Privataudienzen mit Franziskus Papst geht auf chilenische Missbrauchsopfer zu

Noch im Januar verteidigte der Papst einen Bischof, der Pädophilie in der Kirche gedeckt haben soll. Mit einer Einladung an Missbrauchsopfer vollzog Franziskus nun eine Kehrtwende.

Juan Carlos Cruz, James Hamilton und Jose Andres Murillo (v.l.)
AP

Juan Carlos Cruz, James Hamilton und Jose Andres Murillo (v.l.)


Drei Opfer sexuellen Missbrauchs aus Chile haben Papst Franziskus zu Aktionen gegen pädophile Priester in der katholischen Kirche weltweit aufgefordert. Der Papst müsse dieser "globalen Epidemie" exemplarisches Handeln entgegensetzen, sagten drei Betroffene nach Einzeltreffen mit Franziskus am Wochenende. "Es ist nicht an uns, die notwendigen Veränderungen in der Kirche durchzusetzen, um die Seuche des sexuellen Missbrauchs und seine Vertuschung zu stoppen", teilten Juan Carlos Cruz, James Hamilton und José Andrés Murillo mit.

Sollte der Papst nichts unternehmen, werde alles umsonst gewesen sein, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. Wie andere waren die drei Männer als Minderjährige von dem chilenischen Pfarrer und Priesterausbilder Fernando Karadima sexuell missbraucht worden. Dieser war 2011 vom Vatikan für Sexualdelikte an Kindern für schuldig befunden worden.

Franziskus laut Cruz: "Ich war Teil des Problems"

Papst Franziskus hatte im Januar bei seinem Besuch in Chile heftige Kritik auf sich gezogen, weil er damals Bischof Juan Barros verteidigt hatte, der wiederum Karadima gedeckt haben soll. "Es besteht kein einziger Beweis gegen ihn, es ist alles Verleumdung", hatte der Papst seinerzeit gesagt, sich aber später dafür entschuldigt.

Bischof Barros 2015 in der Kathedrale von Osorno
REUTERS

Bischof Barros 2015 in der Kathedrale von Osorno

Nun empfing er über das vergangene Wochenende die drei Männer in getrennten Audienzen. "Ich habe niemals jemanden Reuevolleren gesehen", sagte Cruz über den Papst in der Pressekonferenz. Während seiner Privataudienz mit dem Papst, habe Franziskus gesagt, dass er selbst Teil des Problems gewesen sei. "Ich habe es verursacht und ich entschuldige mich bei dir", zitierte Cruz Franziskus weiter. Doch die Bitte um Vergebung müsse mit Handeln einhergehen, betonte Cruz.

Die Absetzung von Bischof Barros ist nur eine Forderung der Missbrauchsopfer. Langfristig erwarten sie, dass Papst Franziskus strukturelle Veränderungen auf den Weg bringt, die den Schutz von Minderjährigen gewährleisten und die dafür sorgen, dass Straftäter konsequent verurteilt werden.

ans/dpa/AP



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Seite 1
123Valentino 02.05.2018
1. Jeder Priester....,
sollte behandelt werden wie andere Menschen auch . Ein Staatsanwalt wird tätig, es kommt zu Verhandlung zum Urteil . Keine Möglichkeit von der Kirche beschützt zu werden, versetzt in ein anderes Paradies für kinderschänder.
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