Britische Hilfsorganisation Haiti entzieht Oxfam die Arbeitserlaubnis

Oxfam-Mitarbeiter sollen auf Haiti Frauen ausgebeutet und Sex als Gegenleistung für Hilfe in Notsituationen verlangt haben. Jetzt hat die Regierung den britischen Ableger der Hilfsorganisation für zwei Monate suspendiert.

Oxfam-Logo in Port-au-Prince
REUTERS

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Im Skandal um sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch durch Mitarbeiter von Oxfam hat die haitianische Regierung dem britischen Zweig der Hilfsorganisation vorläufig die Arbeitserlaubnis entzogen. "Diese verwerflichen Handlungen, mutmaßlichen Verbrechen, die sowohl die Täter als auch die Organisation zugegeben haben, stellen eine schwere Verletzung der Würde des haitianischen Volkes dar", hieß es.

Planungsminister Aviol Fleurant sagte dem Sender Radio Metropole: "Diese Fälle von sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung wurden von den Verantwortlichen der Organisation nie gemeldet." Es sei ein schwerer Fehler gewesen, dass Oxfam die örtlichen Behörden nicht früher über die Vorfälle informiert habe.

Die Suspendierung soll zunächst für zwei Monate gelten. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte Oxfam in Haiti zur unerwünschten Organisation erklärt werden, sagte Fleurant.

Entzug gilt nur für britischen Oxfam

Einem Oxfam-Sprecher zufolge ist nur der britische Teil der Hilfsorganisation betroffen, die Programme von Oxfam-Organisationen anderer Länder wie Italien oder Spanien liefen weiter. "Leider wird in vielen Medien fälschlicherweise berichtet, Oxfam - als Gesamtorganisation - habe die Arbeitserlaubnis in Haiti entzogen bekommen. Das ist nicht richtig", erklärte zudem der Sprecher von Oxfam Deutschland in einer schriftlichen Mitteilung.

Einem internen Untersuchungsbericht zufolge kam es in Haiti nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 unter anderem zu sexueller Ausbeutung, Belästigung und Einschüchterung durch Oxfam-Mitarbeiter. Selbst als bereits eine Untersuchung lief, wurden laut dem Bericht aus dem Jahr 2011 Zeugen bedroht.

Sieben Angestellte, darunter der damalige Oxfam-Leiter des Landes, mussten gehen. Sie sollen dem Bericht zufolge in Räumlichkeiten der Organisation Sex mit Prostituierten gehabt haben. Zwei der sieben Personen wird auch sexuelle Ausbeutung und Missbrauch von Angestellten vorgeworfen.

Oxfam ist seit 1978 in Haiti aktiv. Nach dem Erdbeben 2010 mit mehr als 220.000 Toten weitete die Hilfsorganisation ihren Einsatz im ärmsten Land der Region noch einmal deutlich aus.

Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe verlor Oxfam 7000 regelmäßige Spender. Der britische Chef der Organisation, Mark Goldring, entschuldigte sich für das Verhalten von Mitarbeitern gegenüber Frauen in Haiti.

Die britische Vizechefin Penny Lawrence trat infolge des Skandals zurück. Auch Ärzte ohne Grenzen und die US-Flüchtlingsorganisation International Rescue Committee (IRC) hatten zuletzt sexuelles Fehlverhalten in den eigenen Reihen eingeräumt.

Umfragen und anderen Studien zufolge sind sexuelle Übergriffe innerhalb von Hilfsorganisationen keine Ausnahme. Die Täter sind oft Vorgesetzte oder in Krisenregionen angeheuerte Sicherheitskräfte. Auf Haiti sollen zudem während der 13 Jahre langen Uno-Friedensmission Blauhelmsoldaten immer wieder Haitianer vergewaltigt, missbraucht oder sexuell ausgebeutet haben.

apr/sev/dpa/AFP

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