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Papst-Heiligsprechung im Doppelpack: Vatikan plant Mega-Show

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Heiligsprechung von zwei Päpsten: Die heilige Show Fotos
AFP

Der Papst spricht am 27. April Johannes Paul II. und Johannes XXIII. heilig. Fünf Millionen Pilger werden erwartet. Der Vatikan wappnet sich für eine PR-Operation der Superlative.

Als Papst Pius X. im Mai 1954 heiliggesprochen wurde, waren die Bilder der Zeremonie unscharf, düster - und schwarz-weiß. Ein Sprecher des italienischen Fernsehens beschrieb mit sonorer Stimme das Geschehen, im Hintergrund dräuende Orchestermusik, im Vordergrund sittsame Gläubige.

Doch schon damals bediente sich die Kirche der neuesten Technik - nur vier Monate zuvor war das erste Fernsehprogramm Italiens auf Sendung gegangen, im ganzen Land gab es gerade mal 80.000 Geräte. Doch die Heiligsprechung von Pius X. wurde live von der RAI übertragen.

Knapp 60 Jahre später haben sich Medienlandschaft und Technologien massiv verändert - und mit ihnen das Spektakel, das rund um die Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. inszeniert wird. Am 27. April ist es soweit - und der Vatikan fährt ordentlich auf: Insgesamt 34 TV-Kameras haben den Petersplatz im Fokus, 15 von ihnen liefern HD-Aufnahmen, 13 weitere übertragen in 3D, die restlichen sechs senden in 4K Ultra HD. Neun Satelliten werden die Bilder in die ganze Welt transportieren. Ein "historisches Ereignis" steht bevor, techno- wie theologisch.

Fünf Millionen Pilger werden zu der Zeremonie in Rom erwartet. Um der Massen Herr zu werden, sollen die U-Bahnen nonstop fahren und sämtliche anderen Verkehrsmittel aufgestockt werden. Straßen im Zentrum sollen zu Fußgängerzonen werden, mehr als 2500 Freiwillige sollen die Besucher mit Wasser versorgen, berichtet die "Repubblica".

Mission im Kinosaal

Für den großen Moment hat sich das "Centro Televisivo Vaticano" Profis des Pay-TV-Anbieters Sky mit ins Boot geholt, auch der Medienkonzern Sky Deutschland ist dabei. In 500 Kinosälen in 20 Ländern wird die Heiligsprechung live übertragen werden - kostenfrei sowohl für die Betreiber der Lichtspielhäuser als auch die Zuschauer.

"Wir müssen allen das Wort der Kirche zugänglich machen", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi anlässlich der Präsentation des Projekts in Rom. "Wir müssen den Ärmsten die Möglichkeit geben, dort zu sein, wo sich Kommunikation heute abspielt", betonte er.

Was da aus dem Vatikan verkündet wird, klingt eigentümlich anachronistisch in einer Zeit, in der Armut nicht zwangsläufig mit Abstinenz von elektronischen Medien gleichzusetzen ist. Der Papst ist längst auf Twitter und Facebook vertreten, wo er recht persönliche Fotos von sich bei der Beichte oder bei Krankenbesuchen posten lässt. Es gibt eine neue Regenbogen-Gazette nur über Franziskus und sein Schaffen, die vom Vatikan goutiert wird.

Doch die Segnungen einer "technologischen Mission" scheint die Kirche erst mit reichlich Verspätung für sich zu entdecken. "Die neuen Medien sind eine Herausforderung, aber auch eine Möglichkeit, Geschichte zu machen", sagte der Vorsitzende des Päpstlichen Medienrates, Erzbischof Claudio Maria Celli, laut "Stampa". Der Vatikan könne dadurch Beziehungen mit der ganzen Welt unterhalten, Mauern und Gräben überwinden und "das Licht des Evangeliums überall hintragen".

