"Ausverkauf" der Untergrundkirche Papst wird wegen Zugeständnissen an China kritisiert

Der Papst will das Verhältnis zu China normalisieren. Dafür plant er einem Bericht zufolge, den Ausschluss von sieben Bischöfen von den Sakramenten aufzuheben. Heftige Kritik kommt aus den eigenen Reihen.

Papst Franziskus auf dem Petersplatz
REUTERS

Papst Franziskus auf dem Petersplatz


Pläne des Papstes über eine Annäherung an China haben in der katholischen Kirche eine heftige Kontroverse ausgelöst. Der Pontifex will die jahrzehntealte Kluft zwischen Staats- und Untergrundkirche verringern. Dafür geht er auf die kommunistische Führung in China zu.

Einem Bericht des "Wall Street Journal" ("WSJ") zufolge will das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem großen Zugeständnis an die Führung in Peking sieben Bischöfe der Staatskirche anerkennen. Das stößt auf scharfe Kritik in den eigenen Reihen.

Kritiker warnten vor einem "Ausverkauf" der Katholiken der chinesischen Untergrundkirche. Knapp die Hälfte der schätzungsweise mehr als zehn Millionen Katholiken in China entzieht sich der staatlichen Kontrolle und steht loyal zum Papst, wofür viele auch verfolgt werden. Die "patriotische" Kirche Chinas akzeptiert den Papst dagegen nicht als Autorität.

Papst könnte Exkommunizierungen zurücknehmen

Der Papst wolle die Exkommunizierung der sieben Bischöfe zurücknehmen, berichtete das Blatt unter Hinweis auf eine mit dem Plan vertraute Person. Die Bischöfe waren mit Exkommunizierung - dem Ausschluss von bestimmten Rechten - bestraft worden, weil sie gegen den Willen des Papstes ihre Ernennungen durch die Staatskirche angenommen hatten.

Der Vatikan habe Peking informell von der Entscheidung des Papstes über die sieben Bischöfe der Staatskirche unterrichtet, die im Frühjahr verkündet werden könne, berichtete das "WSJ".

Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen und 1951 die "Katholische Patriotische Vereinigung" gegründet. Wer weiterhin dem Papst die Treue hielt, musste in den Untergrund gehen. Der Papst, der noch nie zu einem Besuch nach China reisen konnte, hat wiederholt erklärt, die Spaltung der Kirche überwinden zu wollen.

Die Annäherung an die Staatskirche wurde vom pensionierten Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, heftig kritisiert. Er warnte am Montag in einem offenen Brief davor, sich einem "totalitären Regime" zu ergeben.

Korrektur: In einer früheren Fassung dieses Textes stand, dass die Exkommunizierung den Ausschluss aus der Kirche bedeutet. In der römisch-katholischen Kirche verlieren die Exkommunizierten allerdings nur gewisse Rechte. Dazu gehört, dass sie die Sakramente nicht mehr spenden oder empfangen und kein kirchliches Amt ausüben dürfen.

brt/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.