"Unantastbarkeit der Person" Papst verbannt Todesstrafe aus katholischer Glaubenslehre

Ein uralter Passus aus dem Lehrbuch der katholischen Kirche verschwindet: Papst Franziskus hat entschieden, dass die Todesstrafe unter allen Umständen abzulehnen sei. Das dürfte auf starken Widerstand stoßen.

Papst Franziskus
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Papst Franziskus verbannt die Todesstrafe aus der Glaubenslehre der katholischen Kirche. Sie sei unzulässig, "weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt", heißt es in einer Änderung des Katechismus, des offiziellen Lehrbuchs.

Künftig bekennt sich die Kirche zudem zu einem entschiedenen Kampf für eine Abschaffung der Todesstrafe weltweit. Bislang schloss der Katechismus - die verbindliche Richtschnur für Katholiken - die Todesstrafe als letztes Mittel nicht prinzipiell aus.

Die neue Regel spiegele die Position des Papstes wider, teilte der Vatikan mit. Franziskus ist als vehementer Gegner der Todesstrafe bekannt. 2016 hatte er gesagt, es freue ihn, dass auf der ganzen Welt der Widerstand gegen die Todesstrafe wachse. Auch ein Verbrecher habe "ein unantastbares Recht auf Leben", dieses sei schließlich "ein Geschenk Gottes".

Ein Wandel der bisherigen Haltung der katholischen Kirche zur Frage der Todesstrafe hatte sich schon unter dem 2005 gestorbenen Papst Johannes Paul II. angebahnt. Die jetzt beschlossene Änderung dürfte auf starken Widerstand in Ländern wie den USA stoßen, wo viele Katholiken die Todesstrafe befürworten und diese noch verhängt und vollstreckt wird.

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Im Jahr 2017 sind laut Amnesty International weltweit mindestens 993 Menschen hingerichtet worden. Die mit Abstand meisten Exekutionen fanden dem Bericht der Organisation zufolge in Iran statt, gefolgt von Saudi-Arabien, Irak und Pakistan.

Vermutlich werden jedoch in einem anderen Staat mehr Todesurteile vollstreckt als im Rest der Welt zusammen: China macht zwar keine offiziellen Angaben zu Hinrichtungen, laut Amnesty ist jedoch davon auszugehen, dass in der Volksrepublik die Todesstrafe weiterhin "tausendfach verhängt und vollstreckt" wird.

mxw/dpa/AFP/Reuters



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