Hilfsorganisation Oxfam-Vizechefin tritt nach Sexskandal zurück

Berichte über Sexpartys bringen Oxfam zunehmend in Erklärungsnot. Die britische Vizechefin der Hilfsorganisation hat ihren Posten geräumt - und nach Großbritannien droht auch die EU, Finanzhilfen zu streichen.

Oxfam-Laden in Glasgow
AFP

Oxfam-Laden in Glasgow


Die britische Oxfam-Vizechefin Penny Lawrence ist nach Berichten über Sexpartys in Haiti und im Tschad von Mitarbeitern ihrer Hilfsorganisation zurückgetreten. Sie übernehme die "volle Verantwortung" für das Verhalten von Mitarbeitern in diesen Ländern, auf das "wir nicht angemessen reagiert haben". Sie schäme sich, dass dies alles passiert sei, teilte Lawrence in London mit.

Unterdessen droht nach der britischen Regierungauch die EU-Kommission der Hilfsorganisation mit einer Streichung von Hilfsmitteln. Bei Vorwürfen von Fehlverhalten gelte für die EU-Behörde "null Toleranz", sagte eine Kommissionssprecherin. Sie verlangte dringend vollständige Aufklärung zu den Vorwürfen, wonach Oxfam-Mitarbeiter nach dem Erdbeben 2010 in Haiti Orgien mit Prostituierten gefeiert haben sollen.

Nach dieser Enthüllung der britischen "Times" legte das britische Wochenblatt "The Observer" mit Recherchen nach. Auch im Tschad seien 2006 wiederholt mutmaßliche Prostituierte in das Haus des Oxfam-Teams eingeladen worden.

Die EU-Kommission erwarte von ihren Partnern, dass sie "strengen ethischen und professionellen Verhaltensgrundsätzen" folgten, sagte die Behördensprecherin. "Wir sind bereit, die Finanzierung an Partner, die sich nicht an die verlangten hohen ethischen Standards halten, zu überprüfen und - falls nötig - einzustellen."

Die Kommission ist ein wichtiger Geldgeber für die Hilfsorganisationen weltweit - allein Oxfam in Großbritannien erhielt 2011 laut Behörden 1,7 Millionen Euro für Hilfsprojekte in Haiti.

Oxfam bestreitet, die Vorwürfe vertuscht zu haben. Die Organisation mit Sitz in Oxford entließ nach eigenen Angaben wegen des Skandals vier der beschuldigten Mitarbeiter. Zwei weitere seien ihrer Entlassung durch Kündigung zuvorgekommen.

apr/AFP/dpa



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