim Marketing - auch Negativreklame ist Reklame. Hauptsache das Produkt kommt in die Schlagzeilen. Einen grösseren Gefallen könnte man Breivik kaum tun. So wird dem das Lied sogar noch gefallen. Egal, wer diese Aktion organisiert hat - viel gedacht haben die dabei nicht.
nixkapital 26.04.2012
4. ...
Zitat von FackusDer ganze Medienrummel ist doch eh schon im Sinne Breiviks. Und nun noch eins draufgesetzt. Idiotisch. Das wird dem sowas von egal sein, was da gesungen wird - aber es gibt wieder Medienpräsenz. Das ist wie beim Marketing - auch Negativreklame ist Reklame. Hauptsache das Produkt kommt in die Schlagzeilen. Einen grösseren Gefallen könnte man Breivik kaum tun. So wird dem das Lied sogar noch gefallen. Egal, wer diese Aktion organisiert hat - viel gedacht haben die dabei nicht.
...ich denke auch, dass man ihn einfach schweigend übergehen sollte. Warum wird ihm noch eine Bühne geboten?
Alfrid 26.04.2012
5.
1. Der Mann heisst nicht Pete Seegers, sondern Pete Seeger. 2. Sicherlich nicht zufällig saß er wegen seiner kommunistischen Umtriebe in den USA im Knast. Kann mich auch noch gut erinnern, wie er das SED-Regime bis zuletzt mit seinen Auftritten in der DDR unterstützte. 3. Ein "Volkslied" ist etwas anderes als ein Folksong.
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