Umstrittene Seligsprechung

Im Mai 2011 hatte der inzwischen emeritierte Papst Benedikt XVI. seinen Vorgänger Johannes Paul II. seliggesprochen, schon damals kamen eineinhalb Millionen Pilger nach Rom. Voraussetzung für das kirchenrechtliche Verfahren der Heiligsprechung sind in der katholischen Kirche eine besonders große Tugendhaftigkeit des Kandidaten sowie ein Martyrium oder ein Wunder. Im Fall von Johannes Paul II. hat Papst Franziskus im Juli 2013 per Dekret das Mirakel anerkannt, dass Floribeth Mora Díaz aus Costa Rica am Tag von Wojtylas Seligsprechung von einem Aneurysma im Gehirn geheilt wurde.

Kritik gab es schon an der Seligsprechung Wojtylas - Opfer kirchlichen Missbrauchs warfen dem Papst vor, nicht hartnäckig genug gegen Sexualstraftäter vorgegangen zu sein. Seine Freundschaft mit dem Ordensgründer der Legionäre Christi, Marcial Maciel Degollado, der nachweislich Seminaristen sexuell missbraucht hatte, warf einen Schatten auf seine Integrität. "Es gibt zu viele Einwände gegen ihn, die nicht genug gewertet wurden", sagte Kirchenkritiker Hans Küng.

Während der Prozess zur Heiligsprechung von Johannes Paul II. zügig verlief, musste Franziskus bei Johannes XXIII. den Nachweis eines zweiten Wunders sozusagen erlassen, um eine gleichzeitige Zeremonie zu ermöglichen. Der für seine Bescheidenheit und Volksnähe beliebte Papst Johannes XXIII. war nur fünf Jahre lang im Amt, bevor er im Juni 1963 an Krebs starb. Er berief im Oktober 1962 das Zweite Vatikanische Konzil ein, das notwendige innerkirchliche Reformen einleiten sollte. Johannes XXIII. wurde von Johannes Paul II. im September 2000 seliggesprochen, nachdem ihm als erstes Wunder die Heilung einer italienischen Ordensschwester von einem Magendurchbruch angerechnet worden war.

Viel Geld wird ausgegeben und verdient werden bei dem Mega-Event. Der Bürgermeister von Rom, Ignazio Marino, beziffert die Kosten auf etwa fünf Millionen Euro. Was die Kirche investiert, ist nicht bekannt. Die Diözese Rom werde aber auf kostenintensive Unternehmungen verzichten und "sich auf den spirituellen Aspekt der Veranstaltung konzentrieren", versprach Kardinalvikar Agostino Vallini.

Es werden auch schon Opfer gebracht. Anlässlich der Heiligsprechung wollen die Priester der Heimatdiözese von Johannes XXIII. auf ein Monatsgehalt verzichten - zugunsten bedürftiger Familien.

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insgesamt 35 Beiträge
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1. optional
moneysac123 02.04.2014
was fürn quatsch! aber irgendwie muss man seine lemminge ja bei laune halten...
2. Heiligsprechung
blodnach 02.04.2014
Willkommen im tiefsten Mittelalter.
3. ohje
KarloFilipovic 02.04.2014
Wird echt Zeit, dass wir das Mittelalter mal abschließen oder? Seligsprechungen last minute Heiligsprechungen ... das kann doch kein Mensch ernst nehmen. Religion ist auf jeden Fall die interessanteste und unterhaltsamste Geisteskrankheit von allen.
4. Cool Ey
sebastian_f 02.04.2014
Ein Mann im Kleid, der sonderliche Dinge tut. Woanders würde man das Travestie-Show nennen.
5. Ignorant....
fliegemaus 02.04.2014
warum ist es eigentlich so schwer, Christen einfach Christen sein zu lassen. Den Riten und Gebräuchen anderer Religionen wird hinterhergehechelt und niemand wagt sich das Pilgern der Moslems in Frage zu stellen oder das Bad der Hindus im Ganges. Bei der christlichen Kirche fehlt der Respekt vor der Religion hingegen völlig. Das ist sehr schade. Einer glaubt an Gott, ein anderer an Pflanzen der nächste an das Geld. Sollte man nicht jedem seinen Glauben lassen?
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