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30. Mai 2012, 13:53 Uhr

VatiLeaks-Skandal

Papst Benedikt kritisiert die Medien

Benedikt XVI. hat sich erstmals persönlich zum Skandal um Geheimnisverrat im Vatikan geäußert - und die Medien kritisiert. Das Bild, das in der Öffentlichkeit vom Heiligen Stuhl verbreitet werde, habe "nichts mit der Realität zu tun", sagte der Papst in Rom. Er selbst sei tief traurig.

Rom - Wie schwerwiegend die Ereignisse sind, die sich derzeit im Vatikan abspielen, lässt sich nun erahnen: Zum ersten Mal hat sich Papst Benedikt XVI. am Mittwoch selbst zu der Affäre um die Preisgabe vertraulicher Kirchenstaat-Dokumente geäußert - und die Medien für ihre Berichterstattung angegriffen.

Die Geschichten über die VatiLeaks-Affäre würden ein gänzlich falsches Bild vom Heiligen Stuhl vermitteln, das nichts mit der Realität zu tun habe, sagte Papst Benedikt am Ende seiner wöchentlichen Audienz für Pilger auf dem Petersplatz. Angefeuert von einigen Medien, hätten sich "unbegründete Vermutungen" vervielfacht. Einige Berichte stimmten schlicht nicht.

"Die Ereignisse der vergangenen Tage, in deren Mittelpunkt die Kurie und meine Mitarbeiter standen, haben mein Herz mit Traurigkeit erfüllt", sagte Benedikt. "Ich möchte mein Vertrauen in meine Mitarbeiter erneuern und diejenigen, die am engsten mit mir arbeiten, ermutigen ebenso wie jene, die mir jeden Tag loyal und voller Opferbereitschaft und Bescheidenheit helfen, mein Amt wahrzunehmen."

Die VatiLeaks-Affäre hatte in den vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt: Der päpstliche Kammerdiener Paolo G. - 46 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder - soll verbotenerweise vertrauliche Dokumente an die Öffentlichkeit gebracht haben. Hinter G., einem der engsten Mitarbeiter des Papstes, soll eine größere Gruppe von bis zu zwei Dutzend Kirchenmännern stehen. G. wartet nun in einer vatikaneigenen Zelle auf den Entscheid eines kirchenstaatlichen Gerichts, ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft.

aar/Reuters/AP

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