Papst Franziskus "Populismus ist nicht die Lösung"

Donald Trumps Migrationspolitik widerspricht laut Papst Franziskus "katholischen Werten". Aber auch für europäische Regierungen findet er kritische Worte.

Papst Franziskus
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Papst Franziskus hat die Regierung von US-Präsidenten Trump für die Trennung von Migrantenfamilien an der mexikanischen Grenze kritisiert. "Es ist nicht einfach, aber Populismus ist nicht die Lösung", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Er unterstütze jüngste Stellungnahmen von katholischen Bischöfen aus den USA. Diese hatten die sogenannte Null-Toleranz-Politik als "unmoralisch" und "unseren katholischen Werten widersprechend" bezeichnet.

Von Mitte April bis Ende Mai trennten US-Grenzwächter fast 2000 Kinder von ihren Eltern, weil die Familien versucht hatten, illegal von Mexiko in die Vereinigten Staaten einzureisen. Die Kinder wurden dabei in Heimen oder bei Pflegefamilien untergebracht, die Eltern getrennt von ihnen inhaftiert.

Ebenso äußerte er sich kritisch zu Trumps Entscheidung, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen. Dieser Schritt habe bei ihm Schmerz ausgelöst, "weil die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel steht". Er hoffe, der US-Präsident werde seine Position überdenken.

Auch die europäischen Populisten bekamen ihr Fett weg. Sie würden eine Psychose über das Thema Zuwanderung erzeugen, obwohl die alternden europäischen Gesellschaften mit einem "großen demographischen Winter" konfrontiert würden. Ohne Zuwanderung werde Europa leer werden, sagte er.

Kritik an Italiens Regierung

Franziskus kritisierte auch Italiens Regierung, die das Rettungsschiff Aquarius mit hunderten Flüchtlingen an Bord abgewiesen hatte. "Ich glaube man kann Menschen nicht zurückweisen, die ankommen." Man müsse die Flüchtlinge aufnehmen, sie versorgen, begleiten und dann schauen, wo man sie unterbringe. Danach müsse man sie europaweit verteilen.

Zur der Kritik durch konservative Vertreter der Kirche an seiner vergleichsweise liberalen Interpretation der katholischen Lehre, sagte er, er bete für diejenigen, die manchmal gehässige Dinge über ihn sagten.

Die Zukunft der Kirche will Franziskus offenbar weiter mitgestalten. Der 81-Jährige wiederholte zwar seine Aussage, dass er möglicherweise eines Tages aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten werde wie sein Vorgänger Benedikt XVI., sagte jedoch auch: "Gerade denke ich da nicht einmal drüber nach." Bis auf Schmerzen in den Beinen sei er in guter gesundheitlicher Verfassung.

In dem Interview deutete der Papst außerdem an, er werde möglicherweise den Rücktritt von weiteren Bischöfen im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in Chile akzeptieren.

bbr/Reuters

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