Katholische Kirche Papst bezeichnet Missbrauch in Irland als "schweren Skandal"

In Irland hat Papst Franziskus den Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche als schweren Skandal anerkannt. Das Versagen der Kirche sei noch immer eine Quelle des Schmerzes und der Scham.

Papst Franziskus
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Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Irland das Versagen der Kirche im Umgang mit Missbrauchsfällen bedauert. Er könne nicht umhin, "den schweren Skandal anzuerkennen, der in Irland verursacht wurde, weil Minderjährige von Mitgliedern der Kirche missbraucht wurden, die beauftragt waren, sie zu schützen und zu erziehen", sagte der Papst im Dublin Castle vor Mitgliedern der Regierung und Kirchenvertretern.

Die zweitägige Irlandreise des Papstes findet im Rahmen des Weltfamilientreffens statt, wird aber von einer Reihe von Missbrauchsskandalen überschattet. Franziskus beklagte, dass kirchliche Autoritäten versäumt hätten, "mit diesen abscheulichen Verbrechen angemessen umzugehen". Dieses Versagen haben berechtigterweise zu Empörung geführt und sei nach wie vor eine Quelle des Schmerzes und der Scham in der katholischen Gemeinschaft.

Regierungschef Leo Varadkar rief Franziskus dazu auf, seinen Einfluss zu nutzen, um für "Gerechtigkeit und Wahrheit" in den Missbrauchsfällen der katholischen Kirche in Irland und weltweit zu sorgen. Den Worten müssten Taten folgen. Die Wunden seien noch immer offen. "Wir bitten Sie, den Opfern und Überlebenden zuzuhören. Wir wissen, Sie werden das tun."

Nach einem Besuch im Wallfahrtsort Knock im Westen Irlands steht am Sonntag in Dublin eine Messe auf dem Programm des Papstes. Dazu werden Hunderttausende Gläubige erwartet. Zeitgleich sind aber auch Mahnwachen für die Opfer von Missbrauch in kirchlichen Institutionen geplant.

Der letzte Besuch eines Papstes in Irland liegt schon beinahe 40 Jahre zurück. Johannes Paul II. wurde 1979 unter großem Jubel empfangen. Damals war die katholische Kirche in Irland noch weitgehend unumstritten - der größte Teil der Bevölkerung ging regelmäßig am Sonntag in die Kirche. Noch immer bekennen sich viele Iren zum katholischen Glauben, doch das Land hat sich grundlegend verändert.

Im vergangenen Mai stimmten die Iren für eine Lockerung des strengen Abtreibungsverbots. Im Jahr 2015 führte Irland per Volksentscheid die Homo-Ehe ein - beide Entscheidungen fielen gegen den Willen der Katholischen Kirche aus.

hut/dpa/Reuters

insgesamt 33 Beiträge
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herumnöler 25.08.2018
1. Zölibat abschaffen?
Das allein könnte schon helfen. Besser wäre jedoch: Religiosität durch Humanismus ersetzen. Wir brauchen keine verschiedenen Götter. Wir brauchen auch keinen Glauben, den wir nicht durch Beweise unterlegen können. Religion ist Opium fürs Volk. Wie Homöopathie. Bildeung tut Not.
WilhelmHauser 25.08.2018
2. Christliche Werte ... interessant!
Jeden Verein, bei dem auch nur im Kleinsten etwas Vergleichbares stattgefunden hätte, hätte man schon längst geschlossen. Bei der Kirche ist es jedoch anders. Da drücken die Unwissenden Menschen gerne Mal ein Auge zu. Schließlich behauptet die Kirche ja auch von sich, dass sie die Stellvertreter Gottes auf Erden sind. Jesus sagte: "An den Früchten werdet ihr sie erkennen!" Ja, das tun wir. Mit Gewissheit. Für mich ist unverständlich dass es heute noch Menschen gibt, die gutgläubig, ohne die Wahrheit zu hinterfragen, sich diesem Club verbunden fühlen können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott den Missbrauch von Kindern gutheißt.
Pfaffenwinkel 25.08.2018
3. Die erzwungene Ehelosigkeit
der Priester dürfte einer der Gründe für diesen Kindesmissbrauch sein. Wann wird das endlich geändert?
WilhelmHauser 25.08.2018
4. Vielleicht - vielleicht aber auch nicht.
Zitat von Pfaffenwinkelder Priester dürfte einer der Gründe für diesen Kindesmissbrauch sein. Wann wird das endlich geändert?
Diese Stellvertreter des Christentums, die im Zölibat leben begehen wahrlich abscheuliche Taten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein der norm entsprechender heterosexueller Mann sich an Kindern vergreift, wenn er keine Frau haben darf. Ich, an ihrer Stelle, würde mir eine Frau suchen. Aber dass der Kindesmissbrauch in diesen Dimensionen durch die Christen der Kirche stattfindet - ist unvorstellbar. Oder steht vielleicht in der Bibel, dass man sich Kinder greifen soll, wenn man keine Frau haben darf? Mir ist nicht mal ein Vers aus der Bibel bekannt, woraus abzuleiten wäre, dass ein Mann ohne Frau zu leben hat. Das ist unnatürlich und widerspricht den Gesetzen Gottes.
pejoachim 25.08.2018
5. Sonntagsreden - der Beichte gleich?
Solange der Vatikan keine Konsequenzen aus den zahllosen Affären zieht, bleibt alles nur Gerede. Und eine überfällige Konsequenz wäre es, das Zölibat abzuschaffen.
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