Brief des Vatikan Papst gegen Teilnahme protestantischer Ehepartner an Kommunion

Der Papst hat sich in den Kommunionsstreit eingeschaltet - und gegen die Gruppe um Kardinal Marx gestellt. Der zeigte sich "überrascht".

Papst Franziskus
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Papst Franziskus hat den Vorstoß deutscher Bischöfe zur Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion fürs Erste gestoppt.

Seit Wochen entzweit ein Streit darüber die katholische Kirche in Deutschland, nun sprach das Kirchenoberhaupt überraschend ein Machtwort.

Franziskus sei der Auffassung, dass ein von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedetes Dokument "nicht zur Veröffentlichung reif" sei, zitierte die katholische "Tagespost" aus einem Brief des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

Der italienische Vatikan-Experte Sandro Magister veröffentlichte online den ganzen Brief, eine Vatikan-Sprecherin bestätigte die Echtheit.

Kardinal Marx reagierte verwundert. Bei seinem Gespräch im Vatikan am 3. Mai sei ihm und den anderen teilnehmenden Bischöfen gesagt worden, dass sie "eine möglichst einmütige Regelung" finden sollten, teilte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp mit. Deshalb sei Marx "überrascht, dass noch vor dem Finden einer solchen einmütigen Regelung jetzt dieses Schreiben aus Rom eingegangen ist". Er sehe weiter Gesprächsbedarf, und zwar sowohl innerhalb der Bischofskonferenz als auch mit "dem Heiligen Vater selbst".

Sieben konservative Bischöfe beschwerten sich beim Vatikan

Die Bischofskonferenz hatte im Februar mit einer Dreiviertelmehrheit entschieden, dass im Einzelfall auch protestantische Ehepartner zur katholischen Kommunion gehen dürfen. Sieben Konservative hatten sich gegen den Beschluss gestellt und unter Federführung des Kölner Kardinals Rainer Woelki den Vatikan eingeschaltet.

Nach einem Gespräch in Rom vor einem Monat sah es zunächst so aus, als überlasse der Papst die Beilegung des sogenannten Kommunionsstreits den deutschen Bischöfen. Nun aber griff der Pontifex selbst ein. Das Signal aus Rom ist auch überraschend, weil der Argentinier seit seinem Amtsantritt die Linie verfolgt, dass nicht jede Entscheidung der Ortskirchen von Rom abgesegnet werden muss. Wer an der Kommunion teilnehme, berühre aber nicht nur das Kirchenrecht; es sei auch ein Thema, "das den Glauben der Kirche berührt und von weltkirchlicher Relevanz ist".

Nicht nur die Entscheidung aus Rom, auch dass der Brief vorab durchgestochen wurde, ist ein Affront gegen Marx, der auch dem Kardinalsrat des Papstes angehört. Er hatte beklagt, dass die Reformdebatte teilweise "ängstlich" geführt werde.

Die Evangelische Kirche in Deutschland hatte den Beschluss als "Riesenzeichen" gewertet. Der Eucharistiestreit ist eine der entscheidenden Hürden bei der Annäherung zwischen Katholiken und Protestanten. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hatte Papst Franziskus im vergangenen Jahr als Unterstützer bei der Annäherung der Kirchen bezeichnet. Er habe auch die Sehnsucht der Menschen nach einem gemeinsamen Abendmahl erkannt.

Der Präsident des Zentralrats der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, wies nun darauf hin, dass kaum ein Land "so viele konfessionsverbindende Ehen" habe wie Deutschland. "Die Familien, ihre Priester und Gemeinden sollen sich nicht verunsichern lassen", appellierte Sternberg.

"Rückschritt für die Ökumene"

Es ist längst gelebte Praxis, dass Ehepartner mit unterschiedlicher Konfession in der Messe gemeinsam zur Kommunion gehen. Offiziell ist dies aber nicht erlaubt. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte heraus aus dieser Grauzone und hatte deshalb eine offizielle "Handreichung" erarbeitet, die genau beschreibt, in welchen Ausnahmefällen auch protestantische Ehepartner zur Kommunion zugelassen werden dürfen.

Der Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller von der Universität Münster bezeichnete die Entscheidung des Papstes als einen "Rückschritt für die Ökumene", die Annäherung von Katholiken und Protestanten. "Wir Deutschen sind mal wieder gescheitert mit dem Ansinnen, etwas zu klären", sagte Schüller. Die Botschaft des Papstes sei im Grunde: "Lasst viel zu - aber fragt mich nicht! Denn dann müssen wir es offiziell machen." Es zeige sich nun: "Der Papst ist doch zentralistischer und ängstlicher, als manch einer geglaubt hat." Kardinal Marx sei nunmehr kirchenpolitisch "beschädigt".

bbr/dpa

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