Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI.: "Betet für mich"

AFP

Ohne Gehhilfe und aufrecht schreitend hat der scheidende Papst Benedikt XVI. den ersten großen Auftritt nach seiner Rücktrittserklärung absolviert: Bei einer Generalaudienz dankte er den jubelnden Gläubigen für ihre Unterstützung - und sprach von den schwerwiegenden Folgen seiner Entscheidung.

Rom - Es war ein würdevoller, ein angemessener Auftritt: Im weißen Gewand betrat der Papst um 10.40 Uhr die Audienzhalle am Petersdom und wurde mit stürmischem Applaus und lauten Zurufen von den eng beisammenstehenden Besuchern der Generalaudienz begrüßt. Ein ungewöhnlicher, ein historischer Moment. Es war der erste Auftritt des scheidenden Papstes nach seiner Rücktrittserklärung.

Mit gebräuntem Gesicht und aufrechtem Gang machte Benedikt XVI. einen gesundheitlich gefestigten Eindruck. Den Gang auf die Bühne legte er ohne fremde Hilfe oder Stock zurück, wenn auch langsam. Seine Lesung hielt er mit starker Stimme - und wandte sich gleich zu Beginn an die Gläubigen. "Danke für Eure Zuneigung", sagte der Papst und wiederholte, dass er in freier Entscheidung und im Wissen um die schwerwiegenden Folgen seine Entscheidung getroffen habe, das Amt niederzulegen.

Er dankte für die Gebete und die große Anteilnahme "in diesen für mich schwierigen Tagen". "Betet weiterhin für mich, für die Kirche und für den künftigen Papst", sagte das scheidende Kirchenoberhaupt. Am Montag hatte der seit 2005 amtierende deutsche Papst seinen Rücktritt für den 28. Februar angekündigt.

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Benedikt XVI. nach Rücktrittserklärung: Aufrechter Gang, starke Stimme
Bereits Stunden vor der Generalaudienz waren Tausende Gläubigen zum Petersplatz gekommen, hatten die Reihen Halle bis zum letzten Platz gefüllt.

Zu Beginn der Generalaudienz wurde in mehreren Sprachen aus dem Lukas-Evangelium gelesen. "Erfüllt vom Heiligen Geist, verließ Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist 40 Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die 40 Tage vorüber waren, hatte er Hunger."

Benedikt wandte sich auch an die Pilger aus seiner deutschen Heimat und dankte ihnen für ihren Besuch. Seine Ausführungen, die sich auch um den Beginn der Fastenzeit drehten, wurden immer wieder von Applaus unterbrochen und begleitet. Der scheidende Papst breitete seine Arme zum Gruß der Gläubigen aus, blieb aber sitzen.

Der letzte Gottesdienst als Papst

Am Nachmittag folgt der vermutlich letzte Auftritt vor dem ganz großen Publikum: Papst Benedikt XVI. wird um 17 Uhr die Aschermittwochsmesse zum Beginn der Fastenzeit feiern. Wegen des zu erwartenden Ansturms von Gläubigen, Kardinälen, Bischöfen und Touristen wurde die Liturgie eigens von der Kirche Santa Sabina auf dem Aventin-Hügel in den wesentlich größeren Petersdom verlegt.

Der Gottesdienst wird der letzte sein, den Benedikt XVI. als Papst feiern wird. Danach haben die Gläubigen nur noch während des Angelusgebets an den Februarsonntagen Gelegenheit, den 85-Jährigen im Amt zu erleben.

In den kommenden zwei Wochen wird Benedikt XVI. weitere Termine wahrnehmen. "Bis zum 28. Februar wird Papst Benedikt XVI. unser Papst bleiben, mit allen seinen Funktionen", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Zu den Terminen gehören laut Lombardi Treffen mit Bischöfen und ausländischen Staatsgästen. Es werde keine eigene Veranstaltung zur Verabschiedung von Benedikt XVI. geben, hatte Lombardi bereits am Dienstag betont.

Am 28. Februar um 20 Uhr wird Benedikts Pontifikat enden. Innerhalb von 15 bis 20 Tagen muss dann das Konklave beginnen, das seinen Nachfolger wählt. Bis Ostern soll feststehen, wer neuer Papst wird.

Als geeignete Nachfolger werden unter anderem der Mailänder Erzbischof Angelo Scola, 71, und die beiden Afrikaner Peter Turkson, 64, aus Ghana und Francis Arinze, 80, aus Nigeria genannt. Auch Kardinal Marc Ouellet aus Québec und dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan werden Chancen eingeräumt. Aus Lateinamerika werden der Erzbischof von São Paulo, Kardinal Otto Scherer und Kurienkardinal Leonardo Sandri aus Argentinien genannt.

ala/siu/dpa

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insgesamt 74 Beiträge
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1. Es wäre an der Zeit..
sponskinny 13.02.2013
Es wäre an der Zeit, endlich dieses unsägliche Amt aufzulösen. Es ist allseits bekannt, dass das Papsttum auf zwei einfachen Lügen beruht (Konstantinische Schenkung, Petruswort in der Bibel), trotzdem scheint bisher keiner die Notwendigkeit zu sehen, dementsprechend zu handeln. Der Mensch mag nun mal leider gerne Märchen....
2. Papstrücktritt
welmet 13.02.2013
Ich finde es eine gute Entscheidung vom Papst zurück zu treten. So haben die Gläubigen den Past als netten alten Herren in Erinnerung. Dem Papst wünsche ich noch schöne, vor allem gesunde Jahre mit seinen geliebten Büchern und seiner Musik,
3. Arme Welt
j1958 13.02.2013
@ sponsky 'Es wäre an der Zeit, endlich dieses unsägliche Amt aufzulösen'. Und wieviel dunkler würde dann diese Welt. Man mag zu ihr stehen wie man will, aber die Kirche und auch der Papst geben zahllosen Menschen Hoffnung und Kraft. "Der Mensch mag nun mal leider gerne Märchen..' und was für eine trostlose Welt wäre dass, wenn es keine Märchen mehr gäbe, keine Träume, keine Fantasien. Keine Romane, keine Filme, keine Geschichten die man Kindern vor dem Zubettgehen vorliest. Eine armselige Existenz, ein nutzloses Körnchen Mensch im endlosen Waren-, Geld- und Datenstrom dieser Welt. Vielleicht denken Sie darüber mal nach.
4. Warum
vulkaneifler 13.02.2013
Warum sollen wir für Ihn und die Kirche beten , ich denke sie haben doch in der Person des Papstes ( er ist doch Unfehlbar) und der ???? Vereinigung ( kat.kirche ) die Vollmacht und allwissenheit Ihres Gottes oder wem auch immer..
5. !
Einervondrei 13.02.2013
Zitat von sponskinnyEs wäre an der Zeit, endlich dieses unsägliche Amt aufzulösen. Es ist allseits bekannt, dass das Papsttum auf zwei einfachen Lügen beruht (Konstantinische Schenkung, Petruswort in der Bibel), trotzdem scheint bisher keiner die Notwendigkeit zu sehen, dementsprechend zu handeln. Der Mensch mag nun mal leider gerne Märchen....
Glücklicherweise mag "der Mensch" Märchen. Diese können sehr lehrreich sein. Warum sehen Sie eine Notwendigkeit und warum müssen andere das auch sehen? Zum Thema "allseits bekannt": Offenbar sehen andere Menschen das anders. Wollen Sie diese zwingen? Glücklicher Weise bestimmen Sie nicht darüber. Treten Sie doch aus, wenn es Sie stört. Ansonsten sollten Sie anderen nichts vorschreiben.
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