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Ostafrika: Auf die Dürre folgt das Regen-Chaos

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Mehr als eine Million Menschen sind auf der Flucht, Hunderttausende weitere vom Hunger bedroht: In Ostafrika gelten die Zahlen schon als Verbesserung der Lage. Die lang ersehnte Regenzeit lindert die Folgen der Dürre aber kaum - sie schafft neue Probleme.

Ostafrika: Kampf gegen Hunger und Regen Fotos
AFP

Hamburg - Die Lage in Ostafrika lässt sich in fünf Farben zusammenfassen. Grau, Gelb, Orange, Rot und Braun. Mit diesem Spektrum beschreibt das Hungersnot-Frühwarnzentrum Fews-Net auf seiner Website, in welchen Gebieten die Menschen nicht genug Lebensmittel zur Verfügung haben. Grau steht für Stufe 1 ("Keine oder minimale Unsicherheit"), Braun für Stufe 5 ("Katastrophe/Hungersnot").

Am Horn von Afrika gibt es keine grau eingefärbten Gebiete. In Somalia ist die Lage am schwierigsten. Dort sind große Landesteile rot markiert, die Farbe für "Notfall" - und ein Küstenstreifen von etwa 200 Kilometern Länge, an den die Hauptstadt Mogadischu grenzt, sogar braun. In den Nachbarländern Äthiopien und Kenia, die die meisten Flüchtlinge aus Somalia aufnehmen, ist die Situation etwas besser, aber keinesfalls entspannt. Hier überwiegen Gelb und Orange.

"Vor einem Monat haben wir befürchtet, dass die Situation schlimmer wird", sagt Elhadj As Sy, Regionaldirektor für Ost- und Südafrika beim Uno-Kinderhilfswerk Unicef im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er ist Leiter der Unicef-Nothilfe für Ostafrika. "Wir haben die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt, sondern massiv interveniert", sagt Sy. Im Vergleich zum Sommer, als etwa 13 Millionen Menschen von der Hungersnot bedroht waren, habe sich die Lage etwas entspannt. Allerdings seien im Krisengebiet noch immer schätzungsweise 320.000 Kinder so stark ausgezehrt, dass sie die kommenden Monate ohne Hilfe von außen nicht überstehen könnten.

"Wenn der Regen kommt, kommt die Malaria"

"Wir haben uns schon um mehr als 110.000 unterernährte Kinder gekümmert", sagt Sy, "die wären ohne Hilfe gestorben." Zudem habe man etwa 100.000 Haushalte mit Lebensmitteln versorgt. Sys Botschaft: "Die Hilfe ist angekommen, und man sieht Resultate."

Das mag sein. Aber auch die Probleme sind deutlich sichtbar.

"Im Nordwesten Kenias sind noch immer 30 Prozent der Kinder unterernährt", sagt Magdalena Kilwing im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die 32-Jährige ist Programmkoordinatorin der Johanniter für Kenia und seit sechs Monaten vor Ort. Die Hilfsorganisation kümmert sich nicht um Flüchtlinge, sondern um die Einwohner im Nordwesten des Landes. Die Helfer behandeln in mobilen Kliniken monatlich Tausende Personen in Gegenden, wo es sonst keine medizinische Versorgung gibt. "Dort leben Nomaden mit Viehherden", sagt Kilwing. "Durch die Dürre haben sie viele Tiere verloren." Deswegen hätten sie kein Geld, Lebensmittel zu kaufen. "Und von dem bisschen Regen kommt die Herde auch nicht zurück."

Paradoxerweise führt das, was lange Zeit fehlte, nun zu neuen Problemen: Wasser. Vor einem Monat begann die Regenzeit. "Wenn der Regen kommt, kommt die Malaria", sagt Sy, "vor allem in Gegenden, wo viele Menschen sind." Man versuche der Gefahr mit Medikamenten, Moskitonetzen und einem Larvenkontrollprogramm vorzubeugen. "Es gibt unglaublich viele Malariafälle", sagt auch Kilwing. Zudem seien Atemwegserkrankungen und Durchfall durch den Regen weit verbreitet, im weltgrößten Flüchtlingslager Dadaab würden Latrinen überschwemmt. Allein in Dadaab habe es etwa 60 Fälle gegeben. "Das ist aber unter Kontrolle und keine Epidemie", sagt Sy.

