Papst und Homophobie-Vorwürfe Franziskus traf schwulen Freund in Washington

Das Treffen des Papstes mit der homophoben Standesbeamtin Davis in den USA sorgte für heftige Kritik. Nun will der Vatikan den Schaden begrenzen: Franziskus teile Davis' Haltung nicht - und habe auch einen schwulen Freund getroffen.


Solche Fehltritte passieren Papst Franziskus selten: Nachdem er sich während seines USA-Besuchs mit der umstrittenen US-Standesbeamtin Kim Davis aus Kentucky getroffen hatte, musste er sich scharfe Kritik anhören. Liberale Christen waren entsetzt, wie er die schwulenfeindliche Haltung von Davis öffentlich unterstützen konnte.

Nun ist der Vatikan um Schadensbegrenzung bemüht. Franziskus' Begegnung mit Davis solle nicht als Zustimmung zu ihrem Verhalten gedeutet werden, erklärte der Vatikan. "Der Papst hat sich nicht mit den Details der Situation von Frau Davis beschäftigt, und sein Treffen mit ihr war keine Form der Unterstützung", sagte Sprecher Federico Lombardi.

Davis ist in den USA landesweit bekannt geworden, weil sie sich beharrlich weigert, homosexuelle Paare zu trauen. Die Christin begründet ihre Weigerung mit ihrer Religion. Sie saß sogar in Beugehaft - und wurde zur Heldin der amerikanischen Konservativen.

Offenbar hat der Vatikan die Wirkung des Treffens mit Davis falsch eingeschätzt - und will dessen Bedeutung nun herunterspielen. Papst Franziskus habe in der Vatikan-Botschaft in Washington "mehrere Dutzend" Menschen getroffen, erklärte Lombardi. Solche Zusammenkünfte fänden auf jeder Reise statt und seien ein Zeichen seiner "Freundlichkeit und Präsenz". Ein gesondertes Treffen mit Davis habe nicht stattgefunden.

Die einzige offizielle Audienz in Washington hat der Papst dem Vatikan zufolge seinem alten Bekannten Yayo Grassi und dessen Lebensgefährten gewährt. Grassi erklärte gegenüber CNN, Franziskus habe ihm drei Wochen vor dem Treffen mitgeteilt, dass er ihn gerne umarmen würde. Die beiden Argentinier kennen sich schon seit den Sechzigerjahren.

Auf Facebook postete Grassi ein Video seiner Zusammenkunft in der Botschaft. Darauf ist zu sehen, wie Franziskus ihn und seinen Partner umarmt und sich mit ihnen unterhält.

Seine sexuelle Orientierung sei dem Pontifex schon seit Langem bekannt, so Grassi. Er habe sie aber nie verurteilt oder "etwas Negatives" gesagt. "Ich kann sagen, dass sich der Papst mit mir getroffen hat, obwohl er wusste, dass ich schwul bin, und wir hatten eine außergewöhnliche und sehr bewegende Unterhaltung."

kry/Reuters/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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hwdtrier 02.10.2015
1. Hasse die Sünde
und liebe die Sünder. Die Verweigerung einer aus christlicher Sicht verbotenen Trauung hat nichts mit dem Verhältnis zu den Menschen zu tun.
austromir 02.10.2015
2. schwer
seine Scheinheiligkeit hat ein schweres Leben.
viconia 02.10.2015
3.
Franziskus weigert sich, klar und für jeden verständlich Stellung zu beziehen. ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll. "...Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. Matthäusevangelium 5,20–22a.27–28.33–34a.37"
noalk 02.10.2015
4. Mir fällt keine Überschrift ein
Man stelle sich vor, der Papst hätte sich mit einem Häftling getroffen, der wegen mehrfachen Mordes verurteilt wurde. Wäre ihm das auch als öffentliches Gutheißen von dessen Verbrechen ausgelegt worden? Diese öffentliche Aufschreierei geht mir - langsam aber sicher - ganz gewaltig auf den Keks.
tolate 03.10.2015
5.
Was ist denn so kritikwürdig an der Begegnung von Papst Franziskus mit der Standesbeamtin Kim Davis? Hat er ihre Einstellung zur Homosexualität, ihre Einstellung zur Eheschließung zwischen Homosexuellen thematisiert? Nein, er fand ihre Entscheidung, für ihre Einstellung offen einzutreten und dafür auch Nachteile in Kauf zu nehmen beachtenswert. Und das ist auch richtig. Problematisch wird es doch, wenn alle der political correctness frönen, am besten noch, wenn sie von oben vorgegeben wird, oder unterschiedliche Überzeugungen und Einstellungen gewalttätig ausgetragen werden, obwohl sie nicht die Lebensmöglichkeiten der jeweils anderen einschränken, und auch sonst keine Gefahr darstellen. Die offene und gewaltfreie Diskussion über Abtreibung, Beihilfe zum Suizid, Euthanasie, Regime Change usw. ist besser als verordnete oder nach entsprechender Vorarbeit entstandene Einstellungen, die man haben muss, will man nicht ausgegrenzt werden.
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