Papst empfängt Fidel Castro: Restauration trifft Revolution

Am letzten Tag seines Kuba-Besuchs traf Papst Benedikt XVI. mit dem früheren Staatschef Fidel Castro zusammen. Der Revolutionsführer hatte das Oberhaupt der Katholiken um "einige Minuten seiner kostbaren Zeit" gebeten. Regimekritiker durften die Abschlussmesse in Havanna nicht besuchen.

Papstbesuch auf Kuba: Fidel bittet Benedikt um ein paar Minuten Fotos
DPA

Havanna - Wenn ein 85-jähriger früherer kubanischer Revolutionsführer den 84-jährigen deutschen Papst treffen möchte, wird diese Bitte zuweilen so vorgetragen: "Gerne werde ich Seine Exzellenz Papst Benedikt XVI. begrüßen. Er ist ein Mensch, bei dem der Kontakt mit den Kindern und den ärmlichen Bürgern des Volkes unveränderlich Gefühle der Zuneigung geweckt hat. Deshalb entschied ich, ihn um einige Minuten seiner sehr knappen Zeit zu bitten", schrieb Fidel Castroin einem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar in Richtung Benedikt. Überdies sei er selbst schon seit den 1960er Jahren der Meinung gewesen, dass Marxisten und Kirche zusammenarbeiten müssten, sagte Castro.

Daraufhin empfing Papst Benedikt XVI. am letzten Tag seines Kuba-Besuchs in Havanna den früheren Staatschef Fidel Castro. Es handelte sich um das erste Treffen zwischen dem deutschen Papst und dem Führer der kubanischen Revolution von 1959. Castro, ein früherer Jesuitenzögling, hatte bereits Papst Johannes Paul II. 1996 im Vatikan und zwei Jahre später in Kuba getroffen.

Das Treffen begannen die beiden Männer mit Scherzen über ihr Alter. Sie hätten ein etwa halbstündiges Gespräch geführt, das herzlich, gelassen und angeregt gewesen sei, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Sie hätten über Fragen des Glaubens und den Zustand der Welt gesprochen. Der schwerkranke Castro habe auch wissen wollen, was ein Papst eigentlich so macht, sagte Lombardi. Castro stellte dem Papst seinen zweite Frau Dalia Soto del Valle und zwei Kinder vor und bat den Papst, ihm einige Bücher zu den diskutierten Themen zu schicken.

Papst fordert Anerkennung der katholischen Kirche in Kuba

Zuvor hatte Papst Benedikt XVI. bei einer Messe in Havanna volle Religionsfreiheit und die Anerkennung der katholischen Kirche in dem kommunistischen Land gefordert. Erste Schritte seien von Kubas Führung schon getan worden, sagte Benedikt in seiner Predigt vor Hunderttausenden Gläubigen auf dem historischen Platz der Revolution. "Ich möchte die verantwortlichen Stellen der Nation ermutigen, das bereits Erreichte festzumachen und auf diesem Weg des echten Dienstes am Gemeinwohl der ganzen kubanischen Gesellschaft weiter voranzugehen", sagte er. Auf dem Flug nach Lateinamerika hatte der Papst den in Kuba herrschenden Marxismus kritisiert und die Hilfe der Kirche bei der Suche nach neuen Modellen angeboten.

Die Unterstützung der Gläubigen stärke das Zusammenleben und die Hoffnung auf eine bessere Welt, schaffe günstige Voraussetzungen für Frieden und eine harmonische Entwicklung, fuhr der Papst in seiner Predigt fort. Kuba und die Welt bräuchten Veränderungen. Diese werde es aber nur geben, wenn jeder Einzelne über die Mittel verfüge, nach der Wahrheit zu fragen und auch brüderlich zu handeln. Präsident Raúl Castro, Bruder und Nachfolger Fidels, nahm an dem Gottesdienst teil. Er war bereits zuvor mit Benedikt zusammengetroffen.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden Oppositionelle und Dissidenten von den Behörden daran gehindert, an der Messe teilzunehmen. Nach Darstellung von Oppositionellen seien zahlreiche Regimekritiker in ihren Häusern festgesetzt worden.