Verteilung der Hilfsgüter ist ein logistischer Alptraum

Der Regen erschwert auch die Verteilung von Hilfsgütern, weil Straßen zu unpassierbaren Schlammpisten werden. Im Februar, hofft Sy, werde sich der Niederschlag auszahlen - mit einer Ernte, die das Hungerproblem entschärft. Das wäre enorm wichtig in Somalia, das schon lange den Großteil seiner Lebensmittel importiert, derzeit sogar fast alle. Allerdings machten hohe Benzinkosten den Transport teuer - "selbst wenn die Kornpreise sinken", sagt Kilwing.

So wird eine dauerhafte Verbesserung in kurzer Zeit kaum zu erreichen sein. Weil es keine Möglichkeit gibt, das Wasser zu speichern, wird das Vieh weiter wegsterben. Bauern werden immer noch aus Verzweiflung Saatgut und Werkzeuge verkaufen. Kombiniert mit Korruption vor Ort sowie den ständigen Kämpfen wird die Verteilung von Medikamenten und Lebensmitteln ein logistischer Alptraum.

"In Teilen Nordkenias ist die Sicherheit so schlecht, dass man dort kaum noch hinfahren kann. Viele der Nomaden besitzen Maschinengewehre, mit denen sie ihre Herden verteidigen und selbst auf Viehdiebstahl gehen", sagt Kilwing. Auch im Lager Dadaab gebe es ein massives Sicherheitsproblem. "Es gab Anschläge auf Uno-Konvois, vermutlich von somalischen Milizen."

Besonders betroffen sind Kinder, Frauen und ältere Leute

Anderthalb Millionen Menschen sind laut Unicef innerhalb Somalias auf der Flucht. Im Sommer verließen teilweise mehr als 3000 Personen pro Tag das Land, noch immer machen sich täglich 500 Flüchtlinge auf den Weg. Dass der Flüchtlingsstrom abgeebbt ist, wollen aber weder Sy noch Kilwing als Zeichen der Entspannung werten. "Heißt das, dass weniger Leute in Not sind? Oder dass weniger Leute die Möglichkeit haben, zu fliehen? Das wissen wir nicht", sagt der Unicef-Mitarbeiter.

Die Regenzeit habe einfach die Routen schwer passierbar gemacht, sagt Kilwing. Zudem sei die Zahl der Flüchtlinge seit dem Einmarsch Kenias in Somalia zurückgegangen. Offiziell will die Armee die islamistischen Schabab-Milizen bekämpfen - viele sehen in der Aktion allerdings einen Winkelzug im Kampf um die Vorherrschaft in der Region.

Wie sich Regen, Kämpfe und Hilfsbemühungen konkret auswirken, lässt sich auf der Fews-Net-Website ablesen, in der Rubrik "Mittelfristige Aussichten". Die Prognosen für das erste Quartal 2012 sind beunruhigend. Der braune Fleck ("Katastrophe/Hungersnot") in Somalia ist auf der Karte zwar verschwunden. Doch die rot eingefärbten Gebiete ("Notfall") wachsen - und tauchen in der Prognose auch im Nachbarland Äthiopien auf.

