Kritik am Kapitalismus Papst Franziskus geißelt Profitgier

Der Papst hat zur Reform der globalen Finanzmärkte aufgerufen. "Geld muss uns dienen, nicht über uns herrschen", sagte der Franziskus bei einem Besuch von Botschaftern im Vatikan.

Papst Franziskus: "Diktatur einer Wirtschaft"
AFP

Papst Franziskus: "Diktatur einer Wirtschaft"


Vatikan-Stadt - Mit drastischen Worten hat Papst Franziskus die weltweite Dominanz des Kapitalismus und Ausbeutung der Menschen durch profitorientierte Konzerne gegeißelt. "Das Geld muss uns dienen, es darf nicht regieren", mahnte er am Donnerstag bei einem Treffen mit den Botschaftern mehrerer Kleinstaaten in Rom. Als Ursache der globalen Finanzkrise machte das Oberhaupt der katholischen Kirche die "neuen Götzen" der Menschheit aus: "Den Geldfetischismus und die Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne menschliche Ziele."

Die Schere zwischen Arm und Reich klaffe immer weiter auseinander, und selbst in wohlhabenden Ländern schreie die Ungerechtigkeit "zum Himmel", kritisierte Franziskus, der sich schon als Erzbischof von Buenos Aires einen Ruf als Sprachrohr der Armen erworben hatte. Korruption und Steuerhinterziehung hätten sich zu globalen Problemen ausgewachsen, überall würden die Menschen "auf ein einziges Bedürfnis reduziert: den Konsum".

"Und schlimmer noch, der Mensch selbst wird sogar als Konsumgut angesehen, das man benutzen und dann wegwerfen kann", rügte der Papst. Gesellschaftliche Solidarität sei völlig der Handlungslogik von Finanz- und Wirtschaftswelt unterworfen worden: Es herrsche "eine Ideologie der totalen Marktfreiheit und Finanzspekulation, die dem Staat das Recht auf Kontrolle entzieht". Von den verantwortlichen Politikern und Wirtschaftskapitänen wünscht sich Franziskus daher "einen mutigen Einstellungswandel".

suc/AFP/Reuters

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benutzer10 17.05.2013
1. Kann ich nur unterschreiben
Zitat von sysopAFPDer Papst hat zur Reform der globalen Finanzmärkte aufgerufen. "Geld muss uns dienen, nicht über uns herrschen", sagte der Franziskus bei einem Besuch von Botschaftern im Vatikan. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-franziskus-kritisiert-profitgier-a-900402.html
Ich will das alles nur unterschreiben, was der Papst da sagt, und gehe davon aus, dass er das aufrichtig meint. Es ist dringend Zeit, diese seelenlose Diktatur des Geldes aufzubrechen und wieder zu den Werten zu finden, die wichtig sind für das Leben. Vor 20 Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten, jetzt erwäge ich, wieder einzutreten.
SuNuraxi 17.05.2013
2. Ist ja eh gut, dass darüber berichtet wird.
Zitat von sysopAFPDer Papst hat zur Reform der globalen Finanzmärkte aufgerufen. "Geld muss uns dienen, nicht über uns herrschen", sagte der Franziskus bei einem Besuch von Botschaftern im Vatikan. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-franziskus-kritisiert-profitgier-a-900402.html
Was mich aber ärgert, ist, dass man es ignoriert hat, wenn Benedikt inhaltlich das Selbe gesagt hat, wenn vielleicht auch mit anderen Worten, und zwar sehr oft (Johannes Paul übrigens auch). Benedikt war offenbar schon von vornherein der Böse, und deshalb DURFTE er einfach keine Kapitalismuskritik geäußert haben. Wenn es peinlicherweise doch immer wieder passierte, hat man es halt totgeschwiegen. Umgekehrt war Feuer auf dem Dach, wenn Benedikt sich gegen die Abtreibung aussprach (eh schon wissen: reaktionär, fundamentalistisch, Mittelalter). Franziskus tut das auch, und zwar sehr massiv; er spricht sich für die Aktion "One of us" aus, fordert gesetzlichen Schutz für Embryonen etc. Aber das wird ignoriert, darüber steht (in den deutschsprachigen Medien) nirgendwo ein Wort , weil sonst könnte ja ein Schatten auf den Mediendarling Franziskus fallen. Es wird hier definitiv mit zweierlei Maß gemessen, und das Spielchen "Guter Papst - Böser Papst" und die damit zusammenhängende Leser-Manipulation geht wider besseres Wissen munter weiter. Schon irgendwie zum Kotzen.
danbrodie 17.05.2013
3. Franziskus' Kapitalismuskritik
Da hat er über jeden Zweifel erhaben recht. Bleibt zu hoffen, dass Papst Franziskus es schafft,1,5 Mia Gläubige zu mobilisieren,um den Tanz ums goldene Kalb zu beenden...
gog-magog 17.05.2013
4.
Zitat von sysopAFPDer Papst hat zur Reform der globalen Finanzmärkte aufgerufen. "Geld muss uns dienen, nicht über uns herrschen", sagte der Franziskus bei einem Besuch von Botschaftern im Vatikan. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-franziskus-kritisiert-profitgier-a-900402.html
Es wäre doch zu schön, wenn man den Papst mal als Redner beim nächsten CDU- oder CSU-Parteitag einladen würde und auch den so genannten Liberalen und Sozialdemokraten könnte man die Ansichten des Oberhauptes der Christenheit sehr wohl mal ins Stammbuch schreiben. Die Parteien reden permanent vom angeblich "christlichen" Abendland und dann beten sie den Mammon an.
luigi 17.05.2013
5. Merkwürdig...
Zitat von sysopAFPDer Papst hat zur Reform der globalen Finanzmärkte aufgerufen. "Geld muss uns dienen, nicht über uns herrschen", sagte der Franziskus bei einem Besuch von Botschaftern im Vatikan. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/papst-franziskus-kritisiert-profitgier-a-900402.html
... da sagt der Papst mal wieder was, was alle Linken dieser Welt sofort unterschreiben können, aber keinen interessierts. Wie schon bei Benedikt oder JPII, die sich ähnlich geäußert haben. Sagt er aber was über Abtreibung , Homoehe oder Zölibat, geht das hasserfüllte Gegeifere der üblichen Foristen los. Das Problem für Viele: Die drei letzten Päpste (und einige ihrer Vorgänger) sind/waren absolut revolutionär, was Politik und Marktgeschehen angeht. Sie sind aber absolut konservativ in Sachen Menschenrechte, Ethik und Moral. Diese Haltung finden Sie heute bei keiner anderen Institution als der RKK. Und das wird so bleiben und ist gut so.
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