lgr/dpa/AFP/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ..........
janne2109 29.03.2012
richtig heißt es: Castro empfängt den Papst, denn auf Kuba ist Castro bzw. Kuba der Gastgeber. Wir wollen mal den den Papst zum Staatsmann aller Länder der Welt machen.
2. Fidel und Benedikt
didaskalos 29.03.2012
Zitat von sysopDPAAm letzten Tag seines Kuba-Besuchs traf Papst Benedikt XVI. mit dem früheren Staatschef Fidel Castro zusammen. Der Revolutionsführer hatte das Oberhaupt der Katholiken um "einige Minuten seiner kostbaren Zeit" gebeten. Regimekritiker durften die Abschlussmesse in Havanna nicht besuchen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,824420,00.html
Na, da sieht's mal wieder …., sogar kommunistische Heilsversprecher wollen lieber (eher) mit anderen Heilsversprechern … um einen Dialog bitten / kommunizieren, als das Gleiche mit beflissenen Sektierern aus der deutschen linken Provinz zu vollführen, auch wenn diese da (solidarisch!) was auch immer an netten Glückwünsch-Telegrammen abschicken …., verkehrte Welt ! Cum Papa venceremos ? ;-)
3. Ja
jomo3 29.03.2012
Zitat von sysopDPAAm letzten Tag seines Kuba-Besuchs traf Papst Benedikt XVI. mit dem früheren Staatschef Fidel Castro zusammen. Der Revolutionsführer hatte das Oberhaupt der Katholiken um "einige Minuten seiner kostbaren Zeit" gebeten. Regimekritiker durften die Abschlussmesse in Havanna nicht besuchen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,824420,00.html
das ist eine positive Nachricht. Danke. Der greise Benedikt und der greise Fidel Castro sprechen sich halbwegs aus. Das ist schön zu hören.
4. es ist typisch für diesen Papst !
herbert 29.03.2012
Zitat von sysopDPAAm letzten Tag seines Kuba-Besuchs traf Papst Benedikt XVI. mit dem früheren Staatschef Fidel Castro zusammen. Der Revolutionsführer hatte das Oberhaupt der Katholiken um "einige Minuten seiner kostbaren Zeit" gebeten. Regimekritiker durften die Abschlussmesse in Havanna nicht besuchen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,824420,00.html
wie hier in Europa, er hat nur ein Ohr und Zugang für die sogenannten VIPs! Das sogenannte Fussvolk hatte auf Cuba keinen Zugang zum Papst. Geschweige denn die Kritiker! Viele der Cubaner klammern sich an jedem Strohhalm der Freiheit. Dieser altmodische und mittelalterliche katholische Papst wird garantiert nicht die Lösung für Cuba sein. Zwischen der Lebensmentalität der Cubaner und der Einstellung des Papstes sind gigantische Unterschiede !!!
5. Ob Fidel auf dem Bild wohl gerade...
ginfizz53 29.03.2012
Zitat von sysopDPAAm letzten Tag seines Kuba-Besuchs traf Papst Benedikt XVI. mit dem früheren Staatschef Fidel Castro zusammen. Der Revolutionsführer hatte das Oberhaupt der Katholiken um "einige Minuten seiner kostbaren Zeit" gebeten. Regimekritiker durften die Abschlussmesse in Havanna nicht besuchen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,824420,00.html
... beichtet? Wird wohl nichts nützen... Ab einer gewissen Anzahl an Morden, Diebstahl und Unterdrückung kann auch der Papst die Dinge nicht mehr mit einem "Ego te absolvo" ausbügeln... Die Katoliken hatten früher einen Hetzspruch gegenüber den Protestanten: "Evangelisch lässt es sich gut leben, katholisch lässt es sich gut sterben." Dementsprechend müsste man sagen: "Als sozialistischer Staatschef (nicht als sozialistischer Bürger!) lässt es sich gut leben... etc"
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Papst Benedikt XVI.
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 18 Kommentare
Fotostrecke
Kuba: Papst Benedikt XVI. trifft Raúl Castro

Fläche: 109.886 km²

Bevölkerung: 11,258 Mio.

Hauptstadt: Havanna

Staats- und Regierungschef: Raúl Castro

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Kuba-Reiseseite


Fotostrecke
Benedikt XVI.: Finale des Papstbesuchs in Mexiko