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1. Hmm
hanspeter.b, 24.11.2011
Zitat von sysopMehr als eine Million Menschen sind auf der Flucht, Hunderttausende weitere vom Hunger bedroht: In Ostafrika gelten die Zahlen schon als Verbesserung der Lage. Die lang ersehnte Regenzeit lindert die Folgen der Dürre aber kaum - sie schafft neue Probleme. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,799512,00.html
Nüchtern betrachtet sind weder die lange Dürre noch der jetzige Regen die eigentliche Ursache der Krise. Die Ursachen sind Überbevölkerung und die Unfähigkeit der Staaten dieser Region eine halbwegs funktionierende Verwaltung aufzubauen. Insofern können durch Lebensmittel-Lieferungen zwar Menschen vor dem akuten hungertod bewahrt werden, aber die Probleme werden so garantiert nicht gelöst. Nächstes Jahr kommt dann die nächste Hungersnot.
2. Nüchtern betrachtet wären über ine JAhr Dürre bei uns auch zivilisationszersetzend
Koda 24.11.2011
Zitat von hanspeter.bNüchtern betrachtet sind weder die lange Dürre noch der jetzige Regen die eigentliche Ursache der Krise. Die Ursachen sind Überbevölkerung und die Unfähigkeit der Staaten dieser Region eine halbwegs funktionierende Verwaltung aufzubauen. Insofern können durch Lebensmittel-Lieferungen zwar Menschen vor dem akuten hungertod bewahrt werden, aber die Probleme werden so garantiert nicht gelöst. Nächstes Jahr kommt dann die nächste Hungersnot.
Da hlift auch keine Verwaltung oder der Hinweis auf Überbevölkerung. Man könnte auch eine andere Frage aufwerfen: wenn wir nur durch Importe in der Lage sind, im Winter auf Früchte zurückgreifen zu können, sind wir dann nicht auch überbevölkert? Und wenn es in Kenia luktrativer ist, Schnittblumen an zupflanzen und nach Europa zu verkaufen, nur damit ein Würstchen von Ehemann oder schwanzgesteuertem Liebhaber seiner Angebeteten zum Valentinstag ein Bouqet darbringen kann während gleichzeitig im selben Land -nur 600 km weiter- Menscnen verhungern, wie weit ist es dann auch nicht mehr weit vom Verfeuern von Nahrungsmittel (siehe nachwachsende Rohstoffe für die Stromzerzeugung)?
3. Titel
McBline 24.11.2011
Zitat von sysopMehr als eine Million Menschen sind auf der Flucht, Hunderttausende weitere vom Hunger bedroht: In Ostafrika gelten die Zahlen schon als Verbesserung der Lage. Die lang ersehnte Regenzeit lindert die Folgen der Dürre aber kaum - sie schafft neue Probleme. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,799512,00.html
Bitte, nicht schon wieder! Afrika verhungert und verhungert und verhungert... Das seit zig Jahren und es ist noch immer kein Ende abzusehen (vom Hunger oder von der Bevölkerung). Man würde doch meinen, nach all den Jahren müsste die Bevölkerung so klein werden, dass sogar die unwirtlichste Wüste sie ernähren kann. Aber nein - Afrika ist ein Wunderkontinent: die Bevölkerung wird vom Massensterben nicht kleiner, sondern größer. Was natürlich zur nächsten Hungerkatastrofe führt...
4. *
günter1934 24.11.2011
Wir hatten in diesem Jahr auch eine "Dürre" in Südfrankreich. das nennt sich "la grande sècheresse" Und irgendwie gibt es das jedes Jahr. Aber Ende Oktober hats dann geregnet wie die Sau, 450 mm in 3 Tagen. In den Cévennen auch nicht ungewöhnlich. Da könnte man 2 Sensationsmeldungen draus machen, oder hat sie auch draus gemacht. Ist aber normal.
5. Falsch
hanspeter.b, 24.11.2011
Zitat von KodaDa hlift auch keine Verwaltung oder der Hinweis auf Überbevölkerung. Man könnte auch eine andere Frage aufwerfen: wenn wir nur durch Importe in der Lage sind, im Winter auf Früchte zurückgreifen zu können, sind wir dann nicht auch überbevölkert? Und wenn es in Kenia luktrativer ist, Schnittblumen an zupflanzen und nach Europa zu verkaufen, nur damit ein Würstchen von Ehemann oder schwanzgesteuertem Liebhaber seiner Angebeteten zum Valentinstag ein Bouqet darbringen kann während gleichzeitig im selben Land -nur 600 km weiter- Menscnen verhungern, wie weit ist es dann auch nicht mehr weit vom Verfeuern von Nahrungsmittel (siehe nachwachsende Rohstoffe für die Stromzerzeugung)?
Obs nun hilft oder nicht, weiss ich nicht. Es ist jedenfalls eine Tatsache. Vollkommener Unsinn. Unser Land ist duchaus in der Lage seine Bevölkerung zu ernähren. Oder habe nSie schon mal was von Lebensmittelknappheit in Deutschland gehört? Es bleibt sogar noch genug überig, dass Luxusgüter importiert werden können. Denken Sie mal intensiv nach. Wenn es lukrativer ist Schnittblumen zu produzieren als Hirse oder Weizen, dann bedeutet das, dass der Wert der Schnittblumen pro Hektar Anbaufläche deutlich höher ist als der Wert von Hirse. Es ist Kenia also prinzipiell möglich durch Handel (Export von Schnittblumen und Import von Getreide) letzendlich mehr Getreide zur Verfügung zu haben als wenn Sie selbst Getreide anbauen. Wenn Sie aber für den Exporterlös lieber Tand für die Oberschicht kaufen, dann ist das nicht unsere Schuld. Biomasse als Energieträger ist natürlich absurd. Da haben Sie vollkommen recht.
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