Franziskus in Abu Dhabi Papst fordert "Entmilitarisierung des menschlichen Herzens"

Bei seinem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat Papst Franziskus Kriege gegeißelt. Auch leichte Kritik am Gastgeber wurde laut.


Als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche reist Papst Franziskus auf die arabische Halbinsel. Der Besuch gilt als historisch, der Dialog mit dem Islam ist für den Pontifex eine Herzensangelegenheit.

Auf einem interreligiösen Treffen mit hunderten Teilnehmern verschiedener Konfessionen in Abu Dhabi prangerte der Papst die "katastrophalen Folgen" von Kriegen an.

Die Zeit sei gekommen, "dass die Religionen sich aktiver, mutig, kühn und aufrichtig dafür einsetzen, der Menschheitsfamilie zu helfen, ihre Fähigkeit zur Versöhnung, ihre Vision der Hoffnung und konkrete Wege zum Frieden weiterzuentwickeln", sagte Franziskus. "Ich denke dabei insbesondere an Jemen, Syrien, Irak und Libyen."

Von seinem Gastgeber forderte Franziskus mehr Engagement gegen Kriege und Ungleichheit. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hätten in "dieser heiklen geschichtlichen Situation" die Aufgabe, "einen aktiven Beitrag zur Entmilitarisierung des menschlichen Herzens zu leisten", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. "Krieg schafft nichts als Elend, Waffen nichts als Tod."

Die VAE sind mit Saudi-Arabien Teil einer Militärkoalition, die gegen die schiitischen Huthi-Rebellen kämpft. Dabei wurden bereits tausende Zivilisten getötet. Die Vereinten Nationen stufen den Krieg als schwerste humanitäre Krise der Welt ein. Dem Kronprinzen der Emirate, Mohammed bin Said al-Nahjan, wird großer Einfluss in der Region zugeschrieben.

Der Kronprinz ist umstritten. Zwar dürfen Katholiken in den Emiraten ihren Glauben praktizieren und Kirchen bauen. Wahre Religionsfreiheit herrscht aber auch hier nicht. So dürfen Muslime nicht zum Christentum konvertieren. Eine Konversion könne "sozialem Selbstmord gleichkommen", heißt es in einem Bericht des katholischen Hilfswerks Missio. Der Vorwurf: Der Regent nutzt den Besuch des Papstes um sich und sein Land als "Leuchtturm der Toleranz, Zurückhaltung und des friedlichen Zusammenlebens" zu präsentieren.

Die Religionen müssten gemeinsam kämpfen, forderte nun der Papst - "gegen die Logik bewaffneter Macht, gegen die Monetarisierung von Beziehungen, die Aufrüstung der Grenzen, die Errichtung von Mauern, die Knebelung der Armen".

Für ein friedliches Zusammenleben der Religionen

Auch Gewalt aus Glaubensgründen verurteilte Franziskus scharf. "Es gibt keine Gewalt, die religiös gerechtfertigt werden kann."

Für den Nahen Osten wünscht sich der Papst demnach "Gesellschaften, in denen Menschen unterschiedlicher Religionen das gleiche Heimatrecht genießen". Vor allem in Saudi-Arabien und in Bahrain werden Schiiten von sunnitischen Herrschaftshäusern diskriminiert, zehntausende Beduinen leben in der Golfregion ohne Staatsbürgerschaft.

Papst Franziskus und Scheich Ahmed al-Tajib, Großimam der Al-Azhar-Universität in Kairo
DPA

Papst Franziskus und Scheich Ahmed al-Tajib, Großimam der Al-Azhar-Universität in Kairo

Vor Papst Franziskus hatte der Großscheich der islamischen Al-Azhar-Universität von Kairo, Scheich Ahmed al-Tajib, die Brüderlichkeit von Muslimen und Christen betont "Umarmt weiterhin überall eure christlichen Brüder, als seien sie eure Partner", sagte der Großimam. Er rief Muslime im Westen dazu auf, sich positiv in die Gesellschaften zu integrieren.

Im Rahmen des Treffens unterzeichneten der Papst und der Großimam ein gemeinsames Dokument, das die Verbundenheit der Religionen betont. "Alle, die in ihrem Herzen an Gott und Menschlichkeit glauben", sagte Ahmed al-Tajib, sollten sich gemeinsam gegen Extremismus und für Toleranz und Brüderlichkeit einsetzen. Das Dokument sei auch ein Aufruf an die politischen Führer der Welt, Blutvergießen und Konflikte zu beenden.

Franziskus wird noch bis Dienstag in den Vereinigten Arabischen Emiraten sein. Den Besuch beendet er mit einer großen Messe, zu der 130.000 Gläubige aus der ganzen Region erwartet werden.

ala/dpa/AP/AFP



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