Papst-Ansprache Du sollst nicht tratschen

Kann Geschwätzigkeit Sünde sein? Papst Franziskus kritisiert bei seiner Weihnachtsansprache an Kurienmitarbeiter den Tratsch als große Gefahr. Dabei argumentiert der Pontifex weniger moralisch als vielmehr betriebswirtschaftlich.

Papst Franziskus: Weniger Tratsch, mehr Leistung
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Papst Franziskus: Weniger Tratsch, mehr Leistung


Hamburg/Rom - Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Stille. Wenn es nach Papst Franziskus geht, kann es gar nicht still genug sein. Besonders der Tratsch ist ihm ein Dorn im Auge. In der traditionellen päpstlichen Weihnachtsansprache an die Mitarbeiter der Kurie kritisierte er die bösartige Verbreitung von Falschinformationen über andere Menschen als besonders verdammenswert.

Das Interessante: Der Papst argumentierte in seiner Rede weniger moralisch als vielmehr betriebswirtschaftlich. "Der Tratsch", so Franziskus am Samstag im Vatikan, "verdirbt die Menschen, beeinträchtigt die Arbeitsqualität und schadet dem Betriebsklima."

Die Wortwahl ließ Franziskus wie Gottes effizientesten Manager auf Erden wirken. In seiner Brandrede gegen die gemeine Geschwätzigkeit erklärte er auch: "Wenn die Professionalität fehlt, rutscht man langsam in den Bereich der Mittelmäßigkeit ab." Mit Blick auf das nahende Weihnachtsfest empfahl Franziskus seinen Mitarbeitern Josef als Vorbild. Dieser habe sich fürsorglich "um seine Braut und das Kind" gekümmert und dabei "still" an der Seite Marias gestanden.

Auch wenn der Kirchenmann, der gerade vom "Time Magazine" zum Mann des Jahres gewählt wurde, in seiner Rede empfahl, Tratsch "aus Gewissensgründen zu verweigern", verwies er vor allem auf die ökonomischen Folgen, die zersetzendes Gerede haben kann, und schwor die Bediensteten der Kurie auf Fleiß und Effizienz ein. Wenn man sich nicht dem Dienst für den Papst und die Bischöfe, für die Weltkirche und die Teilkirchen verpflichtet fühle, werde aus der römischen Kurie ein "schwerfälliges Zollamt, eine bürokratische Untersuchungs- und Kontrolleinrichtung".

Eine Mahnung, die zum Erneuerungskurs passt, den Papst Franziskus dem Vatikan verordnet hat - und die zeigt, wie konsequent es der geistliche CEO mit den Veränderungen und Verbesserungen beim Weltkonzern Katholische Kirche meint.

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Papst Franziskus: Türsteher, Techniker, Lehrer, Papst

cbu/dpa/AFP

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mikee81 21.12.2013
1. Ich bin ja eigentlich nicht religiös...
... aber diesem Mann wünsche ich ein langes Leben - möge er der katholischen Kirche noch einige Jahre dienen!
hwy2001 21.12.2013
2. Der erste Papst seit Johannes XXIII., bei dessen Wortmeldungen man nicht jedes Mal Magen- und Hirnkrämpfe kriegt!
Sehr ungewohnt! Die andauernde Verdammung von diesem und jenem, Pille, Vorehelichem, Rockmusik, Homosexualität, dabei kamen immer wieder schreckliche Meldungen über die Missstände im Vatikan und in den Diözesen, Missbrauch, Gewalt, Misswirtschaft. Gott sei Dank!
Welo33 21.12.2013
3. Die Worte des Papstes sollten sich einige Journalisten hinter die Ohren schreiben!
Wenn ich die Worte des Papstes lese, denke ich sofort an den Bischof Tebartz-van Elst. Die bösartige Kampagne der deutschen Mainstream-Medien gegen ihn, bei der bewußt Falschinformationen gestreut wurden (15000 Euro teure Badewanne usw.) ist genau das, was Franziskus meinte!
werbungsv 21.12.2013
4. Naja
Wobei ich es schon komisch finde. Alles was dieser Mann sagt, wird in Relation zur Gesamtinstitution Kirche oder in Bezug zu seinen Vorgängern gesehen. Sollten seine Äußerungen nicht für sich stehen und bewertet werden? Wieso ist es wichtig, was er sagt, nur WEIL er der Papst ist? - Hätte diese Meldung jemand für positiv bewertet, wenn sie irgendein bekannter Politiker oder Bill Gates gesagt hätte (der im übrigen viel mehr gutes tut als die gesamte katholische Kirche..)..? - was hat er denn jetzt (unter anderem) gesagt? Tratsch is bad...naja...fragliche moralische Botschaft, die keinem weiterhilft und keine neue Erkenntnis ist und auch die Kirche nicht reformiert. - Der Bezug auf Jesus ist -- nun ja -- "amüsant"..hätte man auch so formulieren können: Doofer Mann hat sich ein Kuckuckskind unterschieben lassen und anstatt seine Eier auszupacken, macht er gute Miene zum bösen Spiel.. Religiös gesehen, fragliches Vorbild..aber bitte.
Thilo Schmitt 21.12.2013
5. Du sollst nicht tratschen!
Recht hat der der Papst, wenn auch die Begründung irritiert da sie nach dem Leiter eines gewöhnlichen Wirtschaftsunternehmens klingt. Du sollst nicht tratschen! Gewiss wird der heilige Vater in kürze, nach dem er sich informiert hat etwas zum Thema: "Du sollst nicht lauschen, bespitzeln und auspionieren und schon gar nicht millionenfach überwachen!" sagen. Oder haben sich die Damen und Herren des Time Magazin etwa geirrt? Das soll vor nicht allzulanger Zeit beim Friedensnobelpreis vorgekommen sein.
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