Papst-Brief Benedikt kritisiert "törichten" Vergleich mit Franziskus

In Stil und Temperament unterschiedlich: Der frühere Papst Benedikt XVI. hält Vergleiche mit seinem Nachfolger für unangemessen - und findet lobende Worte für Papst Franziskus.

Papst Franziskus (l.) und Papst Benedikt (r.)
DPA

Papst Franziskus (l.) und Papst Benedikt (r.)


Papst Benedikt lehnt vereinfachte Vergleiche mit Papst Franziskus ab. Es sei ein "törichtes Vorurteil, wonach Papst Franziskus bloß ein praktisch veranlagter Mann ohne besondere theologische und philosophische Bildung sei, während ich selbst nur ein Theoretiker der Theologie gewesen wäre, der wenig vom konkreten Leben eines heutigen Christenmenschen verstanden hätte", schrieb Benedikt XVI. in einem Brief an den Präfekten des vatikanischen Kommunikationssekretariats.

Aus dem Schreiben an Dario Viganò zitierte das offizielle Vatikan-Nachrichtenportal "Vaticannews". Anlass für Benedikts Brief war die Vorstellung einer Buchreihe, in der Theologen "Die Theologie von Papst Franziskus" untersuchen.

Die Bücher über Franziskus zeigten "zu Recht, dass Papst Franziskus ein Mann tiefer philosophischer und theologischer Bildung ist", so Benedikt, "und sie helfen somit, die innere Kontinuität zwischen den beiden Pontifikaten zu sehen, wenn auch mit allen Unterschieden in Stil und Temperament".

Franziskus wurde am 13. März vor fünf Jahren nach dem Rücktritt des Deutschen Benedikt XVI. zum Katholiken-Oberhaupt gewählt. Am Wochenende feierte er sein fünfjähriges Amtsjubiläum.

Verändert er die Kirche - oder hat die Kirche ihn verändert?

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge ist weniger als die Hälfte der Deutschen der Meinung, dass Papst Franziskus seit seinem Amtsantritt wesentliche Veränderungen in der katholischen Kirche erzielt hat.

Das Versprechen des Papstes, entschlossener gegen Kindesmissbrauch vorzugehen, sehen 17 Prozent der Befragten nicht erfüllt: Sie finden, dass Franziskus den Kampf gegen Missbrauch nicht entscheidend verstärkt hat. Jeder Fünfte wünscht sich, dass er auf diesem Feld künftig noch mehr tun möge.

Auch die Haltung der Kirche gegenüber Homosexuellen hat sich nach Ansicht der Befragten nicht verändert. Auch was die Reform der Vatikan-Finanzen, die Annäherung an die evangelische Kirche sowie die Öffnung der Kirche für Frauen angeht, nehmen nur einige wenige Veränderungen wahr.

Mehrheit glaubt nicht an Rücktritt von Franziskus

Viele Menschen scheinen aber gar nicht zu verfolgen, was der erste Papst aus Südamerika im Einzelnen tut - oder schlicht keine Meinung dazu zu haben: 31 Prozent der Befragten beantworteten die Frage, in welchem Bereich Franziskus die Kirche am stärksten verändert habe, mit "weiß nicht" oder machten keine Angabe.

Damit einher geht auch, dass sich mehr als ein Drittel der Befragten weder zufrieden noch unzufrieden mit dem katholischen Kirchenoberhaupt zeigen. Jeder Zweite (49 Prozent) ist aber trotz der verbreiteten Wahrnehmung, dass es wenig Veränderungen gebe, tendenziell zufrieden mit dem, was der Papst erreicht hat.

In einem Punkt ist sich die Mehrheit der Befragten einig: Dass Franziskus anders als sein Vorgänger Benedikt bis an sein Lebensende Papst bleiben wird. Nur 20 Prozent sind der Ansicht, dass er ebenfalls freiwillig zurücktreten wird.

kry/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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schocolongne 12.03.2018
1. na ja, was sollen denn solche Umfragen schon bringen?
die Aussagekraft ist gleich Null, da kaum einer der Befragten sich zuvor inhaltlich mit Anspruch und Amtsführung von Franziskus auseinander gesetzt haben wird und folglich nur unsubstantiiertes Bauchgefühl von sich gegeben haben.
anselmwuestegern 13.03.2018
2.
Neben den Medienwirksamen Veränderungen, die aus Sicht der Reformer nur. schleppend, aus Sicht der Traditionellen übereilt im Gang kommen, gibt es die vielen kleinen Schritte, von denen kaum jemand Notiz nimmt. Bei einer Institution, wie der römisch katholischen Kirche, sind umbruchartige Veränderungen nicht zu erwarten. Erneuerung läuft in einem stetigen Abwägen zwischen Tradition und Veränderung nur in kleinen Schritten ab. Es wird noch einige Päpste brauchen, bis die Modernisierer etwas bemerken. Ob das bis dahin noch als Erneuerung wahrgenommen wird, steht auf einem anderen Blatt.
ernstmoritzarndt 13.03.2018
3. Das platte "größer, schöner, bunter ....." verbietet ....
....... sich bei dem Vergleich dieser beiden Päpste auf jeden Fall. Eine wirklich Bewertung verbietet sich von vornherein. Man wird vielleicht in einem Abstand von 30 - 50 Jahren mit einer gewissen Berechtigung die Unterschiede feststellen können. Man denke nur an den "Bauern auf dem Petrusthron" (Johannes XXIII.), der gezielt von dem Kirchenadel auf diesen Thron gesetzt wurde mit dem Hintergedanken, daß er nie etwas bewegen würde - mit der Konsequenz des II. Vaticanums. Gerade Benedict XVI. ist heute noch nicht bewertbar: einerseits der Gelehrte, andererseits ein Mann, der (was man nicht von vielen leitenden Politikern und Wirtschaftsleuten sagen kann) angesichts der Tatsache, daß er nicht mehr so zu handeln und "regieren" vermochte, wie er es für richtig hielt, in (unter historischen kirchlichen Gesichtspunkten) überraschenden Weise agierte und das Amt zur Verfügung stellte.
Europa! 13.03.2018
4. Interessant
Zumal ja bis heute niemand weiß, warum Benedikt XVI. wirklich zurückgetreten ist.
lathea 13.03.2018
5. Franziskus reformiert die Kirche nicht.....
........wirklich und nicht schnell genug. Die Führungsriga ist ein Verein alter, verschrobener und weltfremder Männer, die man nicht mehr ernst nehmen kann.
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