Kinderbuch über homosexuelle Partnerschaften Papst Franziskus gefällt das

Ein Ei trifft auf homosexuelle Pinguine und Kaninchen: Francesca Pardis Kinderbuch "Piccolo Uovo" hat einen Eklat unter Italiens Konservativen ausgelöst. Jetzt hat es offenbar einen prominenten Fan gefunden - mit dem wohl keiner rechnete.

Papst Franziskus: Segenswunsch für Autorin eines Kinderbuchs, das LGBT-Partnerschaften thematisiert
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Papst Franziskus: Segenswunsch für Autorin eines Kinderbuchs, das LGBT-Partnerschaften thematisiert


Pinguine, Kängurus und Nilpferde stehen vor einem Regenbogen, neben ihnen ein lächelndes Ei: Das Cover des italienischen Kinderbuchs "Piccolo Uovo" ("Kleines Ei") lässt nicht erahnen, welche politischen und religiösen Debatten es ausgelöst hat.

Die Geschichte um ein kleines Ei mag auf den ersten Blick harmlos erscheinen, führte aber bei italienischen Konservativen dazu, der Verfasserin Francesca Pardi vorzuwerfen, sie werbe für ein liberaleres Familienbild. Der Grund: Das Ei trifft auf verschiedene Typen von Familien - unter anderem ein alleinerziehendes Nilpferd, ein homosexuelles Paar Pinguine, lesbische Kaninchen, die eine Familie gegründet haben, und Kängurus, die Polarbären adoptiert haben.

Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, verbannte das Buch, zusammen mit rund 50 weiteren Titeln, aus den Schulen der Stadt. Daraufhin verlangten mehr als 250 italienische Schriftsteller aus Protest, dass ihre Bücher aus den Regalen Venedigs entfernt werden sollten.

Cover von "Piccolo Uovo": lesbische Kaninchen und homosexuelle Pinguine
Lo Stampatello

Cover von "Piccolo Uovo": lesbische Kaninchen und homosexuelle Pinguine

Nun hat das kleine Ei einen Unterstützer gefunden, mit dem wohl die wenigsten gerechnet haben: Wie der "Guardian" berichtet, ließ Papst Franziskus einen Brief an die Autorin Pardi verschicken, die selbst in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt und vier Kinder hat. "Seine Heiligkeit", heißt es in dem Schreiben vom 9. Juli, "ist dankbar für die aufmerksame Geste und für die Gefühle, die sie ausgelöst hat." Er hoffe auf mehr fruchtbare Aktivitäten im Dienste junger Generationen und zur Verbreitung menschlicher und christlicher Werte. Den Brief unterzeichnete Peter Brian Wells, ein Diplomat des Heiligen Stuhls.

Pardi hatte im Juni ein Paket mit Kinderbüchern an den Papst gesandt, die sich auch mit Familienmodellen mit homosexuellen Eltern beschäftigen. Sie hatte einen Brief beigefügt, in dem sie über die Angriffe schrieb, denen sie nach der Veröffentlichung von "Piccolo Uovo" ausgesetzt war, und in dem sie fragte, weshalb sich die Kirche nicht hinter sie und andere angegriffene Autoren stelle. Mit einer Antwort habe sie jedoch nicht gerechnet, sagte sie dem "Guardian".

Der Vatikan sah sich am Freitag allerdings genötigt, eine Klarstellung zu veröffentlichen: Es sei keine Aufmunterung gewesen, eine Lehre zu verbreiten, die nicht mit der christlichen übereinstimme, sondern ein privater Brief, sagte ein Vatikansprecher.

"Ich bin keiner, der sie verurteilt"

Aus Sicht der römisch-katholischen Kirche gilt eine homosexuelle Neigung als "objektiv ungeordnet", homosexuelle Handlungen widersprächen dem Naturrecht. Als mehr als 60 Prozent der irischen Wähler sich in einem Referendum im Mai für die Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen ausgesprochen hatten, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, dies sei eine "Niederlage für die Menschheit".

2013 hatte sich Papst Franziskus bereits offener gezeigt: "Wenn eine homosexuelle Person guten Willen hat und Gott sucht, dann bin ich keiner, der sie verurteilt", sagte er damals in einem Interview. "Einmal hat mich jemand provozierend gefragt, ob ich Homosexualität billige. Ich habe ihm mit einer anderen Frage geantwortet: 'Sag mir: Wenn Gott eine homosexuelle Person sieht, schaut er die Tatsache mit Liebe an oder verurteilt er sie und weist sie zurück?'"

Der Katholizismus hat in Italien einen starken Einfluss. Im Juni protestierten in Rom Hunderttausende für die Familie als Konstrukt zwischen Mann und Frau und gegen gleichgeschlechtliche Elternschaft. Im Juli hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Italien zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aufgefordert. Italien ist eines der wenigen EU-Länder, in denen gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt sind. Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi will keine Homo-Ehe, dafür aber bis Jahresende die eingetragene Lebenspartnerschaft durchsetzen.

skr/dpa



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